Wir sind alle keine Beckenbauers – ein großartiger Film aus dem Jahr 1978

Der Verlag heißt „Syndikat – Autoren- und Verlagsgesellschaft“. Dort erscheint 1978 mit „Sind doch nicht alle Beckenbauers“ ein Buch über den Fußball des Ruhrgebiets. Rolf Lindner, ein Soziologe, und Heinrich Th. Breuer, ein Psychologe, versuchen als erste die besondere Bedeutung des Fußballs für die Region zu beschreiben und in ihrem historischen Zusammenhang zu verstehen. Schon der Name des Verlags verweist auf den Zeitgeist, der diese Beschreibung durchdringt. Gesellschaftskritik, Emanzipation der Arbeiterschaft, die Arbeiter-Wirklichkeit wichtig nehmen, das klingt immer wieder an, egal ob die Eltern von Rüdiger Abramczik interviewt werden, über den SV Sodingen geschrieben wird oder über das Leben in der Bergarbeiterstadt Bottrop.

Die Autoren haben nicht nur ein historisches und soziologisches Interesse an ihrem Thema. Sie ziehen Schlüsse aus ihren Beobachtungen, mit denen sie strukturpolitische Entscheidungen nach dem Schließen der Zechen kritisieren. So zeigt das Portrait einer Straßenmannschaft aus Bottrop-Boy eine schon damals untergehende Welt der Arbeiterfamilien. Sie wird bestimmt durch Zusammenhalt und den Stolz auf das eigene Leben.

Wahrscheinlich ist die Dokumentation über diese Straßenmannschaft parallel zur Arbeit an dem Buch entstanden. Wir sind alle keine Beckenbauers ist ein großartiger Film von Lucas Maria Böhmer. Der Autor Rolf Lindner wird als Berater des Filmemachers im Abspann aufgeführt. Diese Dokumentation beschränkt sich nicht auf die Reportage. Lucas Maria Böhmer hat wunderbare Bilder des Ruhrgebiets der 1970er Jahre eingefangen und die Stimmen aus der Robert-Brenner-Straße in Bottrop-Boy zu einer begeisternden Milieustudie zusammengeschnitten – ein Milieu, das es heute mit diesem Stolz und der selbstbewussten Identität nicht mehr gibt.

Dinslaken – Bergwerksdirektor Dr. Werner Hoffman, die Luther-Kirche und Urban Prayers Ruhr

Am 14. August hatte im Rahmen der Ruhrtriennale das Projekt Urban Prayers Ruhr seine Uraufführung in der Marxloher DITIB-Merkez Mosschee. Die Orte der Aufführung gehören zum künstlerischen Konzept. In insgesamt sechs Begegnungsstätten unterschiedlicher Religionsgemeinschaft der Ruhrstadt ist die Text- und Lied-Collage von Björn Bicker zu sehen. Morgen, am 4. September, ist die Lutherkirche in Dinslaken-Lohberg Aufführungsort.

Als ich im Programmheft den Begleittext zur Lutherkirche las, sprang mir ein Name ins Auge: Dr. Werner Hoffmann. Er war der Bergwerksdirektor der Zeche Lohberg in den 1950er Jahren. Den Bau der Martin-Luther-Kirche trieb er voran, indem er evangelische Bergarbeiter für die Baustelle von der Zeche freistellte und Baumaterial zur Verfügung stellte. Es war nicht das erste Mal, dass ich dem Wirken von Dr. Werner Hoffmann begegnete. Der Bergwerksdirektor fühlte sich in seiner Position in umfassender Weise verantwortlich für das Gemeinwesen. Natürlich lebten in diesem Gemeinwesen Dinslaken-Lohberg vor allem die Bergleute seiner Zeche.

Er gab der Theatermacherin Kathrin Türks und ihrem Ensemble eine erste Bühnenheimat im Ledigenheim der Zeche, einer der 111 Orte, die diese Ruhrgebietsgeschichte von der Theatergründung in Dinslaken erzählen. Diese ersten Theateraufführungen waren die Keimzelle des Landestheaters Burghofbühne. Der VfB Lohberg und die Dorotheen-Kampfbahn fanden ebenfalls seine Unterstützung. Ohne ihn wäre das kulturelle und sportliche Leben in Dinslaken nach dem Krieg ärmer gewesem. Sein Wirken fruchtet bis heute.

