Dortmund – Das Westfalenstadion

Wenn vom Westfalenstadion die Rede ist, weiß jeder halbwegs Fußballinteressierte, bei dem was kommt, handelt es sich um eine Geschichte aus vergangenen Zeiten. Die Fußballstadien trugen noch keine Namen der Sponsoren und die Verbindung des Profifußballs mit der Unterhaltungsindustrie war über erste Flirts noch nicht hinausgekommen.

Doch mit dem Westfalenstadion als einem der 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen erzählen wir den Fußball dieser Zeit bis Anfang der 1990er Jahre nur indirekt. Nicht der BVB steht im Zentrum der Geschichte sondern der Dortmunder Regisseur Adolf Winkelmann und sein Film  „Nordkurve“, der das Ruhrgebiet und eines seiner identitätstiftenden Themen in die Kinos Deutschlands brachte. Die Stadionatmosphäre jener Zeit wird durch diese privaten Filmaufnahmen gut eingefangen.

 

„Nordkurve“ gehört neben „Die Abfahrer“ und „Jede Menge Kohle“ zur sogenannten Ruhrpott-Trilogie von Adolf Winkelmann. Der Regisseur machte den Ensemblefilm mit seinen verwobenen Geschichten über Spieler, Fans, Funktionäre und Journalisten zur Milieustudie über den Fußball. Kurioserweise versicherten die Fußballinsider dem Regisseur, der Film träfe die Wirklichkeit genau, nur jener Teil, der die jeweils eigene Position im Fußballmilieu zeige, der stimme nicht.

Das Drehbuch zu „Nordkurve“ und die gleichnamige Kurzgeschichte als Vorlage hatte der Gelsenkirchener Autor Michael Klaus geschrieben. Das Westfalenstadion bot bessere Filmbilder als das Parkstadion, und so wurde für den Film aus der Gelsenkirchener Fußballwelt der Kurzgeschichte die Dortmunder Fußballwelt des fiktiven Vereins Union Dortmund.

Weil nicht oft genug auf das Werk von Michael Klaus hingewiesen werden kann, zitiere ich der Einfachheit halber mich selbst mit einem Textausschnitt, der vor zwei Jahren zuerst drüben im Zebrastreifenblog erschienen ist. Wer noch mehr über den Autor als Fan von Schalke 04 wissen möchte, klicke dorthin weiter.

Eine Rubrik auf den Literaturseiten von Die Zeit heißt “Wir raten zu”. Neulich hat Benedikt Erenz dort auf das “Lesebuch Michael Klaus” aufmerksam gemacht.. Erschienen ist es im Aisthesis Verlag, der auf seinen Seiten das Inhaltsverzeichnis und Auszüge der Besprechung online gestellt hat. Gesammelt sind hier anscheinend vor allem kurze Texte über den Pott-Alltag, aber auch Romanausschnitte und die Kurzgeschichte “Nordkurve” ist ebenfalls dabei.

 

Lesebuch Michael Klaus. Zusammengestellt und mit einem Nachwort von Walter Gödden. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-89528-945-3, 176 Seiten, kart. EUR 8,50.

Die Rote Ruhrarmee

Zwei der 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen – in Wetter und Bottrop – sind Schauplätze, um an die Rote Ruhrarmee zu erinnern. Die Rote Ruhrarmee entstand, nachdem Reichswehroffiziere mit Unterstützung von  Freikorpsverbänden im März 1920 gegen die Regierung der Weimarer Republik zu putschen versuchten. Als Kapp-Putsch wird das Geschehen heute in den Geschichtsbüchern vermerkt.

Dem Aufruf der Regierung zum Generalstreik folgte auch ein großer Teil der Bevölkerung im Ruhrgebiet, denn der Widerstand gegen den Putsch wurde von einem breiten Bündnis politischer Kräfte getragen. Als im Osten des Ruhrgebiets Freikorpsverbände in die Städte zogen, kam es am Bahnhof in Wetter zum Kampf zwischen einem dieser Verbände und einem paramilitärischen Zusammenschluss von Ruhrgebietsbewohnern. Die Rote Ruhrarmee entstand.

Ihre Verbände zogen gen Westen des Ruhrgebiets. Die politischen Forderungen ihrer Führer waren uneinheitlich. Eines war aber sicher, bald ging es um mehr als nur die Verteidigung der Republik, es ging um mehr Macht für die Arbeiter.

In der Zeit nach Niederschlagung des Putsches überlagern sich unterschiedliche Einflüsse auf die Entwicklung im Ruhrgebiet. Im Ergebnis hat sich die Rote Ruhrarmee nicht überall wieder aufgelöst. Sie wurde zum innenpolitischen Problem für die Reichsregierung, die es dann zuließ, dass Reichswehr und Freikorps, die zum Teil zuvor noch auf Seiten der Putschisten gestanden hatten, unter Verletzung des Versailler Friedensvertrages in das Ruhrgebiet einmarschierten, um gegen die Rote Ruhrarmee zu kämpfen. Einer der letzten Kämpfe fand im Bottroper Norden statt.

1979 brachte Heiner Herde die seinerzeit nahezu vergessene Geschichte der Roten Ruhrarmee in einer Dokumentation für den WDR in Erinnerung. Diese Dokumentation ist immer noch sehr sehenswert, zumal zwei Zeitzeugen sehr lebendig von ihren Erfahrungen während des Ruhrkampfs berichten.