Ein Schatz der lokalen Pott-Geschichtsschreibung im Netz

Lokalgeschichte interessiert mich immer, egal zu welcher Stadt, zu welcher Region. Denn oft beschäftigen sich Lokalhistoriker für ihre Studien sehr intensiv mit dem Alltag in der vergangenen Wirklichkeit. Zusammen mit der Ereignisgeschichte werden dann Lebensweisen deutlich. Eine allgemeinere Sozial- und Kulturgeschichte wird ableitbar. Alltagsgeschichte wird oft direkt erzählt.

Ein Schatz solcher Lokalgeschichtsschreibung findet sich seit kurzem im Netz. Die Duisburger Mercator-Gesellschaft hat die von 1957 bis 2013 von ihr herausgegebenen 59 Bände Duisburger Forschungen online gestellt. Mit einem Klick geht es zur Seite, die selbsterklärend ist. Der benutzte Reader war für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Es fällt mir dennoch schwer, mich nicht in diesen unzähligen Seiten Lokalgeschichte zu verlieren.

Duisburg im Kriegstagebuch von Erich Kästner

Momentan beschäftige ich mich für ein Lese- und Hörstück mit dem letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs. Dazu habe ich mir auch „Das Blaue Buch“ von Erich Kästner vorgenommen. Er schrieb sein „Geheimes Kriegstagebuch“ von 1941 bis 1945. Seine Bücher hatten die Nazis verbrannt. Dennoch war er in Deutschland geblieben, was seinerzeit verwunderte und heute aus seiner Persönlichkeit heraus vielschichtig deutbar wäre.

Unter seinem wahren Namen durfte er nicht mehr publizieren. Doch auch der Nationalsozialismus kannte Klüngel, und so konnte er bis 1943 mit Kollegen unter Pseudonymen schreiben und damit Geld verdienen. Sogar das Drehbuch für den UFA-Film Münchhausen war sein Werk. Erst danach war ihm jegliches Schreiben zum Lebensunterhalt untersagt.

Wie populär ist Erich Kästners Werk für Erwachsene eigentlich heute noch? Ein paar seiner Gedichte gehören ja zur Standardsetlist der meisten Lyrik-Compilations. Ist sein Roman „Fabian“ aber noch Schullektüre? Ich weiß es gar nicht. Sei es drum, in seinem geheimen Tagebuch waren auch Zeitungsausschnitte eingeklebt. Einer dieser Ausschnitte, eine Todesanzeige, verweist auf die Duisburger Lebenswirklichkeit im Mai 1943. Kommentarlos war sie eingefügt.

Die Anzeige war in der Kölnischen Zeitung erschienen. Ob auch in der Duisburger Presse eine Anzeige erschien, müsste recherchiert werden. Die Familie muss wohlhabender gewesen sein. Darauf deuten sowohl die Anzeige außerhalb von Duisburg als auch die „langjährige, treue Hausgehilfin“ Käthe Hoff hin, der die Todesanzeige ebenfalls gilt.

Die Todesanzeige macht sehr wahrscheinlich die Folgen eines Luftangriffs auf Duisburg erkennbar. Diese eine Todesanzeige gilt gleich acht Verstorbenen. Die Ursache wird nicht beim Namen genannt. Ein „tragisches Geschick“ habe die Toten ereilt.

Der Ehemann von Franziska Zimmermann überlebte. Warum war Josef Zimmermann nicht zu Hause, als die Bomben fielen? Musste er sich schon für den Kriegsdienst an einem anderen Ort bereit halten? Noch war er ein „Hauptmann der Reserve zur Verfügung“. Den Zusatz deute ich so, dass er vermutlich eben noch nicht im Einsatz war.

Eine seiner Töchter und der Schwiegersohn Ferdinand Bolte lebten in Osnabrück und waren mit ihren zwei Kindern anscheinend zu Besuch in Duisburg.