Die soziale Verantwortung wird von vielen Unternehmen im Ruhrgebiet gerade wieder entdeckt. Heute steht dahinter, eine Stadt muss lebenswert sein, damit Menschen in ihr arbeiten wollen. Alles, was mir über Dr. Werner Hoffmann erzählt wurde, legt nahe, sein Ansatz war umfassender. Ihm ging es nicht nur um den Lebenwert in Lohberg, ihm ging es auch um eine Art geistiger Bildung der Menschen, die in Lohberg lebten.

Wer sich für das Kunstprojekt Urban Prayers Ruhr interessiert: Nach der Urauffühung habe ich eine kurze Besprechung geschrieben.

Mit Urban Prayers Ruhr hat Björn Bicker einen Text für die Ruhrstadt-Wirklichkeit umgeschrieben, der 2013 in München erstmals aufgeführt wurde. Zwei Schauspieler, und drei Schauspielerinnen lesen als „Chor der Gläubigen“ eine Collage aus Meinungen und Erzählungen über den Ruhrstadt-Alltag aus der Perspektive von Gläubigen der unterschiedlichen Religionen. Das sind oft widersprüchliche Sätze, die als bewusst gesetzter Effekt sich in einer der Schauspielerstimmen vereinen. Das ist eine der besonderen Einsichten dieser Collage, die Vielfalt der Haltungen, die zugewanderte Gläubige zu dieser deutschen Gesellschaft haben. Denn ein Thema kehrt in diesem Chor-Text immer wieder. Wie gehören wir als Gläubige dazu? Der religiöse Glauben erhält eine sehr weltliche Dimension, denn auch die Zugehörigkeit erweist sich als Glaube, der allerdings mit konkreten Erfahrungen im Alltagsleben bewiesen werden kann. Aus Glaube wird dann der rationale Beweis, der trennt oder zusammenführt.

Um sieben Themen herum hat Björn Bicker seine Collage arrangiert. „Fahren“, „Helfen“ oder „Bauen“ bieten Anlass zu einem  mehrstimmigen Gedankenfluss, für den das Grundthema Glauben der Nährboden ist. Immer wieder tauchen auch grundsätzliche Beschreibugen des Alltags auf, die auch Ungläubige äußern könnten. Das Zusammenleben wird angesprochen, Schwierigkeiten und Gelingen. Das Ringen um Selbstbewusstsein und Identität ist immer nahe. Fragen der Lebensführung in den Regeln des Glaubens werden berührt, das Verhältnis von Unglauben und Religiösität. Von Erfahrung mit Vorurteilen ist zu hören. Manchmal entsteht Komik.

Der gesprochene Chor wechselt sechsmal in den Chorgesang über. Das großartige ChorWerk Ruhr übernimmt dann und trägt sechs Lieder vor aus den verschiedenen Glaubensrichtungen. Jedes einzelne dieser Lieder wird zu einem Ereignis. Es verbreitet sich der Zauber einer einzigen vollkommenen Stimme, die sich teilen kann und wieder zusammen findet. Welch voluminöser Klangkörper ist dieses ChorWerk Ruhr. Welch einzigartigen Chor gibt es da in dieser Ruhrstadt.

Der Gedankenfluss der Texte hätte an manchen Stellen pointierter sein können. Für mich wiederholte der gesprochene Chortext zum Ende hin zu oft etwas, was ich schon gehört hatte. Zu oft wurden dieselben Themen in zu wenig Variation aufgegriffen. Das ist allerdings nur ein kleiner Makel eines sehenswerten Ruhrtriennale-Projekts.

Im Programmheft beschreibt Björn Bicker unter der Überschrift „Wie wir leben wollen“ eine Hoffnung, und damit komme ich noch einmal auf das zu sprechen, was im Innenhof der Moschee vor und nach der Veranstaltung zu sehen war. Björn Bicker hat für sein Projekt mit Ruhrstädtern gesprochen und sie gefragt, was ihnen am Ruhrgebiet besonders gefällt. Fast jedes Mal sei die Antwort dieselbe gewesen: die Vielfalt. Für ihn beantwortete das zugleich die Frage, in welchem Land wir leben wollen. Er weiß, eine an den Menschen orientierte Sozial- und Bildungspolitik muss hinzu kommen, dann könnten wir vielleicht irgendwann ganz selbstbewusst sagen: In Vielfalt vereint.

