Ruhrgebietsgeschichte – Schwerpunkt Kohle – erzählt per Minecraft-Clip

„The Ruhr Area – From Powerhouse to Poor house“ hieß das Schulprojekt, von dem ich nichts weiter als Name und dieses eine gleich vorgestellte Ergebnis kenne. Entstanden ist eine Mini-Doku zur Geschichte des Ruhrgebiets, Schwerpunkt Kohleabbau, mit den gestalterischen Möglichkeiten des Computerspiels Minecraft filmisch erzählt sowie mit englischem Kommentar versehen. Fächerübergreifender Unterricht, besser geht es nicht. 4’30“ dauert der Clip eigentlich, der Rest der Spieldauer gilt der „Ende“-Tafel. Vielleicht beantwortet Leo als einer der Macher ja noch die Frage, an welcher Schule im Ruhrgebiet dieses Projekt verwirklicht wurde. Der Clip entstand in Flensburg an der Auguste-Viktoria-Schule als Teil des bilingualen Erdkundeunterrichts.

Beifang – Duisburger Zweitklässler von 1932 und Goldkonfirmanden Ende der 1960er

Während der Arbeit an 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen haben sich viele Informationen und Bilder angesammelt, die wir aus unterschiedlichen Gründen für das Buch selbst nicht genutzt haben. Es ist eine Art Beifang unserer Recherche. Einiges davon braucht eine erklärende Geschichte. Viele historischen Fotos aber stehen auch für sich und lassen sich als Einzelstücke betrachten. In loser Reihe stellen wir einen Teil dieses Beifangs online. Einordnende Kommentare sind gerne gesehen.

Fotografen und Rechteinhaber der Fotos haben wir nicht immer ermitteln können. Wir bitten Fotografen und Archive sich bei uns zu melden.

Fotos, die vornehmlich Menschen des Ruhrgebiets in der Vergangenheit zeigen, halfen bei dem Buch selbstredend meist nicht weiter. Gerade Gruppenfotos sind ja in erster Linie als Erinnerungsfotos für die dort abgebildeten Personen gedacht. Es ist ein eigenes zeitaufwändiges Projekt sie lesbar zu machen und zu enthüllen, was solche Gruppenfotos über die Vergangenheit erzählen. Als eine Art Stichwortzettel sollen hier deshalb nur erste flüchtige Eindrücke notiert sein. Es wäre schön, ihr kommentiert, wenn euch etwas auffällt, wenn ihr Zusammenhänge erkennt, Kleidung oder Frisuren einordnen könnt, wenn ihr irgendein Zeichen der Fotos deuten könnt.

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Auf diesem Foto ist die 2. Klasse einer Schule zu sehen. Die Schüler kommen aus Meiderich-Berg,  Untermeiderich, wie es offiziell heißt. Einer der Schüler wohnte auf der Herwarthstraße. Die Schule könnte also die auf der Nombericher Straße gewesen sein. Koedukation gab es dort offensichtlich nicht. Über 40 Schüler hat diese Klasse. Mir fällt auf, wie unterschiedlich die Jungen gekleidet sind wider dem ersten Eindruck. Vorne rechts scheinen zwei Jungen noch Matrosenhemden zu tragen, die eigentlich zwanzig Jahre zuvor in Mode waren. Damals festigte die Flottenpolitik des deutschen Kaisers Wilhelm II.  den deutschen Nationalstolz und wurde in der Alltagskultur entsprechend gefeiert. Die meisten Jungen tragen einfache Kleidung. Oben links im Eingang ein einzelner Junge mit Schlips, beim Lehrer einer mit Fliege. Zwei Jungen aus besser gestellten Familien?

Die unterschiedlichen Frisuren fallen auf. Vielen Jungen scheinen die Haare von den Eltern geschnitten worden zu sein, der berühmte „Pisspott“-Schnitt. Wenige modischere Frisuren fallen sofort auf. Auch das ein Hinweis auf die soziale Stellung der Herkunftsfamilie? Was bedeutet es, dass die meisten der Jungen weiße Hemden tragen und einige wenige eine graue kittelartige Oberbekleidung?

