Ruhrstadt – Der Karneval zwischen den 1950ern und 1982 in Bildern

Während der Arbeit an 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen haben sich viele Informationen und Bilder angesammelt, die wir aus unterschiedlichen Gründen für das Buch selbst nicht genutzt habe. Es ist eine Art Beifang unserer Recherche. Einiges davon braucht eine erklärende Geschichte. Viele historischen Fotos aber stehen auch für sich und lassen sich als Einzelstücke betrachten. In loser Reihe stelle ich einen Teil dieses Beifangs online. Einordnende Kommentare sind gerne gesehen.

Fotografen und Rechteinhaber der Fotos habe ich nicht immer ermitteln können. Ich bitte Fotografen und Archive sich bei mir zu melden.

Der Hoppeditz ist begraben, der Nubbel verbrannt.  Zum Abschied der Session geht der Blick hier zurück in die Vergangenheit, in der der Karneval noch weitaus mehr in der Alltagskultur der Ruhrstadt verankert war. In Duisburgs Meiderich-Berg wurden in der katholischen Gemeinde St. Matthias Pfarrsitzungen veranstaltet, die von den Gemeindemitgliedern selbst gestaltet waren. Gemeindemitglieder gingen in die Bütt, sie sangen selbst. Es ging nicht darum, Karnevalskünstlern zuzusehen, sondern die eigenen Talente auf die Bühne zu bringen. Die Fotos der 1960er Jahre hatte ich schon einmal in einer kurzen Erinnerung an St. Matthias veröffentlicht. Nun habe ich weitere Fotos gefunden.

Folgende Fotos sind wahrscheinlich Ende der 1940er Jahre und etwa Mitte der 1950er Jahre aufgenommen. Das linke Foto wird Ende der 1940er Jahre aufgenommen worden sein. Die Männer und Frauen sind schlank, die Männer-Wohlstandsbäuche der 1950er Jahre sind noch nicht zu sehen. Entsprechend dürfte das mittlere Foto schon in diesen 1950ern aufgenommen worden sein. Der Mann links ist der damalige Vorsitzende des katholischen Arbeitervereins, der im Karneval zudem der Sitzungspräsident war. Auf dem rechten Foto sind die Männer des Kirchenchors bei einem Auftritt während einer Pfarrsitzung zu sehen. Wer Genaueres weiß, die Kommentare sind offen. Fotos anklicken, vergrößert sie.

Karnevalsitzung 1969

DU_Meiderich_StMatthias_karneval_1969b

Karnevalsitzung, eine andere Session. Die Sitzordnung des Elferrats und die Dekoration lassen ein anderes Jahr vermuten, zumindest eine andere Veranstaltung. Viel Zeit lag aber nicht zwischen dem oberen und den unteren beiden Fotos.

Wann die Damensitzung, in Meiderich Möhnekaffee genannt, im Vereinshaus stattgefunden hat, weiß ich nicht genau. Um die Jahrzehntwende 1970 müsste das Foto aufgenommen worden sein.

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Auf dem Weg zum Hamborner Kinderkarnevalszug in Meiderich-Berg auf der Mühlenstraße – wahrscheinlich 1965.

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Darüber hinaus finden sich im Netz historische Bilder des Karnevals in der Ruhrstadt. Manchmal sind sie etwas versteckt wie im Fotoalbum der Duisburger KG Rot-Gold Laar 1950, in dem sechs Fotos den Viertelszug aus dem Jahr 1971 zeigen.

Leichter auffindbar sind solche Dokumente im WDR-Projekt digit.de, der digitalisierten Sammlung privater Filme und Fotos aus analogen Zeiten. Bei der Suche nach bestimmten Motiven kann man sich dort schon mal verlieren. Eine kleine Auswahl von Karnevalsfilmen habe ich zusammengestellt. Es gibt noch viel mehr.

Der Essener Rosenmontagszug im Jahr 1958 wird knapp 2’30 gezeigt.

