Der katholische Sportplatz als Ort der Ruhrspartakiade – Essen-Bergerhausen

Schon als ich das Buch über die 111 Fußballorte im Ruhrgebiet geschrieben habe, wollte ich der Geschichte der Region viel Raum geben. Die meisten der dort erwähnten Ereignisse der Vergangenheit hätten auch in dem nun entstehenden Buch ihren Platz finden können. Der Fußball war im Ruhrgebiet seit jeher ein besonderer Teil der Alltagskultur. Sportliche Ereignisse berührten deshalb oft auch allgemeine Geschichte der Region.

So war die heutige Bezirkssportanlage Am Krausen Bäumchen in Essen-Bergerhausen Schauplatz von politischen Auseinandersetzungen und daraus entstehender Gewalt in den 1930er Jahren.

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Bezirkssportanlage Am Krausen Bäumchen – November 2011
Nebenplatz

Im Juli 1932 fand dort anlässlich der Ruhrspartakiade ein Fußballländerspiel zwischen England und Deutschland statt. Arbeitersportler wollten die Stärke des Kommunismus im Ruhrgebiet zeigen. Laut KPD waren 25.000 Zuschauer bei dem Spiel. Das Ruhr-Echo, die Zeitung der Partei,  schrieb von Zehntausenden, die auf den Straßen unterwegs waren. Kurioserweise war der Sportplatz von Mitgliedern eines im katholischen Milieu beheimateten DJK-Vereins angelegt worden. Wieso dieser dann den Sportlern eines weltanschaulich so konträren Teils der damaligen Gesellschaft zur Verfügung gestellt wurde, habe ich nicht herausgefunden.

Selbst wenn die parteilich berichteten Zuschauerzahlen übertrieben gewesen sein sollten, gab es genügend Kommunisten bei der Veranstaltung, die von der Polizei beobachtet wurden. Später heißt es, während das Fußballspiel noch lief, soll ein „verbotenes Lied“ gesungen worden sein. In der Nähe des Fußballplatzes, an der Ecke Weserstraße/Rellinghauser Straße, schritt die Polizei als erstes ein. Das Spiel musste dann abgebrochen werden. Die Zuschauer blieben eingekesselt. Währendessen eskalierte in den Straßen um den Sportplatz die Gewalt. Die kommunistische Presse berichtete später von sechs Toten, die bürgerliche von einem toten Polizisten und 24 schwer verletzten Arbeitern. Alle weiteren Veranstaltungen der Ruhrsparakiade wurden daraufhin verboten.

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Bezirkssportanlage Am Krausen Bäumchen – November 2011

Und nun vielleicht ihr: Schickt uns Eure Orte im Ruhrgebiet, die Geschichte erzählen. Wenn ihr nur historische Fotos habt, finden wir vielleicht die Geschichte dazu. Wenn ihr nur die Historie kennt, versuchen wir ein Foto dazu zu bekommen.  Unter den Einsendern verlosen wir 5 Exemplare von dem im Herbst 2014 erscheinenden Buch.

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Die wahre Fabrikstraße in Ruhrort – 1971

Im Moment lesen wir viel und verfolgen einige Nebenlinien des Geschehens der Vergangenheit. Ich stöber außerdem immer noch in alten Familienfotos. Je mehr ich sehe, desto öfter blicke ich auf mir unbekannte Menschen. Alltagsgeschichte machen sie durch Kleidung, Hintergrund oder Aufnahmesituation erfahrbar. Die bedeutsame Geschichte des Fotos war mit den gezeigten Personen verbunden. Niemand hat sie mir erzählt. Ich müsste sie erfinden. Dafür bieten solche Fotos Atmosphärisches. Sie regen an, das Konkrete in der Geschichte des Ruhrgebiets zu suchen und in ganz allgemeiner Form stoßen sie Erinnerungen an.

Menschen sind auf den Fotos unten nicht zu sehen. Weil ich aber neulich den Verlauf der Fabrikstraße in Duisburg-Ruhrort falsch erinnert habe, möchte ich es mit zwei weiteren Fotos noch einmal versuchen. Vorsichtshalber habe ich nachgefragt, ob ich mich dieses Mal wieder irre. Die Fotos sind wohl am Erstkommunionstag 1971 entstanden. Der Standort des Fotografen war auf Höhe des Eingangs zu St. Maximilian, Blickrichtung ist Haniel. Bis zur Kommunionsmesse war noch einige Zeit.

1971_Ruhrort_Fabrikstr_1webDie andere Straßenseite gibt es ebenfalls.

1971_Ruhrort_Fabrikstr_2webUnd nun vielleicht ihr: Schickt uns Eure Orte im Ruhrgebiet, die Geschichte erzählen. Wenn ihr nur historische Fotos habt, finden wir vielleicht die Geschichte dazu. Wenn ihr nur die Historie kennt, versuchen wir ein Foto dazu zu bekommen.  Unter den Einsendern verlosen wir 5 Exemplare von dem im Herbst 2014 erscheinenden Buch.

Ausführliche Hinweise zu dem Buchprojekt findet ihr mit einem Klick weiter.

Duisburg-Ruhrort: Admiral-Scheer-Brücke und Bergiusstraße

Die Admiral-Scheer-Brücke, die früher zwischen Ruhrort und Homberg über den Rhein führte, ist natürlich ein geschichtsträchtiger Ort, der sich aus der Funktion heraus ergibt. Ob die Brücke im Buch dabei ist, wissen wir noch nicht.