Das zweite Foto zeigt ebenfalls Menschen aus Duisburg-Meiderich, vermutlich aus Mittelmeiderich, Ende der 1960er Jahre. Sie sind wesentlich älter, sie sind um die 65 Jahre alt und vermutlich Goldkonfirmanden der evangelischen Gemeinde Mittelmeiderich.

1960er_Gruppenfoto_ev_Kirche_Mittelmeiderich_goldkonfWenn ich das nächste Mal dort bin, muss ich zur evangelischen Kirche fahren. Momentan fehlt mir trotz Google Street View die letzte Sicherheit, dass das Foto dort aufgenommen wurde. Die Unterschiede in den Lebensläufen lassen sich nicht auf den ersten Blick erkennen. Zu ähnlich sehen die Männer und Frauen auf dem Foto aus, zu wenig kenne ich mich mit den minimalen Unterschieden der Kleidung aus. Alleine eine Diakonieschwester lässt sich in der zweiten Reihe identifizieren. Obwohl das Foto jünger ist, ist es für mich schwerer lesbar.

Wer mit diesem Blick auf die Menschen der Vergangenheit des Ruhrgebiets zudem neugierig geworden ist auf historische Orte der Region: Mit einem Klick geht es weiter zu Vorwort und Inhaltsverzeichnis von 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen.

Chargesheimer – Impressionen einer Ausstellung

RS2017_RUMU_Plakat Chargesheimer_032014_2048 Pixel-scrAls der Fotoband „Im Ruhrgebiet“ 1958 erschien, war vor allem das offizielle Ruhrgebiet über dieses Buch entsetzt. Die Fotos des Kölner Fotografen Chargesheimer zusammen mit den Texten des Schriftstellers Heinrich Böll entsprachen überhaupt nicht dem Bild, das dieses offizielle Ruhrgebiet von sich gerne verbreitet gesehen hätte. Der Gegenentwurf des „wahren“ Ruhrgebiets war bald als weiterer Fotoband ebenfalls im Handel erhältich.  Da waren Chargesheimer und Böll zusammen mit ihrem Verleger längst einmal in Essen gewesen, um sich der harschen Kritik zu stellen.

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Mit der historischen Einordnung beginnt die Ausstellung „Chargesheimer – Die Entdeckung des Ruhrgebiets“ auf Zollverein in Essen. Neulich habe ich es endlich geschafft, mir diese wunderbare Ausstellung anzusehen. Bis zum 18. Januar ist es noch möglich, in die Wirklichkeit des Jahres 1957 einzutauchen, jenem Jahr vor der Buch-Veröffentlichung, als Chargesheimer über sechs Monate hinweg immer wieder ins Ruhrgebiet zum Fotografieren fuhr.

Natürlich zeigen die Fotos einen persönlichen Blick aufs Ruhrgebiet. Wenn ich aber diese Fotos sehe, höre ich zugleich das Erzählen meiner Eltern, ihrer Freunde, der Großeltern. Chargesheimer hat Leben und Alltag der Arbeiter des Ruhrgebiets auf eine Weise eingefangen, die einem diese Welt nahe bringt und lebendig macht.

Chargesheimer – Die Entdeckung des Ruhrgebiets

bis 18.01. / täglich 10–18 Uhr / am 24., 25. und 31.12. geschlossen

Eintritt: 6 €, ermäßigt: 4 €, Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren frei

Ruhr Museum, Zollverein
Areal A [Schacht XII], Kohlenwäsche [A14]
Gelsenkirchener Str. 181
45309 Essen

Bottrop – „Zum Treppchen“ suchen und dabei auch „euratron“ finden

Die einstige Bottroper Gaststätte Zum Treppchen ist einer der 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen. Für Jürgen von Manger schien diese Kneipe Drehort von einem seiner Musikvideos zu „Bottroper Bier“ gewesen zu sein, seiner Parodie auf  „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens. Die heute nicht mehr vorhandene Gaststätte gab uns nicht nur die Gelegenheit über Jürgen von Manger und die Etablierung der Ruhrgebiet-Komik in der deutschen Unterhaltungskultur zu schreiben, ebenso deutete sich mit dem Musikvideo der Wandel des Lebens im Ruhrgebiet an.