Erich Kästner wurde wahrscheinlich durch die hohe Opferzahl aufmerksam, gleichwohl muss die Todesanzeige für ihn etwas ausgesagt haben, was über dieses persönliche Schicksal hinaus führt. Meines Erachtens haben die Toten in Duisburg für ihn auf die Kriegslage im Mai 43 im Allgemeinen hingewiesen und damit auf ein Schicksal, das der gesamten deutschen Bevölkerung hat drohen können. Deutsche Truppen hatten am 12. Mai in Nordafrika kapituliert. An der russischen Front mehrten sich die Zeichen der russischen Armee unterlegen zu sein. Seit Anfang 43 unterstützte die US-Luftwaffe die englischen Bombardements auf deutsche Städte. Während die Propaganda etwas anderes erzählt, offenbart sich die Wirklichkeit für Kästner im Leid der Bevölkerung und Zerstörung deutscher Städte.

Die Beerdigung der Duisburger Opfer fand auf dem Ehrenfriedhof statt. Dieses abgrenzte Terrain war zu Beginn des Zweiten Weltkrieges auf dem damals Neuer Friedhof genannten heutigen Waldfriedhof für gefallene Soldaten angelegt worden. Ob zu dem Zeitpunkt auch schon an zivile Opfer gedacht worden ist?

Vor 75 Jahren gab es keinen Fußball in Deutschland

Heute vor 75 Jahren trat die bedingslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Kraft. Generaloberst Jodl hatte am Tag zuvor die Kapitulationsurkunde in Reims unterzeichnet. Wir sparen uns die Geschichte der Wiederholung in Berlin. Warum schreibe ich heute über dieses Kriegsende, da an Fußball in dieser Zeit niemand dachte?

Mit meinem Gedenken könnte ich erinnern, dass vom Kriegsende an die Verbrechen der Nationalsozialisten auch in Deutschland Verbrechen genannt werden durften. So könnte ich über Fußballer wie den Nationalspieler Julius Hirsch schreiben, der in Auschwitz wegen seines jüdischen Glaubens ermordet wurde. Er steht für viele weniger prominent gewordene Opfer der Nazis in ganz Deutschland, unter denen sicher Menschen waren, die den Fußball liebten und, weil sie Gewerkschafter, Sozialdemokraten oder Kommunisten waren, von den SA-Trupps der Nazis sofort nach der Machterübernahme 1933 ermordet wurden.

Ich könnte über Fußballspieler des MSV Duisburg schreiben, die im Krieg gefallen sind. Ich kenne keine Namen. Überhaupt weiß ich wenig über den MSV Duisburg in der Zeit des Nationalsozialismus. Womöglich gibt es schon Literatur? Womöglich ist da eine Lücke der Historie, die gefüllt werden sollte.

Bediene ich damit die Rituale des üblichen Gedenkens, bei dem mancher der Leser hier schon die Augen verdreht? So oft wurde von den Gräuel der Nazis gesprochen. Immer wieder wurde nachdrücklich versucht, die bestehende Verantwortung in der jeweiligen Gegenwart für die gesamte deutsche Geschichte bewusst zu machen. Kann das nicht endlich einmal vorbei sein?

Schon bald nach Kriegsende gab es dieses Aufstöhnen in Deutschland, wenn vom Nationalsozialismus geredet werden sollte. Schon im Mai 1945 waren die Nazis in Deutschland verschwunden. Komplett. Diese Erfahrung machten nicht nur Journalisten aus aller Welt, auch die Deutschen selbst staunten in Tagebüchern und Briefen, wo all die Parteimitglieder geblieben waren. Niemand war wirklich ein Nazi gewesen, außer denen da oben, die jetzt ja, Gott sei Dank, ihre Strafe durch die Alliierten bekommen sollten. Es gab immer harmlose Gründe, um in die Partei eingetreten zu sein. Deshalb war es doch nur zu verständlich, wenn später endlich Schluss sein sollte mit dem Erinnern. Auch von den damaligen Kindern wollten viele als Erwachsene bis in die Gegenwart hinein das Reden von der besonderen Verantwortung beendet wissen. Da wurde es dann auch verständlich für viele, die Helmut Kohls „Gnade der späten Geburt“ erfahren hatten. Das waren prominente Deutsche auf Podien und weniger prominente in privaten Gesprächen.

