Duisburg 1974 – Günter Routhier stirbt nach Sturz bei einem Polizeieinsatz

Drüben im Zebrastreifenblog verfolge ich zwei Reihen, bei denen ich Lieder jeglicher Machart zu Duisburg und zur Ruhrstadt sammel. Die heutige Folge in der Duisburg-Reihe passt wegen ihres zeitgeschichtlichen Inhalts auch gut in diese Räume hier.

Vor knapp einem Monat, am 29. Mai, ist der Liedermacher Walter Mossmann gestorben. Der gute, knapp gehaltene Wikipedia-Artikel zu seiner Person macht nicht nur mit ihm und seiner Kunst schnell bekannt. Schlaglichtartig erhellt leuchten zudem zentrale politische Themen der 1970er bis 1980er Jahre in der BRD auf, Zeithistorie wird angerissen. Das kommt nicht von Ungefähr. Walter Mossmann verstand sein Liedermachertum als politische Stellungnahme.

Oft stehen seine Lieder in der Tradition des Bänkelgesangs, indem er einzelne Ereignisse des Zeitgeschehens aufgreift und sie aus links-alternativer Perspektive berichtend in die Öffentlichkeit bringt und sie kritisiert. Auch einem Duisburger Geschehen der 1970er Jahre hat er ein Lied gewidmet. Vor dem Duisburger Arbeitsgericht klagte 1974 ein entlassener Arbeiter von Mannesmann auf Wiedereinstellung. Der Arbeiter war Mitglied der KPD/ML und den Prozess besuchten zur Unterstützung Genossen, unter ihnen Günter Routhier, der an der Bluter-Erkrankung litt. Als der Richter den Prozesssaal nach der Urteilsverkündung von der Polizei räumen ließ, stürzte Günter Routhier auf der Treppe. Etwa zwei Wochen später verstarb er an einer Gehirnblutung.

Die gerichtliche Aufarbeitung dieses Sturzes wirkte auch auf die bürgerliche Presse nicht so, als habe die Wahrheit des Geschehens herausgefunden werden sollen. Polizeigewalt schien vertuscht werden zu sollen. Sieben Jahre später erscheint anlässlich eines weiteren Prozesses zum Geschehen ein Artikel in der ZEIT, in dem der Vorfall selbst, die langen vergeblichen Versuche der Aufarbeitung und die bundesweiten Reaktionen darauf geschildert werden. Eine dieser Reaktionen war ein Lied, das Walter Mossmann zum Tod von Günter Routhier machte: „Die Ballade vom zufälligen Tod in Duisburg.“

Der Eintrag zu Günter Routhier bei Wikipedia findet sich mit einem Klick weiter. Eine Dokumentation der seinerzeit begleitenden Berichterstattung aus radikaler linker Perspektive findet sich im Mao Projekt, der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“, in der „Texte so genannter maoistischer Gruppen sowie anderer radikaler linker Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland und in West-Berlin“ gesammelt sind.

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