Die Kneipe war also ein wunderbarer Ort für das Buch, alleine wir kannten ihre genaue Adresse nicht. Auf der Essener Straße sollte sie sich befunden haben. Archivrecherche,  Fragen in Facebook-Gruppen, Mailen und Telefonieren brachten kein Ergebnis. So machte ich mich auf den Weg nach Bottrop zur Essener Straße, wo ich mich durchfragte und schließlich an die Besitzerin eines Geschäfts verwiesen wurde, in dessen Schaufenstern Alarmanlagen, unterschiedlichste elektronische Geräte und Musikanlagen  zu sehen waren.
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Als ich dann diesen Laden betrat, stand ich in einer Art Zentrallager des Elektronikfachbedarfs. Gabi Krickhahn ist Besitzerin von euratron. Was als Fachgeschäft für Alarmanlagen firmiert, entpuppt sich im Ladenlokal als unerschöpflich wirkende Quelle für jederlei Ersatzteil, das einem Elektronikbastler in den Sinn kommt. Alles ist als Einzelteil erhältlich. Eine Welt tut sich hier auf, die es heute nur noch selten gibt; ein Geschäft, geführt von einem freundlichen, hilfsbereiten Menschen, der fest in seinem Viertel verwurzelt ist.

Gabi Krickhahn kannte die Gaststätte noch und holte ihr dickes Adressbuch hervor, als ich nach historischen Fotos von der Gaststätte fragte. Sie wusste sofort, welchen ihrer Kunden sie anrufen musste, der vielleicht weiterhelfen konnte. Von ihm erfuhr sie den Namen des letzten Besitzers, der eine Tochter gehabt hatte, an die ich mich wenden könnte. Er hatte recht. Ohne die Hilfe von Gabi Krickhahn hätte es kein historisches Foto von der Bottroper Gaststätte Zum Treppchen im Buch gegeben.

Unten erhaltet ihr einen Einduck von ihrem besuchenswerten Laden auf der  Essener Straße 69-71 in Bottrop. Bevor ihr jetzt zuhauf dorthin fahrt, ruft vorher unter 02041 68 51 34  an und fragt nach den aktuellen Öffnungszeiten.

Wer außerdem auch neugierig geworden ist auf 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen: Mit einem Klick geht es weiter zu Vorwort und Inhaltsverzeichnis.

Beifang – Generationswechsel auf der Oberhausener Dinnendahlstraße

Während der Arbeit an 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen haben sich viele Informationen und Bilder angesammelt, die wir aus unterschiedlichen Gründen für das Buch selbst nicht genutzt haben. Es ist eine Art Beifang unserer Recherche. Einiges davon braucht eine erklärende Geschichte. Viele historischen Fotos aber stehen auch für sich und lassen sich als Einzelstücke betrachten. In loser Reihe stellen wir einen Teil dieses Beifangs online. Einordnende Kommentare sind gerne gesehen.

Fotografen und Rechteinhaber der Fotos haben wir nicht immer ermitteln können. Wir bitten Fotografen und Archive sich bei uns zu melden.