Etwa 12 Minuten dauert der Film über Karneval in Duisburg 1964. Er wirkt wie eine Reportage über den Tag des Karnevalsprinzen und seines Hofstaats.

Der Duisburger Rosenmontagszug 1966 in knapp 2 Minuten.

Daneben findet sich ein 9 Minuten-Clip vom Rosenmontagszug in Dortmund im Jahr 1980.

Knapp 3 Minuten sind Teile des Duisburger Rosenmontagszug im Jahr 1981 zu sehen

Der Karnevalszug in Bochum-Höntrop im Jahr 1982 ist knapp 2’30 zu sehen

Matthias Lixenfeld, Duisburg und die rheinische Karnevalskultur

Wenn es heute um Matthias Lixenfeld geht, dann lässt sich mit ihm auch einiges über Erinnerungskultur und Kanonbildung unserer Gesellschaft erzählen. Gab es im Ruhrstadt-Stadtteil Duisburg mit ihm doch im Karneval einen Liedtexter und Komponisten, der für mich in einer Reihe steht mit Größen des rheinischen Liedguts wie Jupp Schmitz oder Willi Ostermann. Wenn ich über sein Schaffen lese und sein heute hier vorgestelltes Lied über den Duisburger Stadtteil Hochfeld höre, sehe ich eine Traditionslinie musikalischen Schaffens, die in der Ruhrstadt keine Fortsetzung gefunden hat. Sollte es anders sein, bitte ich um Hinweise.

Dass ein Mann wie Matthias Lixenfeld kein Berufsmusiker werden konnte, wundert nicht. Dazu brauchte es die Professionalisierung seines Tätigkeitsfeldes, die selbst in der Karnevalshochburg Köln  zu seiner Zeit erst in den Anfängen vorhanden war. Diese Professionalisierung ist die eine Voraussetzung, um Kultur der Vergangenheit für die Gegenwart zu bewahren. Die andere ist das Interesse der städtischen Gesellschaft. Für das Selbstverständnis von Duisburg war dieser Teil städtischer Kultur, der rheinische Karneval, offensichtlich nicht bedeutsam genug, um seine Künstler im allgemeinen Gedächtnis zu behalten. Vielleicht hat sich inzwischen verändert, da mit der Gründung der Matthias-Lixenfeld-Gesellschaft versucht wurde, diese Traditionslinie Duisburger Vergangenheit in der Gegenwart fruchtbar zu machen und das Werk von Matthias Lixenfeld dem Vergessen zu entreißen. Unlängst etwa wurde der Komponist und Texter im Duisburger Lokalteil der Funke-Gruppe gewürdigt, als über eine Karnevalsfeier ganz im Zeichen des Lixenfeld-Werks berichtet wurde.

Auf einer Feier am 14. November 2010 anlässlich seines 111. Geburtstages wurden in Duisburg einige seiner Werke zur Aufführung gebracht. Matthias Lixenfeld schuf etwa das Lied der Duisburger, das seinerzeit konzertant zur Aufführung gebracht wurde.

Zudem war besagtes Lixenfeld-Lied über Hochfeld zu hören. Dieses Lied steht in der Tradition der Karnevalslieder seiner Zeit. Die Melodie ist einfach, der Text aber will nicht nur gefallen. In ihm paart sich das Wohlwollen für die Stadt mit einem ironischen Blick. Wenn die Ruhrstadt sich um Identität und Selbstbild, um städtisches Selbstbewusstsein kümmern will, sollte sie sich auch beim Stadtteilmusiker Matthias Lixenfeld umgucken. Denn solche Lieder wie das über Hochfeld schreibt nur, wer eine Stadt mag und ihr deshalb jederzeit auch etwas zumuten kann.

Den folgenden Text habe ich vom Youtube-Clip übernommen. Sollte es dagegen Einwände geben, bitte melden, dann wird er hier wieder gelöscht.