Doch jedes Gedenken kann lebendige Beschäftigung mit der Vergangenheit sein, um etwas über sich selbst zu begreifen, um das eigene Handeln und dessen mögliche Folgen besser zu verstehen, um die Bedingungen von sozialen Ereignissen zu erkennen. Denn der Wahlerfolg der Nazis war ein soziales Geschehen. Er kam nicht über die deutsche Gesellschaft als plötzliches Schicksal. Die Deutschen handelten. Viele ermöglichten durch Sprechen und Schreiben, das gehandelt werden konnte. Und das hieß, den Nazis die Macht überlassen.

Darum geht es beim Gedenken: wie können wir dazu beitragen, wie können wir verhindern, dass ein demokratisches Land Politikern die Macht ermöglicht, die zuvor schon mit Allmachtsbildern und Gewaltfantasien zur Öffentlichkeit gesprochen haben? Die Nazis hielten sich auch mit Terror an der Macht. Sie wurden aber zugleich von der Zustimmung der deutschen Bevölkerung getragen.

Momentan erleben wir die Diskussion, ob dieser 8. Mai auch in Deutschland Feiertag sein kann. Der AfD-Fraktionschef Alexander Gauland erklärte, er könne so einen Feiertag niemals begehen. In dem Fall zeigt sich Alexander Gauland allerdings nicht sehr klug, weil er doch glauben machen möchte, wie fern nationalsozialistisches Denken seiner Partei sei. Welch einfaches Entlastungszeugnis könnte sich die AfD ausstellen lassen, wenn auch diese Partei sich für den 8. Mai als Tag der Befreiung einsetzte.

Darin zeigt sich das Zwiespältige für jeden Deutschen, wenn er auf den 8. Mai nur als Tag der Befreiung schaut. Ein Tag der Befreiung könnte auch den wahrhaftigen Blick auf die Vergangenheit behindern. Er könnte der alten Erzählung von den Nazis, die immer die anderen waren, neue Kraft geben. Der Nationalsozialismus kam nicht von Außen auf ein unschuldiges Land, das dann von den Guten zum Glück befreit wurde. Der Nationalsozialismus entstand aus der deutschen Gesellschaft heraus. Wähler gaben ihre Stimme den Nationalsozialisten, obwohl Hitler und Goebbels sich zu ihren Absichten gegenüber den politischen Gegnern offen bekannten. An die Macht aber kamen die Nazis erst, weil nationalkonservative Politiker glaubten, mit ihnen für die Durchsetzung ihrer eigenen Interessen paktierten zu können

Alexander Gauland kommt sein rechtskonservativer Nationalismus beim Blick auf das Kriegsende in die Quere. Deshalb kann er in dem Fall nicht taktisch handeln. Ihm ist es unmöglich, seine Partei vom rechtsextremen Denken reinzuwaschen, indem er einen Feierttag der Befreiung befürwortet. Ihm ist es unmöglich, weil mit der „absoluten Niederlage“ der deutschen Wehrmacht seiner Meinung nach auch der Verlust deutscher Gestaltungsmöglichkeiten einherging.

Das kommt dabei heraus, wenn man sich wie Alexander Gauland nicht der gesamten historischen Wahrheit stellt. Diese Gestaltungsmöglichkeiten hatten sich trotz der Niederlage nämlich angedeutet. Großadmiral Dönitz als Nachfolger von Adolf Hitler führte nach Kriegsende noch für wenige Tage eine deutsche Regierung weiter an. Es gab Kabinettssitzungen, bei denen die Illusion gelebt wurde, eigenständig verantwortlich für Deutschland zu sein. Heute kurios anmutende Gespräche gab es, bei denen Dönitz keinen Zweifel daran ließ, welche Zukunft er für Deutschland sah. Er brach nicht mit Adolf Hitler. Etwas anderes als einen Führerstaat konnte er sich nicht vorstellen. Parteien hatten laut Dönitz weiter nichts in einem Deutschland der Volksgemeinschaft zu suchen.

