Matthias Lixenfeld, Duisburg und die rheinische Karnevalskultur

Wenn es heute um Matthias Lixenfeld geht, dann lässt sich mit ihm auch einiges über Erinnerungskultur und Kanonbildung unserer Gesellschaft erzählen. Gab es im Ruhrstadt-Stadtteil Duisburg mit ihm doch im Karneval einen Liedtexter und Komponisten, der für mich in einer Reihe steht mit Größen des rheinischen Liedguts wie Jupp Schmitz oder Willi Ostermann. Wenn ich über sein Schaffen lese und sein heute hier vorgestelltes Lied über den Duisburger Stadtteil Hochfeld höre, sehe ich eine Traditionslinie musikalischen Schaffens, die in der Ruhrstadt keine Fortsetzung gefunden hat. Sollte es anders sein, bitte ich um Hinweise.

Dass ein Mann wie Matthias Lixenfeld kein Berufsmusiker werden konnte, wundert nicht. Dazu brauchte es die Professionalisierung seines Tätigkeitsfeldes, die selbst in der Karnevalshochburg Köln  zu seiner Zeit erst in den Anfängen vorhanden war. Diese Professionalisierung ist die eine Voraussetzung, um Kultur der Vergangenheit für die Gegenwart zu bewahren. Die andere ist das Interesse der städtischen Gesellschaft. Für das Selbstverständnis von Duisburg war dieser Teil städtischer Kultur, der rheinische Karneval, offensichtlich nicht bedeutsam genug, um seine Künstler im allgemeinen Gedächtnis zu behalten. Vielleicht hat sich inzwischen verändert, da mit der Gründung der Matthias-Lixenfeld-Gesellschaft versucht wurde, diese Traditionslinie Duisburger Vergangenheit in der Gegenwart fruchtbar zu machen und das Werk von Matthias Lixenfeld dem Vergessen zu entreißen. Unlängst etwa wurde der Komponist und Texter im Duisburger Lokalteil der Funke-Gruppe gewürdigt, als über eine Karnevalsfeier ganz im Zeichen des Lixenfeld-Werks berichtet wurde.

Auf einer Feier am 14. November 2010 anlässlich seines 111. Geburtstages wurden in Duisburg einige seiner Werke zur Aufführung gebracht. Matthias Lixenfeld schuf etwa das Lied der Duisburger, das seinerzeit konzertant zur Aufführung gebracht wurde.

Zudem war besagtes Lixenfeld-Lied über Hochfeld zu hören. Dieses Lied steht in der Tradition der Karnevalslieder seiner Zeit. Die Melodie ist einfach, der Text aber will nicht nur gefallen. In ihm paart sich das Wohlwollen für die Stadt mit einem ironischen Blick. Wenn die Ruhrstadt sich um Identität und Selbstbild, um städtisches Selbstbewusstsein kümmern will, sollte sie sich auch beim Stadtteilmusiker Matthias Lixenfeld umgucken. Denn solche Lieder wie das über Hochfeld schreibt nur, wer eine Stadt mag und ihr deshalb jederzeit auch etwas zumuten kann.

Den folgenden Text habe ich vom Youtube-Clip übernommen. Sollte es dagegen Einwände geben, bitte melden, dann wird er hier wieder gelöscht.

Örgeswo en Hochfeld steht jetz en Kamin.
Boh – wat eß da hoch, man kann öhm sehr witt siehn.
Awer wenn et donkel weed, ek frog wat dann?
Gonnt van selws drei Reihe rote Lämpkes ahn.
Seit da nu gebaut eß, weiht en andre Wend.
Kin Atömke Stoff ma mehr en Hochfeld fend.
Propper send die Strote, dä Hemmel blau on klor,
Wie hä an de Reviera niemols wor.

Jo, jo, en Hochfeld, do weiht en Löfke,
Jo, jo, en Hochfeld, do eß en Döfke,
Jo, jo, en Hochfeld, do hölt mer’t ut.
Wie make nächstens noch en Kurort drut!

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