Örgeswo en Hochfeld steht jetz en Kamin.
Boh – wat eß da hoch, man kann öhm sehr witt siehn.
Awer wenn et donkel weed, ek frog wat dann?
Gonnt van selws drei Reihe rote Lämpkes ahn.
Seit da nu gebaut eß, weiht en andre Wend.
Kin Atömke Stoff ma mehr en Hochfeld fend.
Propper send die Strote, dä Hemmel blau on klor,
Wie hä an de Reviera niemols wor.

Jo, jo, en Hochfeld, do weiht en Löfke,
Jo, jo, en Hochfeld, do eß en Döfke,
Jo, jo, en Hochfeld, do hölt mer’t ut.
Wie make nächstens noch en Kurort drut!

Gespräch über die Ruhrgebietshistorie verpasst? – Der Podcast zur WDR 5-Redezeit

Samstag waren wir zu Gast im Studio von WDR 5. Mit Achim Schmitz-Forte sprachen wir in der Redezeit von Neugier genügt über das Ruhrgebiet, seine Geschichte und unser Buch 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen. Der WDR stellt die Gespräche per Podcast online. Zur Sendung mit uns vom 7. Februar geht es mit einem Klick weiter.

Mit Ruhrgebietsgeschichte bei WDR 5 in der Redezeit am 7.2. um 11.05 Uhr

Montags bis samstags heißt es auf WDR 5 um 11.05 Uhr bis etwa 11.30 Uhr Neugier genügt: Redezeit. Morgen sind wir zu Gast im Studio und sprechen mit Achim Schmitz-Forte über geschichtsträchtige Orte im Ruhrgebiet und unsere Arbeit an 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen.

Die Einladung zur Sendung haben wir zum Anlass genommen, neue Fotos von uns machen zu lassen. Programmhinweise des WDR wollen bebildert werden. Fotograf ist Michael Kolle, dessen Arbeiten mit einem Klick weiter zu finden sind.

 

Zechenvergangenheit mit den „Zechenkindern“ von David Schraven

Natürlich gehören Zechen zu den wichtigen Orten des Ruhrgebiets, die Geschichte erzählen. Bevor das auf diese metaphorische Weise möglich ist, ist es hilfreich, wenn Zeitzeugen ihre Erinnerungen dokumentieren. Vor einem Jahr erschien mit „Zechenkinder“ eine Sammlung solcher Erinnerungen. Der Hinweis auf die Sammlung darf in diesen Räumen, in denen ich mich der Geschichte des Ruhrgebiets widme, nicht fehlen. Nur der Vollständigkeit halber: Die Besprechung ist erstmals nebenan im Zebrastreifenblog erschienen.

Mit das Schwerste beim Schreiben sind erklärende Worte für die eigene Begeisterung. Am liebsten wäre es mir, für “Zechenkinder” von David Schraven glaubt ihr einfach ohne weitere Gründe so eine Art Klappentext-Megaloblyrik á la “Die vielen Stimmen der Bergmänner finden zu einem beeindruckenden Gesang auf die Revier-Vergangenheit zusammen” oder prosaischer “Wunderbarer Lesegenuss für Menschen- und Revierfreunde”.  Vielleicht auch: “Großartige Worte über eine fast vergangene Zeit, ohne die Gegenwart aus dem Blick zu verlieren!”

Wenn ihr mir das einfach mal glaubt, könnte ich mich wieder meiner Begeisterung hingeben, mich vom Klang der Sprache der von David Schraven interviewten Bergmänner in die Wirklichkeit hinein ziehen lassen, in der ich aufgewachsen bin – eine Wirklichkeit, die im Ruhrgebiet der Gegenwart beim Umgang der Menschen miteinander so oft weiterhin lebendig ist. Aber das nutzt ja alles nichts, hier kommen schließlich auch immer wieder mal  Leute vorbei, denen meine Begeisterung als Argument für die Lektüre von “Zechenkinder” nicht genügen wird.  Dabei verdient das Buch von David Schraven jede Unterstützung.