Das sind die Handlungsmöglichkeiten, die Alexander Gauland vielleicht nicht im Sinn hatte, die aber nur vorhanden gewesen sind, wenn das Kriegsende nicht grundsätzlich als Tag der Befreiung angesehen wird. Wer sich auf Handlungsmöglichkeiten der Deutschen bezieht, kann nur die damaligen Machthaber ohne Macht meinen. Denn wenn es die nicht sein sollen, wären es die Nazis gewesen. Niemand anders stand für Deutschland 1945. Nur diese Männer hätten Handlungsmöglichkeiten gehabt, wenn der Krieg nicht verloren gegangen wäre. Wer sich also auf den Verlust von Handlungsmöglichkeiten durch das Kriegsende bezieht, greift die Demokratie der Gegenwart an. Er schreibt eine autoritäre Regierungsform in der Gegenwart fort. Weil das momentan aus allen möglichen Ecken geschieht, erinnere auch ich heute an das Ende des Zweiten Weltkriegs.

Am 5. März 1933 stimmten 33,77 Prozent der Duisburger für die NSDAP. Zwölf Jahre später sah Duisburg beim Überflug so aus wie in den folgenden zwei Clips.

Der Torschrei – Ein Denkmal für den unbekannten Fußballzuschauer?

Längst wissen wir ja aus den interessierten gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen, dass Fakten zu einem Geschehen allenfalls neben den dazu vorhandenen Gerüchten und Lügen weitergegeben werden. Sie können Gerüchte und Lügen nicht eindämmen. Sind Gerüchte und Lügen einmal in der Welt, bleiben sie in der Welt und werden weitergegeben. Die Psychologie weiß dann auch etwas dazu zu sagen.

Das sage ich nur, weil ich heute von einem der Gerüchte erzählen will und ich weiß, dass ich damit einem erkalteten Gerücht, einer Art Mythos, womöglich wieder Lebendigkeit einhauche. Diese Harmlosigkeit erlaube ich mir, selbst wenn viele irrlichternde Stimmen zu Corona zurzeit im Netz den irrationalen Voraussetzungen beim Entstehen einer öffentlichen Meinung und dem sich daraus ergebenden persönlichen Verhalten einen sehr ernsten Hintergrund geben. Das ist eine Geschichte für sich.

Mir geht es heute um die Zuschauer im Fußball und deren Bedeutung für den Sport. Der professionelle Fußball der Gegenwart als Warenangebot für den TV-Zuschauer verwandelt sich in seinem Wesen ohne Stadionbesucher. Nicht von jetzt auf gleich, aber mit der Zeit würde dieser Fußball als reines Konsumangebot für das Fernsehen ein anderer Sport. Die vorhandene Zuschauerkulisse wirkt auf verschiedenen Ebenen. Sie nimmt Einfluss auf das Spiel selbst. Aber das Spiel orientiert sich in Teilen ja auch an den Reaktionen der Zuschauer. Wenn diese Wirkmechanismen fehlen, wird es eben anders.

Wie charmant wäre es angesichts der momentanen Debatte um die Geisterspiele, gäbe es ein „Denkmal des unbekannten Fußballzuschauers“. Seit Ende der 1950er Jahre herrschte für lange Zeit in Herne die Ansicht, die Stadt besäße ein einzigartiges Denkmal in Deutschland. Ein Mythos entstand, der wahrscheinlich mit Zeitungsmeldungen wie dieser seinen Anfang nahm.

Die Entstehungsgeschichte dieser Skulptur wird auf der sehr schönen Seite zur Lokalgeschichte von Herne von damals bis heute minutiös erzählt. Die Bildhauerin Elisabeth Hoffmann schuf die Plastik für eine neu errichtete Schule. Gedeutet wird die Skulptur in dieser Werkgeschichte als Ball spielende Jungen, die sich über ein Tor freuen.

Diese lokale Werkgeschichte macht nicht nur Lebensbedingungen von wenig bekannten Künstlern in den 1950er Jahren erfahrbar. Sie ist auch eine Medien- und Sozialgeschichte an der Basis, eine Geschichte zur Konstruktion von Wirklichkeit.

Im Clip unten ist die Skulptur zu Beginn zu sehen. Außerdem erzählt der Herner Stadtarchivar Jürgen Hagen die Geschichte allen, die dem Link zu Lektüre oben nicht folgen wollen.

