Bilderbogen Duisburg – Teil 2: Schiffahrt und Erholung

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Heute sind die restlichen Stadtansichten Duisburgs zu sehen, die im Bilderbogen „Duisburg – Sport Schiffahrt Erholung“ wahrscheinlich etwa Mitte der 1930er Jahre veröffentlicht wurden. Die Bilder zum „Sport“ habe ich schon schon  in einem eigenen Beitrag online gestellt.  Für die „Schiffahrt“ werden mit Schiffferbörse und Hafenmund zwei  Ansichten von Ruhrort gezeigt, die bis zur Gegenwart Lieblingsmotive der Fotografen Ruhrorts geblieben sind. Alleine mit den Veränderungen auf den Fotos über die Jahre hinweg ließe sich eine kleine Geschichte der Binnenschiffahrt illustrieren. Hier nun die alte Schifferbörse, die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde. Aber erst ein Brand nach dem Krieg zerstörte sie vollends. Das zweite Foto darunter zeigt den Blick an der Schifferbörse vorbei in den Hafenmund. Im Hintergrund ist die Admiral-Scheer-Brücke zu sehen, die im März 1945 von der Wehrmacht gesprengt wurde.

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Mit der Hafenansicht taucht Duisburgs Industrie nur in einer romantischen Form auf. Hafenatmosphäre klang anscheinend auch damals schon mehr nach Freizeit als nach Arbeit. Offensichtlich soll der Bilderbogen Duisburg keinesfalls an die Wirklichkeit der Industriearbeit erinnern. Die Stadt wirkt mit ihm wie ein touristisches Ziel für einen kürzeren Aufenthalt. Die Industriestadt Duisburg gibt es nicht mehr, stattdessen bestimmen die Möglichkeiten zur „Erholung“ den durch den Bilderbogen geweckten Eindruck von der Stadt.

Für den 1934 eröffneten Tierpark wird ein Teil der Bärenkäfige gezeigt, der noch bis etwa Anfang der 1970er Jahre so vorhanden war. Heute würde ein Zoobesuch kaum mehr unter der Rubrik Erholung aufgeführt werden. Heute wünschen sich Zoos die Gütesiegel Erlebnis und Event. Die Erholung klingt inzwischen zu sehr nach Ruhe und einer Zeit, in der zu wenig geschieht, um für Besucher attraktiv zu sein.

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Die verschneite Idylle im Wald kennen wir dagegen ebenfalls noch als Sehnsuchtsort der Ruhe. Damit verbindet sich immer noch die Erholung. Aus heutiger Sicht überrascht das letzte Bild des Bilderbogens, mit dem die Beecker Kirmes als Ort der Erholung gezeigt wird.

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Wir wissen noch nicht, ob wir im Buch den Beecker Markt aufnehmen, eben wegen der Beecker Kirmes mit ihrer langen Tradition als Schweinemarkt. Auch wenn schon erste Texte entstanden sind, suchen wir weiter nach Orten im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen. Deshalb:  Schickt uns Eure Orte im Ruhrgebiet, die Geschichte erzählen. Wenn ihr nur historische Fotos habt, finden wir vielleicht die Geschichte dazu. Wenn ihr nur die Historie kennt, versuchen wir ein Foto dazu zu bekommen.  Unter den Einsendern verlosen wir 5 Exemplare von dem im Herbst 2014 erscheinenden Buch.

Ausführliche Hinweise zu dem Buchprojekt findet ihr mit einem Klick weiter.

Sportstätten in Duisburg Mitte der 1930er Jahre

Wann genau der Bilderbogen „Duisburg – Sport Schiffahrt Erholung“ gedruckt wurde, weiß ich nicht. Es kann frühestens Mitte der 1930er Jahre gewesen sein, weil auch das Bärengehege im Tierpark gezeigt wird und dieser 1934 eröffnet wurde.

Heute geht es hier aber um die im Bilderbogen gezeigten Sportstätten. Die Regattabahn gibt mit ihrer Einweihung im Jahr 1935 ebenfalls einen Hinweis auf das Druckdatum. Auch das Schwimmstadion war schon gebaut.  Der Sportpark Wedau hatte Gestalt angenommen.

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Schwimmstadion und Regattabahn

Vor allem nahm dieser Sportpark Gestalt an, weil ab 1921 das 40.000 Zuschauer fassende Stadion gebaut wurde, das später Wedaustadion heißen sollte. Es war erst das zweite städtische Großstadion in Deutschland. Mit diesem frühen Stadionbau bestätigte Duisburg nicht nur seinen Ruf als Sportstadt, insbesonders als damalige westdeutsche Fußballhochburg, wo noch der Duisburger SV die erfolgreichste Fußballmannschaft der Stadt war.  Der Bau zeigt auch das Selbstverständnis der Stadt als fortschrittliche Großstadt, in der entsprechend repräsentative Bauten nicht fehlen dürfen.

Teil der Stadtansichtensammlung  "Duisburger Bilderbogens"

Dem „Stadion“ fehlt noch der Namenszusatz

In dem von mir als Kees Jaratz zusammen mit Frank Baade geschriebenen Buch „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“  durfte das Wedaustadion natürlich nicht fehlen. Schon dieses Buch war im Grunde als Geschichts- und Geschichtenbuch angelegt. Schön, dass dieser Zugang zur Pott-Historie nun noch umfassender möglich ist.