In “Zechenkinder” lässt David Schraven 25 Bergleute selbst zu Wort kommen. Was sie über ihr Berufsleben im Besonderen und ihre Haltung zum Leben, zur Welt im Allgemeinen erzählen, hat er aufgezeichnet und zu einem O-ton-nahen Fließtext verdichtet. Drei bis sieben Seiten sind diese Erzählungen lang. Der älteste Bergmann ist Jahrgang 1932, der jüngste Jahrgang 1971. Sie haben in unterschiedlichen Funktionen auf Zechen gearbeitet. Die verschiedenen Bereiche ihres Berufslebens sind der Grund für ihr Erzählen über die Welt. Beeindruckende Portraitfotos von Uwe Weber sind den Texten vorangestellt, eine kurze Fotoreportage von ihm über den Bergbau leitet das Buch ein. Diese Fotos verweisen auch auf die liebevolle Ausstattung des Buches. “Zechenkinder” ist ein Fest für bibliophile Leser.

David Schraven wollte ein “Bild von den Zechenkindern zeichnen: offen, ehrlich und ungeschönt”. Dieses Vorhaben ist ihm in jeder Hinsicht großartig gelungen. “Zechenkinder” ist aber noch sehr viel mehr geworden. Ein einzige Stimme nur erzählt in diesem Buch in ausschließlich biografischer Perspektive. Alle anderen Erzählungen verweisen über das eigene Leben hinaus. In allen anderen Erzählungen ist das eigene Erleben nur Anlass, um Einblicke in andere Welten zu geben. Natürlich wird über das Leben unter Tage berichtet. Wehmut klingt manchmal an, wenn an den Zusammenhalt in den 1950ern und 1960ern erinnert wird und an die harte Arbeit damals, die die “einzige Währung” war, die zählte. Deshalb wurden Ex-Nazis unter Tage in Ruhe gelassen.

Die 1970er Jahre werden lebendig. Konkurrenzdruck wird zum Thema, und heil ist die Welt des Bergbaus nicht mehr für alle. Über Zechenschließungen können die Gewerkschafter unter den Bergleuten viel erzählen. Bis in die Gegenwart hinein führen die Erinnerungen, die Einblicke in die Wirklichkeit von Politik und Gewerkschaftsarbeit geben. Da mangelt es ebenso wenig am harschen Urteil über EU-Kommissar Günter Oettinger wie am lebendigen Erzählen über die explosive Stimmungen unter den Kumpels Mitte der 1980er bis Anfang der 1990er.

Ein Kapitel versammelt zudem all die “Zechenkinder”, die in die Welt hinaus gekommen sind. Sie arbeiteten in Russland oder nahmen in China an der Weltmeisterschaft der Bergleute teil. Manche Bergleute verließen aber auch schon früh die Zechen und kamen in anderen Berufen und Milieus der deutschen Gesellschaft unter. Dennoch blieb die Arbeit auf Zeche für sie eine prägende Erfahrung.  David Schraven gelang mit “Zechenkinder”  mehr als er zunächst vorhatte. Im Buch findet sich  die Auslandsreportage ebenso wie die Milieustudie. “Zechenkinder” wurde zum Geschichtsbuch. Es ist Heimatbuch, und natürlich ist es auch ein wunderbares Buch über die Menschen des Ruhrgebiets.

Zechenkinder

David Schraven
Zechenkinder
25 Geschichten über das schwarze Herz des Ruhrgebiets.
Mit Fotografien von Uwe Weber
Ankerherz, Hamburg 2013
ca. 230 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
Leineneinband mit Prägung
inkl. E-Book
ISBN-13: 978-3-940138-54-5
24,99 EUR

Der Generalfeldmarschall im Ruhrkessel – Geschichtsschreibung vs. Erinnerung

Einer der 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen befindet sich im Stadtwald Duisburg. Dort, in Nähe der Stadtgrenze zu Lintorf, erschoss sich am 21. April 1945 der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B der deutschen Wehrmacht, Generalfeldmarschall Walter Model, als er den Kampf gegen die Alliierten um das Ruhrgebiet verloren geben musste. Mit diesem Ort reißen wir  die Geschichte des „Ruhrkessels“ an.