Stadioneröffnung in Homberg 1964

Historische Wahrheit braucht manchmal den Gang in die Archive, wo Akten gelagert werden und auf Papier geschrieben steht, was geschehen sein soll. Mit einem offiziellen Spielbericht der Regionalliga-Partie des Homberger SV 03 gegen Fortuna Düsseldorf ließe sich die Ungereimtheit auflösen, warum der bei youtube eingestellte Clip eine sommerliche Umgebung zeigt, während das bei Fussballdaten.de eingestellte Spielergebnis den 20. Dezember als Termin aufweist. Zumal dort eine 0:5-Heimniederlage verzeichnet ist und im Clip kein einziges Tor gezeigt wird. Wir hätten einen sicheren Beweis für meine Vermutung, für die ich jetzt nur eine Indizienkette aufzeige.

Denn ich glaube, das gezeigte Spiel ist gar nicht das gegen Fortuna Düsseldorf, sondern jenes zur Stadion-Premiere gegen Eintracht Duisburg, was den großen Zuschauerzuspruch, die sommerliche Atmosphäre und das torlose Spiel erklären würde.

Im Einführungsjahr der Bundesliga 1963 war ein Zweitliga-Unterbau mit fünf Regionalligen geschaffen worden. Der Homberger SV war 1964 Niederrheinmeister geworden und den Aufstieg in die Regionalliga West geschafft. In der Festschrift des aus der Fusion mit der Sportvereinigung Hochheide entstandenen Nachfolgevereins VfB Homberg ist zu lesen, wie schwierig die Bedingungen für die Ligalizenz zu erfüllen waren. Es gab kein geeignetes Stadion.

Daher mußte in Rekordzeit ein taugliches Spielfeld aus dem Boden gestampft werden, als Baugrundstück fand man die Wiesen am Rheindeich, auf denen heute das PCC- Stadion steht. Überwiegend von Vereinsmitgliedern wurden verwaltungstechnische Dinge wie Grundstücksfragen, Vermessungen, Bauleitungen geklärt oder erledigt, teilweise von Laien. Fritz Jansen stellte sich damals als Projektleiter zur Verfügung, dank der Zusagen von Gönnern und Firmen – die Zeche Rheinpreußen beispielsweise signalisierte eine großzügige Unterstützung – konnte der Rasenplatz angelegt werden. Der betriebene Aufwand war enorm, 60.000 m² Mutterboden wurden beiseite geschoben, 745.000 t Berge abgetragen und 9.200 m² Mutterboden für die Spielfläche einplaniert, auf der später der Rasen eingesät wurde. Vorher war noch die Verlegung von 2.100 m Drainage- und Wasserrohren erforderlich. Mit leichter Verzögerung wurde die Herkulesaufgabe gestemmt, die ersten Spiele mußten in Meerbeck stattfinden. Die Premiere am gegen Eintracht Duisburg (0:0) wurde für Zuschauer trotz diverser Schwierigkeiten (keine Umziehmöglichkeiten, Wasserschutzgebiet, nicht ausgebaute Stehränge) zum Festtag für den Homberger Fußballsport.

Festschrift zum 125 jährigen Jubiläum des VfB Homberg, 2014

Die Homberger stiegen in derselben Saison wieder ab. Durch die zunächst ungeklärte Stadionfrage war die Lizenz spät erteilt worden. Entsprechend spät konnten Spieler verpflichtet werden. Im folgenden also der Clip mit den Bildern, die einen guten Eindruck von dem besonderen Tag für Homberg geben. 1964 gehörte Homberg noch nicht zu Duisburg und war selbstständige Stadt.

 

Lesung im Taranta Babu am 22. 11. um 19 Uhr – 111 Orte in Dortmund, die man gesehen haben muss

Heute erscheint offiziell „111 Orte in Dortmund, die man gesehen haben muss“. Für das Buch habe ich mich mit Dortmund abseits der üblichen touristischen Sichtweisen auf den Ruhrstadtstadtteil beschäftigt. Ich habe nach Orten gesucht, die mit ihrer Geschichte überraschen oder auf eine sehr eigene Weise sehenswert sind. Ich habe dabei Verstecktes gefunden und im Bekannten Besonderheiten. Ich konnte mit Orten in die Dortmunder Geschichte eintauchen. Ich habe Skurriles entdeckt und bin immer wieder auf Orte gestoßen, die allein durch das Engagement von Dortmundern entstanden und lebendig bleiben. Das Buch ist mein persönlicher Blick auf Dortmund.

