Beifang: Duisburg – Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Kaiserberg

Während der Arbeit an 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen haben sich viele Informationen und Bilder angesammelt, die wir aus unterschiedlichen Gründen für das Buch selbst nicht genutzt habe. Es ist eine Art Beifang unserer Recherche. Einiges davon braucht eine erklärende Geschichte. Viele historischen Fotos aber stehen auch für sich und lassen sich als Einzelstücke betrachten. In loser Reihe stelle ich einen Teil dieses Beifangs online. Einordnende Kommentare sind gerne gesehen.

Fotografen und Rechteinhaber der Fotos habe ich nicht immer ermitteln können. Ich bitte Fotografen und Archive sich bei mir zu melden.

Dieses Foto wurde um 1939/1940 vor dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Kaiserberg in Duisburg aufgenommen. Lange konnten die Duisburger ihre Erinnerungsfotos nicht mehr vor der Metallskulptur des Kaisers machen. 1942 wurde das Metall eingeschmolzen und zur Waffenproduktion genutzt. 1898 war das Denkmal errichtet worden. Seinerzeit noch mit Wasserspiel und Skulpturenschmuck vor dem Sockel. Es reihte sich ein in die Vielzahl der Kaiser-Wilhelm-Denkmäler, die nach dessen Tod im Jahr 1888 entstanden sind. Bei Wikipedia wird eine lange Liste geführt.

 

1939vielleicht_Kaiserbergdenkmal

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…der Lohntag ist für unseren Kumpel kein Sauftag mehr

Im Zebrastreifenblog verfolge ich unregelmäßig eine kleine Reihe, die dem „Heimatlied – Sektion Ruhrstadt“ gewidmet ist. Heute habe ich dort einen Song von Emscherkurve 77 gepostet, der wegen des dazu gehörigen Musikclips auch in diese Räume gehört. In dem Clip wird ein Ruhrgebiet Ende der 50er Jahre gezeigt, in dem die Schwerindustrie noch den Alltag bestimmt und das Leben in den Arbeitersiedlungen sich oft auf der Straße abspielte.

Der Anfang von „Wurzeln, Seele, Elternhaus“ wird durch einen wunderbaren O-Ton aus dieser Vergangenheit bestimmt. Eine patriarchische Stimme zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung unter den Bergarbeiten. Man muss sich nur vergegenwärtigen, was sich heute so kurios anhört, war seinerzeit Thema in vielen Familien. Kommt der Ehemann mit der Lohntüte nach Hause oder geht er als erstes in die Kneipe vor dem Werks- oder Grubentor, um mit dem Geld mehr als nur das eine Bier und den Korn zu trinken? Doch machten die Arbeiter das nur so lange, bis der anonyme Sprecher der Öffentlichkeit mitteilen konnte: “Der Freitag, der Lohntag, ist für unseren Kumpel kein Sauftag mehr”, denn der “Kumpel sucht heute sein Zuhause”.

Das Stück selbst ist bester Heimatliedgesang in Punk-Tradition. Emscherkurve 77, 2000 gegründet, stammen aus dem Ruhrstadt-Stadtteil Oberhausen, wie bei Wikipedia zu lesen ist.

 

Wer grundsätzlich an Liedern interessiert ist, in denen das Ruhrgebiet besungen wird, egal welcher Stilrichtung findet drüben im Zebrastreifenblog die Serie Heimatlied – Sektion Ruhrstadt, wo ich auch meine Beweggründe für die Sammlung erkläre und wo bislang neben Klassikern wie dem Steigerlied in sieben Variationen oder dem Glück auf vom Spardosenterzett, neben Rapper und Schlagersängern auch Emscherkurve 77 mit weiteren ihrer Songs vertreten sind.

Bochum – Wenn die Vergangenheit durch eine Kleinigkeit erkennbar wird

Ein Gastbeitrag von Tobias Drabe.

Auf der Präsidentstraße in Bochum zeigt sich kurz vor der Hexenbrücke und der ehemaligen Gaststätte Lehmkuhle an einer Hauswand ein unscheinbares Überbleibsel einer längst vergangenen Zeit.

An diesem Haken war der Fahrdraht für die Straßenbahnen der Linie 6 aufgehängt. Er ist das letzte Überbleibsel auf der alten Route, die die Straßenbahn Linie 6 Richtung Wanne-Eickel nahm.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts war die Unterführung unter der Dorstener Straße am Bahnhof Präsident noch nicht für die Straßenbahn vorgesehen. Sie fuhr also bis kurz vor die heutige Brücke, bog links in die Signalstraße ab und überquerte die Hexenbrücke, um dann die Präsidentstraße (damals Unter den Linden) wieder herunter zu zockeln und dann wieder links auf die Dorstener Richtung Wanne abzubiegen.

Die damalige Brücke war auch nicht identisch mit der jetzigen. Damals war sie breiter, aus Holz und für den Verkehr freigegeben. Die heutige Brücke stammt aus Hofstede.

Die Wünsche für 2015 kommen zusammen mit einer Erinnerung an Jürgen von Manger

Wer wie wir in den 111 Orten über die Geschichte des Ruhrgebiets schreibt und sich dabei der Kultur zuwendet, kommt an Jürgen von Manger nicht vorbei.  Mit dem von ihm gespielten Adolf Tegtmeier steht er nicht nur am Anfang einer starken Traditionslinie der Typen-Komik im Ruhrgebiet. Diese Kunstfigur beeinflusste den Blick Deutschlands auf die Bewohner der Region und die Selbstbilder der Ruhrstädter gleichermaßen. Zum ersten Mal trat Jürgen von Manger als Adolf Tegtmeier Silvester 1961 auf. Als „Schwiegermuttermörder“ war er aber zunächst nur zu hören, sendete der Norddeutsche Rundfunk das Stück doch in seinem Radioprogramm.