Bei der Wertung von Walter Models Handeln folgten wir den Forschungsergebnissen des Militärhistorikers Manfred Messerschmidt, der von 1970 bis 1988 Leitender Historiker des Militärgeschichtlichen Forschungsamts in Freiburg war. Dieses Amt befindet sich heute in Potsdam.  In einem Artikel für DIE ZEIT hat Manfed Messerschmidt im Jahr 2005 seine Forschungsergebnisse über die letzte Kriegszeit im Ruhrgebiet zusammengefasst. Er beschreibt in diesem Artikel Walter Model als einen von der nationalsozialistischen Ideologie überzeugten Menschen, der noch im März 1945 Terrormaßnahmen duldete, um den Gehorsam der Soldaten zu erzwingen. Als Beleg zitierte Messerschmidt Walter Models Begründung für die schlechte militärische Lage der Wehrmacht:

 „Unter dem Druck der Kriegsereignisse zeigt sich, daß noch immer weite Kreise des deutschen Volkes und damit auch der Truppe vom jüdischen und demokratischen Gift der materialistischen Denkweise verseucht sind.“ Aber das Vorbild des Offiziers wirke Wunder. Er müsse noch den letzten Grenadier zum fanatischen Kämpfer für Deutschlands Zukunft formen und so den Endsieg sichern. „Der Sieg der nationalsozialistischen Idee steht außer Zweifel, die Entscheidung liegt in unserer Hand.“

Die Zeit, Nr. 14/2005

Im selben Jahr wie Messerschmidts ZEIT-Artikel erscheint im Siedler Verlag mit In Europa ein viel gerühmtes Sachbuch des Niederländers Geert Mak. Erst kürzlich habe ich es gelesen. Geert Mak schildert in ihm anhand der Stationen einer einjährigen Europareise die für den Kontinent bedeutsame Geschichte. Gespräche mit Zeitzeugen ermöglichen ihm dabei seine Perspektive sehr variabel zu verändern. Ihm gelingt es die Historie als erlebtes Geschehen einzufangen und gleichzeitig die klassische Geschichtsschreibung nicht aus dem Blick zu verlieren. In Europa ist tatsächlich ein sehr beeindruckendes Buch.

In diesem Buch bin ich nun erneut Walter Model begegnet. Auch Geert Mak portraitiert ihn, wenn auch in aller Kürze. Da Geert Mak in diesem Buch Hubertus Behr, den Adjudanten von Walter Model der letzten Kriegsmonate, in eigenen Worten, ein ganzes Kapitel lang, zu Wort kommen lässt, nehme ich an, seine Wertung fußt auf dessen Auskünften. Bei Wikipedia findet sich ein Eintrag zur Biografie von Hubertus Behr, der im hohen Alter auch in anderen Medien ein gefragter Zeitzeuge war.

Winfried Behr diente während der letzten Kriegsmonate unter Feldmarschall Walter Model, einem typischen deutschen Offizier, der das Credo „Soldaten haben sich von Politik fernzuhalten“ mit äußerster Konsequenz befolgt hatte. Am 21. April 1945 waren sie in einem Wald, die Amerikaner lagen in nächster Nähe. Model sagte: „Ich verlasse diesen Wald nicht mit erhobenen Händen, wo Tausende meiner Soldaten gefallen sind.“ Er schickte Behr unter dem Vorwand fort, er solle die Umgebung erkunden. „Als ich zurückkam, hatte er sich eine Kugel durch den Kopf gejagt. Am gleichen Tag bin ich zusammen mit einem Kameraden in Zivilkleidung entkommen.

Geert Mak: In Europa, Siedler Verlag 2005, S. 632

Zwei gegensätzliche Bilder von Walter Model werden 2005 in den Raum gestellt und verweisen auf die Uneindeutigkeit von historischer Wahrheit. Die Geschichtsschreibung mit dem Verweis auf Dokumente steht erst seitdem gegen das zuvor vor allem von persönlicher Erinnerung geprägte historische Bild von Walter Model.