Morgen findet in Dortmund die Premierenlesung zu diesem Buch statt. Ab 19 Uhr lese ich im Taranta Babu, Humboldtstraße 44, und erzähle von den Erlebnissen während meiner Arbeit an dem Buch. Der Eintritt ist frei.

Am Samstag, den 30. gibt es eine weitere Gelegenheit zur Begegnung in der Buchhandlung Dreesen, Brackeler Hellweg 136, in Brackel. Ab 15.30 Uhr lese ich, allerdings kostet es dort Eintritt.

Der Himmel über der Ruhr ist blau – Das Programm am 13.2. in Hamborn

Am Mittwoch, den 13. Februar, lese ich ab 19.30 Uhr in der Hamborner Buchhandlung Lesezeichen. „Der Himmel über der Ruhr ist blau“ heißt das Programm zum Buch. Eintritt 12 Euro, Imbiss und Getränke inklusive. Wir sehen uns in der Buchhandlung, Emscherstraße 213, Duisburg.

 

 

Als das Schmuddelkind Pott erwachsen wurde

Nein, das Ullige bekommt keinen Namen. Wo kommen wir denn dahin? Nachher stellt es noch Ansprüche. Lange Zeit wusste niemand, wie er das Schmuddelkind von Rheinland und Westfalen nennen sollte. Es war eine stürmische Zeit. Erst die ungeplante Schwangerschaft und dann das wilde Aufwachsen. Doch schließlich ließ sich das Schmuddelkind einfach nicht mehr übersehen. Ruhrgebiet wurde es irgendwann genannt. Zu bedeutend waren Zechen und Stahlwerke geworden. Seinen Ruf hat diese Bedeutung aber nur in einer Hinsicht aufpoliert. Trotz aller Erfolge haben es Schmuddelkinder schwer, wenn bei ihnen vieles nicht so ist, wie es die Menschen gewöhnt sind. Zudem dieser ungeheure Schmutz in der Luft!

Noch in den 1960er Jahren hieß es: Wasch dir bloß auch den Hals! Ohne diese Mahnung wuchs im Ruhrgebiet niemand auf. Heute ist der Dreck auf den Straßen verschwunden, aber auch ein Großteil der Industrie. Der Himmel über der Ruhr ist wieder blau, und die Nachkommen des Schmuddelkinds fragen sich immer wieder, wer sie eigentlich sind.

Ralf Koss lädt ein, sich die Biografie des Schmuddelkindes Ruhrgebiet näher anzusehen. Kleinstädte, Dörfer und Hansestädte wuchsen zusammen, doch der Blick auf die Industrie lässt oft Teile des Lebenslaufs außer Acht, die überraschen. Stadtluft machte in Dortmund, Essen und Duisburg frei. Der Ruhrgebiets-Fußball stellte früh den DFB-Präsidenten. Sinfonien wurden uraufgeführt und Orchestermusikern Zuflucht gewährt. Ralf Koss geht auf eine Zeitreise durch die Ruhrgebietsgeschichte, die er im Alltag der Ruhrstädter auf berührende und manchmal komische Weise immer auch wiederfindet.

 

 

Das junge Licht scheint heller als die Brennende Ruhr

Am Freitag nächster Woche bin ich ab 19 Uhr in der Buchhandlung Tausendundein Buch in Neudorf, Oststraße 125, zu Gast. Dort werde ich dieses Mal nicht eigene Texte lesen, sondern an die Wirklichkeit von Arbeitern im Ruhrgebiet anhand von Erzählungen und Romanen aus dem Ruhrgebiet erinnern. Das Ganze ist ein unterhaltsamer Überblick. Dramatisch geht es dabei zu, komisch und immer wieder auch informativ, wenn ich zusätzlich Literatur- und Ruhrgebietsgeschichte hervorkrame. Als Programmankündigung sieht das so aus:

Das Junge Licht scheint heller als die brennende Ruhr

Die Arbeit in der Montanindustrie  – Das war nicht nur die Arbeit unter Tage und an den Hochöfen. Der Bergbau und die Industriearbeit prägten Mentalität sowie Alltag in Familien und im täglichen Miteinander auf der Straße. Gewohnheiten und Haltungen aus dem Pütt bestimmten, was richtig und was falsch war. In Arbeitersiedlungen traf Wohlverhalten bei Komplettversorgung durch die Zechen auf Mitbestimmungswillen von Arbeitern. Im Bandoneonorchester lernten Bergleute Instrumente spielen. In Vereinsheimen wurde eigene Kultur geschaffen. Der Autor Ralf Koss hat Texte zusammengestellt, in denen sich die Lebenswelt der Arbeiter wiederfindet. Ob in Karl Grünbergs „Brennende Ruhr“, in Max von der Grüns Romanen oder in den Krimis von Peter Kersken, ob in den 1920er Jahren oder in der Gegenwart, der Bergbau und die Industriearbeit wirkten sich auch auf die Literatur aus. Ralf Koss stellt Ruhrgebietsromane sowie ihre Autoren vor und wirft einen unterhaltsamen Blick auf Literatur- und Zeitgeschichte.

Ort: Tausendundein Buch, Oststraße 125, 47057 Duisburg. Kartenbestellung: Telefon 0203.35 66 75
Zeit: Freitag, den 22. Januar 2019, 19 Uhr
Eintritt: 5 Euro

Bergbau in Lyrik, Prosa und Reportagen

Das Erinnern gehört zum Abschied. Über den Steinkohlebergbau wurde so viel schon lange nicht mehr berichtet und gesprochen wie im letzten Jahr, als sein Ende in Deutschland nahte. Nun ist die Arbeit unter Tage Geschichte. Nun wird die Lebenswirklichkeit dieser Arbeit in Deutschland endgültig nur noch erinnert. Sie ist eine Sache der Worte geworden. Die Gegenwart findet jeweils neue Worte und wird in Zukunft auf alte Worte zurückgreifen müssen. Denn über die Wirklichkeit des Steinkohlebergbaus wurden über die Jahre immer wieder Texte geschrieben und veröffentlicht.

Über den Steinkohlebergbau wurde in Reportagen berichtet. Es wurde Prosa über die Arbeit geschrieben und es entstanden Gedichte. Arnold Maxwill hat in drei Bänden solche Texte über den Steinkohlebergbau gesammelt herausgegeben. „Schlot, Schacht, Arbeitslandschaft“ heißt die Sammlung von Berichten und Reportagen. In „Seilfahrt, Siedlung, Schwielenhand“ ist Prosa gesammelt, also kurze Erzählungen und Ausschnitte aus Romanen. Im dritten Band „Grube, Grus, Gedinge“ sind Gedichte zu finden.

Es gibt eine Gemeinsamkeit aller gesammelten Texte über die unterschiedlichen Form hinweg. Diese Gemeinsamkeit ist die notwendige Haltung der Schreibenden zur körperlichen Arbeit unter Gefahr. Ohne diese Haltung entstand kein Text. Alle Autoren und Autorinnen sahen sich vor die Aufgabe gestellt, sich auf diese körperliche Arbeit zu beziehen. Meist richtete sich die Aufmerksamkeit also auf die so schweren Arbeitsbedingungen unter Tage, auf lebensbedrohliche Gefahren, auf die Belastung, denen Männerkörper ausgesetzt waren, auf die notwendigen Eigenschaften der Arbeiter. Die Wertung der vielen Stimmen war dabei unterschiedlich. Heroische Schilderungen von Arbeiterkraft gab es ebenso wie den dokumentarischen Realismus, der den Blick auf Opfer richtete und aufrütteln sollte, um Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Gerade im Prosaband finden sich fast ausschließlich Worte, mit denen die Autoren versuchen die Arbeit selbst einzufangen. Die Berichte und Reportagen führen über diese Arbeit hinaus. In diesem Band gibt es auch die Lebenswirklichkeit der Bergleute außerhalb der Zechen. Gedichte waren Klage, sollten trösten oder feierten Arbeiter als Helden für die Gesellschaft. Der Gedichtband gefällt mir am besten, weil hier am meisten zu entdecken ist. Wer sich schon immer für die Lebenswirklichkeit im Ruhrgebiet interessierte, wird viele der Prosatexte und Reportage kennen.