Wahrscheinich wird er bei den meisten im Publikum an diesem Sonntag mit solchen Sätzen offene Türen einrennen. Der Alltag mit Schwierigkeiten des Zusammenlebens ist weit weg an einem solchen Sonntag, vielleicht ist so ein Alltag für viele im Publikum grundsätzlich weit weg. Auch DITIB als politisches Problem hat es an diesem Sonntag nicht gegeben. Dennoch brauchen wir diese Bilder des Gelingens. Nichts spricht gegen sie.

Weitere Vorstellungen:

4. September, 16 Uhr: Lutherkirche, Dinslaken-Lohberg
11. September, 15 Uhr: Serbisch-Orthodoxe Kirche, Dortmund-Kley
18. September, 16 Uhr: Synagoge Bochum

Eintrittskarten und weitere Informationen mit einem Klick zur Seite der Ruhrtriennale

Schimanski ist…ach, Götz George – Klickhinweis Zebrastreifenblog

Als ich über die Zusammenstellung der 111 Orte für das Buch nachdachte, wusste ich sofort, mit einem Ort musste ich „Schimanski“ erzählen. Denn die jüngste Geschichte der Ruhrstadt ist ohne Filmfigur Schimanski, verkörpert durch Götz George, nicht zu erzählen. Zu dieser Historie gehört nämlich das fortwährende Kreisen um die Identität der Region. „Schimanski“ eröffnete in den 1980er Jahre für eine bis anderthalb Generationen junger Menschen der Ruhrstadt eine Möglichkeit, sich zur Ruhrstadt zu bekennen. Götz George spielte den Schimanski zwar in Duisburg, aber junge Menschen der gesamten Ruhrstadt nahmen die Hafenstadt als Teil ihrer Lebenswirklichkeit. Götz George ist am 19. Juni gestorben. Drüben im Zebrastreifenblog habe ich einen kurzen persönlichen Nachruf auf Götz George geschrieben.

Als Tagestourist in Eisenheim

Drüben im Zebrastreifenblog kümmert sich mein Alter Ego Kees Jaratz schon lange in unregelmäßigem Abstand um die Sammlung Heimatlied – Sektion Ruhrstadt. „Wir ham keine Kohle“ von Matthias Reuter gehört dort natürlich auch rein. Hier steht es aber nun zum einen online, weil das Lied ein wunderbarer Kommentar zur historisch gewordenen Kulturhauptstadt-Verstiegenheit mancher Stadtverantwortlicher ist sowie zu deren Erlösungsphantasien in Sachen wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Damit ist das Lied ja nicht nur künstlerischer Ausdruck sondern auch ein aussagestarkes Dokument zum Strukturwandel. Matthias Reuters großartiges Bonmot „Kultur im Ruhrgebiet ist der verzweifelte Versuch ohne Kohle schwarze Zahlen zu schreiben“ gilt auch heute noch.

Zum anderen stelle ich es hier online, weil es mich an meine eigene Arbeit am Buch erinnert. Es gibt einen der 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen, wo ein Vater-Sohn-Gespräch, wie es Matthias Reuter besingt, möglich ist. Vielleicht hat der Oberhausener Reuter in Eisenheim sich inspirieren lassen. Die Arbeitersiedlung in Oberhausen ist eine Art bewohntes, kostenloses Freilichtmuseum. Überall an Häusern hängen Informationstafel über ehemalige Bewohner, über deren Biografien und Schicksale. Andere Tafeln informieren über die allgemeine Geschichte der Siedlung.

Über den ebenfalls historisch bedeutsamen Einsatz für den Erhalt der Siedlung erfährt man weniger. Doch auch dieses Engagement Anfang der 1970er, die Bürgerbeteiligung, die eindrücklich eingefordert wurde, der Idealismus von Roland Günther und seiner Studenten, die Protest zu organisieren begannen und den Widerstand gegen den Abriss als politisches Handeln verstanden, all das gehört zur deutschen, letztlich europäischen Geschichte, wenn man den Blick auf die aufkommende Bürgerrechtsbewegung ab den 1960ern wirft.