Heute geht es um Alltagsgeschichte, die in Erinnerungsfotos erkennbar wird. Als ich die beiden Fotos des Hauses auf der Dinnendahlstraße erhielt, waren der Besitzerin der Fotos die Aufnahmedaten nur ungefähr bekannt. Ihre Großeltern, das Ehepaar Osmann, hatten das Haus erbaut, und sie vermutete, das müsse noch vor dem Ersten Weltkrieg geschehen sein. Kleidung, Haarschnitt der Kinder und die gegenüber dem zweiten Foto fehlende Baumbepflanzung unterstützen die Vermutung. Der Vater der Fotobesitzerin, Josef Osmann, ist in dem Haus aufgewachsen. Das Haus befindet sich auf Höhe einer Grünfläche, die in den 1930er Jahren wohl noch wenig gestaltet war und von den Kindern damals „Tannenbüschchen“ genannt wurde.

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Etwa 20 Jahre später ist um 1930 an derselben Stelle das folgende Foto entstanden. Neben den Bewohnern des Hauses Osmann sollen auf dem Foto auch die Nachbarn zu sehen sein,  Familie Irnig. Es wurde aufgenommen anlässlich der ersten Straßenbahnfahrt eines Familienmitglieds.

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Wer zudem neugierig geworden ist auf 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen: Mit einem Klick geht es weiter zu Vorwort und Inhaltsverzeichnis.

 

Beifang – Der FC Gelsenkirchen-Schalke 04 und der Rhein-Herne-Kanal

Während der Arbeit an dem Buch haben sich viele Informationen und Bilder angesammelt, die wir aus unterschiedlichen Gründen für das Buch selbst nicht genutzt haben. Es ist eine Art Beifang unserer Recherche. Einiges davon braucht eine erklärende Geschichte. Viele historischen Fotos aber stehen auch für sich und lassen sich als Einzelstücke betrachten. In loser Reihe stellen wir ab heute einen Teil dieses Beifangs online. Einordnende Kommentare sind gerne gesehen.

Fotografen und Rechteinhaber der Fotos haben wir nicht immer ermitteln können. Wir bitten Fotografen und Archive sich bei uns zu melden.

So weit wir wissen, handelt es sich bei den Vorlagen der folgenden zwei Abbildungen um Postkarten.

Die Vertragsspieler des «FC Gelsenkirchen-Schalke 04»

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Der Stadtname als Teil des Vereinsnamens – Hat es das offiziell etwa einmal gegeben? Oder soll hier der Ruhm des Fußballvereins auf die Heimatstadt abstrahlen? Vielleicht aber soll den Postkartenempfängern ohne Fußballinteresse auch nur die Ortsangabe hilfreich sein?  Vielleicht findet sich ja ein Vereinshistoriker, der Antworten geben kann.

Der Rhein-Herne-Kanal bei Gelsenkirchen

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Bochum – Das Heusnerviertel

Im Buch gibt die alphabetische Ordnung der Ruhrgebietsstädte die Abfolge der Geschichten vor. So ist die Geschichte vom Bochumer Heusnerviertel und der Hausbesetzungen dort schon früh zu lesen. Das Heusnerviertel ist der 7.  von den 111 Orten im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen. Mit Tanz auf dem Vulkan gibt es eine filmische Dokumentation des Geschehens, das schließlich mit Räumung und Abriss endet. Damals, 1987 natürlich analog gefertigt, gehörte diese Dokumentation zu den Versuchen eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen.

Lukas van Looping hat sich die Arbeit gemacht, diese Aufnahmen zu restaurieren und sie online zu stellen.  Auf seiner Seite Sonderland.org erzählt er, wie es dazu kam und wo der Film vom Kollektiv Videotie erstmals wieder gezeigt wurde.  Die Bewegtbilder machen einen Ausschnitt der 1980er Jahre parteiisch und auf beeindruckende Weise lebendig. Was im Bochumer Heusnerviertel geschah, war an vielen Orten Deutschlands erlebbar.

Um so mehr ist Lukas van Looping für seine Arbeit zu danken. Selbstverständlich  ist den anonym bleibenden Machern des Films ebenso zu danken. Dieser Film ist ein großes Zeitdokument. Die Arbeit verdient Beifall auf der Seite Sonderland.org von Lukas von Looping. Klickt weiter, vielleicht kann er einen Teil des Beifalls weitergeben.