Die drei Bände sind liebevoll gestaltet, und Arnold Maxwill hat jjeweils drei ausgezeichnete Nachworte geschrieben. Er ordnet die Texte literaturgeschichtlich und historisch ein. Er macht aufmerksam auf Haltungen hinter den Texten und auf den Bezug zur Lebenswirklichkeit, die es zur Entstehenszeit gab. Arnold Maxwill hat, als Nachwort versteckt, gleichsam Grundlagenartikel zur Arbeiterliteratur des Ruhrgebiets geschrieben. Inhaltlich so reich und zugleich konzentriert habe ich solche Texte bislang nicht gelesen.

Schlot, Schacht, Arbeitslandschaft

 

Arnold Maxwill (Hrsg.): Schlot, Schacht, Arbeitslandschaft
Berichte und Reportagen zum Ruhrgebiet
272 Seiten
14,95 Euro
ISBN: 978-3-8375-1956-3

 

 

Grube, Grus, Gedinge

 

Arnold Maxwill (Hrsg.): Grube, Grus, Gedinge
Gedichte zwischen Flöz und Förderturm
272 Seiten
14,95 Euro
ISBN: 978-3-8375-1954-9

 

 

Seilfahrt, Siedlung, Schwielenhand

 

Arnold Maxwill (Hrsg.): Seilfahrt, Siedlung, Schwielenhand
Prosa aus dem Kohlenrevier
272 Seiten
14,95 Euro
ISBN: 978-3-8375-1955-6

 

Mit den Links gelangt man auf die Seite vom Klartext-Verlag mit den Verlagsinformationen zu den Büchern.

Smog im Ruhrgebiet 1973

Der 1973 ausgestrahlte TV-Film Smog von Wolfgang Menge zeigt als Katastrophenthriller die Folgen der Luftverschmutzung im Ruhrgebiet. Menschen sterben, Verantwortliche sind überfordert, niemand im Ruhrgebiet kann der Gefahr der lebensbedrohlichen Luft entgehen. Dennoch geht das Leben weiter. Ein Fußballspiel im Duisburger Wedaustadion findet statt – im Film unten beginnt es ab Minute 26.45. Der MSV Duisburg spielt gegen Borussia Dortmund, und plötzlich sinkt am rechten Flügel ein Spieler der Zebras mit Atemnot zu Boden.

Bernard Dietz zeigt schon damals jenes schauspielerische Können, das heute für viele Fußballer die Regel ist. Damals allerdings wird kein Foulspiel gepfiffen, sondern es herrscht Entsetzen. Eine Trage für „Ennatz“ muss her. Das Spiel wird abgebrochen. Die Lage wird immer bedrohlicher.

Angesichts der Produktionsbedingungen von Fernsehfilmen heute beeindruckt der Aufwand, mit dem dieser TV-Film damals gedreht wurde. Durch die vielen Szenen aus der Wirklichkeit des Ruhrgebiets erhält die Fiktion der Smogkatastrophe einen dokumentarischen Charakter.

Der Film thematisiert zudem den medialen Umgang mit der Katastrophe. Auch damit wird er gleichsam zur vorhersagenden Dokumentation jenes Jahres 1985, in dem im Januar tatsächlich Smogalarm der Stufe III ausgerufen wird. Der Wirklichkeit 1985 fehlt die Zuspitzung zur Katastrophe. Es fehlt die fiktionale Verdichtung des Geschehens zur Vergiftung, also der schnell auftretenden gesundheitlichen Gefährdung, mit der im Film die Luftverschmutzung immer wieder bebildert wird. Langsam ablaufende Prozesse entgehen der sinnlichen Wahrnehmung und müssen dem Bewusstsein vermittelt werden. Der Klimawandel mit seinen Folgen verweist  heute täglich darauf.