Als ich im Sommer 2014 in Eisenheim Fotos für das Buch machte, spielte sich dort das Leben draußen ab. Familien saßen vor ihren Häusern in der Sonne. Nachbarn unterhielten sich, und ich, mit meinem Fotoapparat, auf der Suche nach einem guten Standpunkt für mein ausgewähltes Motiv wurde gelassen beobachtet. „Datt“ und „watt“ habe ich gehört, auch ohne dass ein Sohn, wie Matthias Reuter singt, seinen „Vatter“ dazu aufforden musste. Wieder mal ein Touri in Eisenheim, damit kennt sich der Eisenheimer aus.

Die von Matthias Reuter besungene Dienstleistungs-Zukunft lässt allerdings noch etwas auf sich warten. Wahrscheinlich kommen zu viele Individualtouristen und zu wenige Reisebusse.

 

Junges Licht – Die Ruhrstadt der 1960er im Kino

Gestern hat für Junges Licht von Adolf Winkelmann die dritte Kinowoche begonnen. Den Film über eine Bergarbeiterfamilie zu Beginn der 1960er Jahre in der Ruhrstadt sahen in den bisheringen 14 Tagen Laufzeit laut Produzentenallianz.de 24.000 Kinobesucher, davon 5.100 in der zweiten Woche. Das könnten ruhig noch ein paar mehr Kinobesucher werden. Zeit für ein paar weitere hinweisende Worte nach den sehr guten Kritiken zum Filmstart, die Google News mit einem weiteren Klick auflistet.

Als Vorlage für Junges Licht hat Adolf Winkelmann der gleichnamige Roman von Ralf Rothmann gedient. Ein Autor der Geschichten des Ruhrgebiets hat für seine Worte jenen Filmemacher des Ruhrgebiets bekommen, der für diese Worte berührende und ausdrucksstarke Bilder fand, der ein bis in die Nebenrollen großartig besetztes Schauspielerensemble zusammenstellte und der  atmosphärisch dicht die Wirklichkeit um 1960 herum wieder erweckte.

Eine starke, vorwärtstreibende Handlung darf man nicht erwarten, wenn man sich diesen Film ansieht.  Junges Licht erzählt nicht mehr als den Alltag der Ruhrstadt jener Zeit vor allem aus der Perspektive des zwölfjährigen Julian Collien, und das ist vollauf genug. Sein Vater arbeitet unter Tage, die Mutter ist in ihrer Ehe frustiert. Für seine kleine Schwester ist er öfter verantwortlich als ihm lieb ist. Kinder sind damals meist sich selbst überlassen und erhalten Aufmerksamkeit dann, wenn sie den Ablauf des Alltags stören. Aufmerksamkeit bedeutet die Tracht Prügel von der Mutter mit dem Kochlöffel, bis der zerbricht.

Wir erleben mit Julian Collien seine in Teilen schmerzhafte Emanzipationsgeschichte. Einige Sehnsüchte bestimmen sein Leben, vielem ist er einfach ausgesetzt. In den Augen von Erwachsenen hat er kaum Mitspracherecht. Das 15-jährige Nachbarsmädchen spielt mit seinem erwachenden Interesse für das andere Geschlecht. Einer „Bande“ möchte der empfindsame Julian angehören, einer Welt, die ihm eigentlich fremd ist und in der er ausgenutzt wird. Der Hausbesitzer sucht auf verstörende Weise seine Nähe. Viel wird in Junges Licht nur angedeutet. Manche Nebenlinie bleibt offen. So schafft Adolf Winkelmann Raum für Atmophäre. Wer die direkte Sprache und den trockenen Humor des Ruhrgebiets liebt, wird an den Dialogen seine helle Freude haben. Allein das musikalische Leitmotiv dieses Films riss mich aus der dichten Atmosphäre des Films kurz hinaus, sobald es erklang. Es wirkt auf mich zu modern, zu schnell und nicht stimmig.