193x_Ruhrort_Rheinbruecke_bWelche Geschichte über die Ruhrorter Bergiusstraße im Jahr 1972 zu erzählen ist, bliebe noch herauszufinden.1972_Ruhrort_fabrikstr_b

Und nun wieder ihr: Schickt uns Eure Orte im Ruhrgebiet, die Geschichte erzählen. Wenn ihr nur historische Fotos habt, finden wir vielleicht die Geschichte dazu. Wenn ihr nur die Historie kennt, versuchen wir ein Foto dazu zu bekommen.  Unter den Einsendern verlosen wir 5 Exemplare von dem im Herbst 2014 erscheinenden Buch.

Ausführliche Hinweise zu dem Buchprojekt findet ihr mit einem Klick weiter.

Duisburg: St. Matthias in Meiderich-Berg

Ein erster Blick bei unserer Recherche zu den Orten im Ruhrgebiet, die Geschichte erzählen, galt auch den eigenen Kisten und Alben mit Fotos aus dem Familienalltag, die zum Teil von Großeltern und Urgroßeltern in unsere Hände gelangt waren. Noch habe ich weder Fotos noch eine Geschichte in diesem Teil meines Privatarchivs für das Buch gefunden.

Aber eine Randnotiz lässt sich erzählen, weil ich auf eine Art Postkarte stieß, die die katholische Kirche in Meiderich-Berg zeigt, einmal wie ich sie als Kind habe kennen gelernt und einmal wahrscheinlich als Vorkriegsbau. Nun wird in diesen Tagen der längst schon profanierte Kirchbau von St. Matthias abgerissen. Ich nehme an, Gemeinde- und Vereinshaus bleiben auch nicht stehen. So mischten sich die jüngst gesehenen Bilder vom Abriss mit den Erinnerungen an Sonntagsmessen, die ich auf der Empore beim Kirchenchor verbracht habe; an den Frühschoppen des Großvaters nach der Messe im Vereinsheim, wo die Luft in einer Ecke immer vom Zigarrenrauch auf mich sehr beeindruckende Weise vernebelt war; und an die Kleidungsstücke, die ich mit meiner Großmutter immer ins Gemeindehaus gebracht habe, wo Anni Gietzen nähte. Eine Frau, die ich nicht näher kannte, deren Name aber meine Kindheit begleitete.

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Ist das der Innenraum von St. Matthias?

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Ein paar Fotos illustrieren zudem den Gemeindealltag.
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Karnevalsitzung 1969

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Karnevalsitzung, eine andere Session. Die Sitzordnung des Elferrats und die Dekoration lassen ein anderes Jahr vermuten, zumindest eine andere Veranstaltung. Viel Zeit lag aber nicht zwischen dem oberen und den unteren beiden Fotos.

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Nun aber wieder ihr: Schickt uns Eure Orte im Ruhrgebiet, die Geschichte erzählen. Wenn ihr nur historische Fotos habt, finden wir vielleicht die Geschichte dazu. Wenn ihr nur die Historie kennt, versuchen wir ein Foto dazu zu bekommen. 

Ausführliche Hinweise zu dem Buchprojekt findet ihr mit einem Klick weiter.

Gesucht: Eure Orte im Ruhrgebiet, die Geschichte erzählen

Neues Jahr, neues Buchprojekt, Herzensthema Ruhrgebiet. Und dabei hoffen wir auf eure Hilfe. Grob gesagt, geht es in dem Buch um Orte im Ruhrgebiet, die Geschichte erzählen. Spuren dieser Geschichte braucht dieser Ort in der Gegenwart nicht mehr aufweisen. Das Geschichtliche muss also nicht mehr sichtbar sein.

Diese Vergangenheit kann ein einzelnes Ereignis sein, wie die Arbeit des Künstlers Yves Klein beim Bau des Gelsenkirchener Musiktheaters, die ihm als Künstler zum Durchbruch verhalf. Das kann aber auch der historische Ort als solcher sein, der für das Ruhrgebiet von besonderer Bedeutung war. Hagenbecks fester Zirkusbau im Essen der 1920er wäre so ein Ort oder der Wohnort Gerhard Mercators, der an die frühe Universitätsstadt Duisburg erinnert. Den Reichtum durch die Industrie zeigt Bochums Bismarckturm ebenso wie die Wittener Fabrikantenvillen. Und auch im Ruhrgebiet wurden die „Golden Twenties“ gelebt – etwa in Dortmunds Elite-Café Löwenhof. Wenn ihr Orte kennt, an denen bedeutsame oder beispielhafte Geschichte des Ruhrgebiets stattfand, gebt uns einen Hinweis.

Wenn ihr nur historische Fotos habt, finden wir vielleicht die Geschichte dazu. Wenn ihr nur die Historie kennt, versuchen wir ein Foto dazu zu bekommen. Wir sind beide Kinder des Ruhrgebiets und möchten mit dem Buch zur Identität dieser Region beitragen. Macht es auch zu eurem Buch. Zu einem Buch eurer Vergangenheit. Zu einem Buch mit eurer Pott-Geschichte. Schickt uns Eure Orte im Ruhrgebiet, die Geschichte erzählen.

Unter den Einsendern verlosen wir 5 Exemplare von dem im Herbst 2014 erscheinenden Buch.