Und nun vielleicht ihr: Schickt uns Eure Orte im Ruhrgebiet, die Geschichte erzählen. Wenn ihr nur historische Fotos habt, finden wir vielleicht die Geschichte dazu. Wenn ihr nur die Historie kennt, versuchen wir ein Foto dazu zu bekommen.  Unter den Einsendern verlosen wir 5 Exemplare von dem im Herbst 2014 erscheinenden Buch.

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Moderner Sport Basketball im Ruhrort der 1950er Jahre

Nach dem 2. Weltkrieg konnte der Basketball in Deutschland nicht an eine lange Tradition anknüpfen. So fasste der Ballsport an vielen Orten mit Hilfe von Besatzungssoldaten wieder Fuß. Etwas anders war es im Duisburger Hafenstadtteil Ruhrort. Dort wurde zwar Ende der 1940er Jahre auch Basketball gespielt, doch die Basketballer waren keine Soldaten sondern französische Mitarbeiter der Speditionsfirma Compagnie General pour la Navigation du Rhin. Einige ihrer jungen deutschen Kollegen fanden den Sport interessant und begannen regelmäßig mitzuspielen. Als die jungen Männer schließlich am Wettbewerbsbetrieb teilnehmen wollten, war schnell klar, dazu musste ihre Spielgemeinschaft ein offizieller Sportverein werden. Statt einen Verein neu zu gründen schlossen sich die Basketballer im Jahr 1950 dem VfvB Ruhrort/Laar an, dessen Basketballabteilung bis heute Bestand hat.

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VfvB Ruhrort/Laar gegen Homberger TV. Spielausgang ist unbekannt. Der Platz befand sich am Ruhrdeich.

Zu den Spielern dieser ersten Herrenmannschaft des VfVB Ruhrort/Laar gehörten Jean Amiot, François Burckel sowie Spieler, deren Vornamen mir momentan noch unbekannt sind: Fabre, Risant und Pantin. Ein Engländer namens Maddams gehörte zu jenen Spielern. Die damals jungen Deutschen waren Werner Nagel, Hans-Joachim Wagener, Hermann Ulff, Alfred Vogedes und Werner Müßig. Der Basketball war in diesen Tagen nicht unbedingt ein Hallensport. Aschenplätze gab es auch für Basketballer. Die Hallenspielstätte des VfvB befand sich zunächst in Ruhrort an der Homberger Straße, die Turnhalle der heutigen Grundschule, später in Laar an der Werthstraße.

Nur wenig später gab es eine Damenmannschaft, die lange Zeit in der damals höchsten Spielklasse, der Oberliga, mitspielte. Zu den Spielerinnen dieser ersten Stunde gehörten u. a. Anneliese Fandrey, Anneliese Kluwen, Ulla Kuhlins, Ellen Hellmich, Elfie Lambertz, Christel Hewel und Renate Thomassen. Noch wirkt der Korb auf dem Bild unten selbst gefertigt, und die damals übliche Wurftechnik habe ich selbst zwar als Jugendspieler für Distanzwürfe – noch ohne Dreipunktelinie – kennengelernt, inzwischen gehört sie ganz der Historie an.

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Auf heutigem Duisburger Stadtgebiet war der VfvB Ruhrort/Laar nicht der erste offizielle Basketballverein. Als der Betriebssportgemeinschaft von Compagnie General noch die frühe Form des Streetballs genügte, gab es im damals zum Kreis Moers gehörenden Homberg schon Anhänger des Vereinssports Basketball. 1949 wurde im Homberger TV eine Basketballabteilung gegründet. Zur Frühzeit des Basketballs in Duisburg gehörten außerdem zwei 1951 gegründete Basketballabteilungen, die des TuS Duisburg 48/99 und die des TuS Rheinhausen. Die Basketballabteilung des Homberger TV hat sich vor einiger Zeit mit der des Rumelner TV und der des Vfl Rheinhausen zur BG Duisburg-West zusammengeschlossen.

Und nun vielleicht ihr: Schickt uns Eure Orte im Ruhrgebiet, die Geschichte erzählen. Wenn ihr nur historische Fotos habt, finden wir vielleicht die Geschichte dazu. Wenn ihr nur die Historie kennt, versuchen wir ein Foto dazu zu bekommen.  Unter den Einsendern verlosen wir 5 Exemplare von dem im Herbst 2014 erscheinenden Buch.

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Randnotiz: Willy Brandt verschenkt Hertha-Trikots im Revier

Im Zebrastreifenblog drüben habe ich neulich auf einen Text von Werner Jurga anlässlich von Willy Brandts 100. Geburtstag hingewiesen. Eine lesenswerte Erinnerung an den Politiker, die Atmosphärisches der 1960er Jahre vermittelt. Werner Jurga hatte als Kind Willy Brandt 1965 bei einem Wahlkampfauftritt in Mülheim an der Ruhr gesehen und konnte dort sehr spezielle Wahlkampfgeschenke ergattern. Ein Fußball war gut zu gebrauchen. Mit dem Hertha-Trikot aber konnte Werner Jurga als MSV-Fan nicht so viel anfangen. Heute würde kein Berliner Politiker beim Wahlkampf im Ruhrgebiet seine Identität als Berliner mit Hertha-Trikots unterstreichen. Politiker der Gegenwart hätten Trikots des lokalen Spitzenvereins dabei. oder ein Nationaltrikot. Das Wohlgefühl des Wählers wäre beim Wahlgeschenk mehr im Blick als das Bekenntnis zur eigenen Identität. Die  Gründe hierfür sind bei allen Beteiligten des Geschehens zu suchen.