Es ist nichts Neues, welch großartiger Schauspieler Charly Hübner ist, aber wie ihm das Sprechen des Ruhrgebiets als Julians Vater, Walter Collien, über die Lippen kommt, ist erstaunlich. Man kann es kaum glauben, dass solch eine selbstverständliche Ruhrpott-Färbung jemand spricht, der in Neustrelitz, im Nordosten Deutschlands, aufgewachsen ist. Lina Beckmann als dauerrauchende Mutter Liesel Collien beindruckt so sehr wie der junge Oscar Brose in der Rolle Julians. Man müsste sie alle bis in die Nebenrollen erwähnen diese Schauspieler, weil sie jede Szene für sich genommen so berührend, manchmal komisch, immer kraftvoll und lebendig haben werden lassen. Egal ob Greta Sophie Schmidt, die die 15-jährige Marusha auf der Grenze zwischen mädchenhafter Naivität und weiblicher Verführung spielt; ob Peter Lohmeyer,  der die pädophile Neigung des Hausbesitzers so subtil in der Schwebe hält oder Ludger Pistor als polternder Pfarrer, dem seine Berufung manchmal auch nicht mehr ist als lästiger Berufsalltag.

Doch wie gesagt, zunächst muss man sich auf das langsame Erzählen und das Fehlen eines starken Plots einlassen. Wäre der Film in Frankreich produziert worden, würde man solch ein Erzählen auch unabhängig von der Kritik als ureigene Qualität des Films wahrnehmen. Ohne Frage hätte das Gütesiegel Frankreich schon für mehr Zuschauer gesorgt. Noch läuft der Film in den Kinos – Junges Licht eigentlich ein Pflichtprogramm für Ruhrstadt-Kinogänger.

Im Wikipedia-Artikel zu Junges Licht ließen sich vorab noch weitere Eindrücke von Handlung und Kritik gewinnen.

Zudem der Trailer zum Film

 

Und eine der berührendsten Szenen des Films – das Vater-Sohn-Gespräch über die Zukunftsvorstellungen von Julian

 

 

Der Sportplatz des Ruhrorter TV als Keimzelle vom EuroPortsCup

Drüben im Zebrastreifenblog begleite ich die Duisburger Akzente mit einer inoffiziellen Programmreihe. Auch im Beitrag gestern warf ich einen Blick in die Historie Duisburgs, so dass der Beitrag auch hierher passt. Es ging um den Sportplatz des Ruhrorter TV, wie überhaupt man an den Fußballplätzen der Ruhrstadt entlang auch die Geschichte dieser Ruhrstadt erzählen kann. Als 2012 “111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss” erschien, gab es das historische Konzept im Verlag noch nicht. Dennoch wurde auch dieses Buch in großen Teilen ein historisches Buch. Der Text unten ist ihm entnommen.

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Der Sportplatz Ruhrorter TV
Gestern Zeltplatz, heute Festsaal

Der Ruhrorter Verteilerkreis am Rand des Stadtteils liegt in fast jeder Himmelsrichtung nah am nächsten Hafengewässer. Ruhrort besaß nicht viel Platz zur Ausdehnung. Klein blieb so der Stadtteil, dessen Geschichte an vielen Ecken spürbar ist. In der letzten Zeit entdeckten Künstler und Kulturschaffende dessen Reiz. Ob das Hoffnungswort vom Kreativquartier sich weiter mit Leben füllt? Hafen – der weckt Bilder einer intensiven Wirklichkeit, und er könnte Motor dafür sein.
Genauso wie der Hafen auch die Freizeitfußballer im Ruhrorter Turnverein, RTV Staubwolke, und die vom VfvB Ruhrort/Laar, die »Amtsschimmel«, auf eine Idee mit andauernden Folgen brachte. »Hafenturnier« nannten sie die Fußballveranstaltung für Freizeitmannschaften europäischer Hafenstädte zu Pfingsten 1984. Gegner kamen aus Amsterdam, Basel und Bremen, und die Verhältnisse waren bescheiden. Übernachtet wurde in Zelten auf dem Sportplatz.
Inzwischen heißt das jährlich in wechselnden Hafenstädten stattfindende Turnier »EuroPortsCup«, zu dem Bürgermeister vor Ort, ob in Hamburg, Bergen oder Malmö, Eröffnungsreden halten. Es wird mit zwei Jahren Vorlauf geplant, und Festbankette stehen auf dem Programm. 12 bis 14 Mannschaften nehmen in der Regel teil, die Wirtschaftslage bestimmt, welche. Denn fast alle sind nun Betriebsmannschaften von Reedereien oder von Hafenbetreibern wie Duisburgs »duisport« und werden von den Arbeitgebern gesponsert. RTV Staubwolke blieb als einzig unabhängige Freizeitmannschaft übrig, auch weil der Spielergenerationenwechsel meist unproblematisch verlief.
Und warum Staubwolke? Der Ascheplatz des Ruhrorter TV, auf dem sich 1977 die noch jugendlichen Fußballer erstmals trafen, besaß einen Unterboden aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs. Der wurde zu einer solch wirksamen Drainage, dass die oft dichten Staubwolken den Ball nicht mehr erkennen ließen – im Pott nicht selten.

Als 1978 die Binnenschifffahrt in deutschen Wohnzimmern begeister

Drüben im Zebrastreifenblog begleite ich die Duisburger Akzente mit einer inoffiziellen Programmreihe. Mein heutiger Beitrag passt auch hierher, spielt der Ruhrorter Hafen dabei doch eine besondere Rolle. Bei Interesse: Mit einem Klick geht es weiter zu den bisherigen Beiträgen des inoffiziellen Akzente-Programms im Zebrastreifenblog.

Noch bevor 1981 die erste Schimanski-Folge Ruhrort und damit Duisburg endgültig zum selbstverständlichen Handlungsort eines fiktionalen TV-Geschehens machte, nutzte schon 1978 die TV-Serie MS Franziska das erzählerische Potential von Duisburg und dem Ruhrorter Hafen als Teil der Binnenschifffahrtswelt. Regie führte Wolfgang Staudte, die Bücher hatte Heinz Oskar Wuttig geschrieben. Die ARD richtete mit der Erstausstrahlung der Serie seinerzeit den Montagabend als neuen Seriensendeplatz ein, und MS Frankziska hatte großen Erfolg.

Wie sehr für mich die Welt der Binnenschifffahrt grundsätzlich mit meiner Ruhrorter Hafenwelt verschmolzen war, seht ihr daran, dass in meiner Erinnerung die gesamte Serie ihren Handlungsschwerpunkt in Duisburg besaß. Was nicht stimmt. Zwei Folgen nur spielen in Duisburg. Ein Binnenschiff liegt nun mal nicht vornehmlich vor Anker, sondern es ist in der MS-Franziska-Welt auch mal auf dem gesamten Rhein unterwegs.

Mit dem Anfang der ersten Folge sehen wir die MS Franziska im Mittelrheintal, und ein Grundkonflikt der Serie wird etabliert. Der von Paul Dahlke gespielte Binnenschiffer im Rentenalter Jakob Wilde ist ganz Patriarch alter Schule. Er glaubt weiterhin auf die Anforderungen des Lebens die besseren Antworten zu haben als seine Söhne. In dieser einführenden Szene geht es natürlich um die grundsätzliche Fähigkeit eines Binnenschiffers, das Steuern des Frachtschiffes, das er seinem von Ulrich von Dobschütz gespielten Sohn Paul in einer Gefahrensituation aus der Hand nimmt.

Die Folge 2, Zum Grünen Hahn, spielt vor allem in Ruhort und Homberg. Die MS Franziska liegt in Ruhrort vor Anker. Jakob und Paul warten auf einen lukrativen Frachtauftrag. Das Alltagsleben in der Binnenschifffahrt wird mit Fahrtauglichkeitsprüfung von Jakob und den Begegnungen mit dem Hafenpastor erzählt. Zudem beginnt für den von Jochen Schroeder gespielten Enkel Jakobs, Niko Wilde, ein zehnwöchiger Lehrgang auf dem im Homberger Eisenbahnhafen liegenden Schulschiff Rhein.

In der Folge 4, Probefahrt, liegt die MS Franziska mit einem Motorschaden in Duisburg fest. Dramatik erhält die Folge durch den Blinddarmdurchbruch von Paul. Für ihn muss Jakob einen Ersatz suchen muss, als er für die MS Franziska einen Frachtauftrag erhält.

Bei Wikipedia gibt es hauptsächlich die inhaltliche Zusammenfassung der einzelnen Folgen. Zusammen mit dem Episodenguide bei Fernsehserien.de erhält man ein gutes Bild vom Handlungsgeschehen.

Auf der Seite TV-Nostalgie gibt es Ausschnitte aus einem Interview, das der Seitenbetreiber mit dem Komponisten der Filmmusik, Peter Schirmann, geführt hat.

Sämtliche Folgen finden sich auf YouTube.