Oberhausen – Die historischen Kriminalromane von Peter Kersken

2015-07-28_kersken_bib_ten_3Ein Mini-Touri-Lesesaal auf Teneriffa ist kein schlechter Ort, um auf die Geschichte des Ruhrgebiets zu stoßen. Vor allem aber gibt mir dieser Zufall die Gelegenheit auf die historischen Kriminalromane von Peter Kersken hinzuweisen. Vielen Lesern in der Ruhrstadt werde ich damit nichts Neues erzählen, weil etwa der von mir vorgefundene Roman „Tod an der Ruhr“ bereits 2008 erschienen ist.

2015-07-28_kersken_bib_ten_2Ob mit „Tod an der Ruhr“, dessen Handlung 1862 spielt, ob mit „Im Schatten der Zeche“, das ins Jahr 1912 führt oder mit „Zechensterben“, in dem über das Jahr 1966 erzählt wird, allen Kriminalromanen ist die vielschichtige Schilderung der jeweiligen historischen Wirklichkeit in Sterkrade und Umgebung gemeinsam.  Diese Sterkrader Wirklichkeit steht exemplarisch für die Ruhrgebietswirklichkeit jener Zeit. Gleichzeitig erzählt Peter Kersken spannende Geschichten. Auf unterhaltsame Weise bringt er den Lesern die Vergangenheit nahe.

2015-07-28_kersken_bib_ten_1„Die Suche nach dem goldenen Tod“ unterscheidet sich von den anderen drei Romanen insofern, als die 1762 spielende Handlung aus dem Ruhrgebiet rausführt nach Berlin und trotz einer „Suche“ der Hauptfigur kein Kriminalfall im eigentlich Sinn geschildert wird. Auf seiner Seite im Netz hat Peter Kersken Stimmen der Kritik zu seinen Büchern zusammengestellt. Von der Geschichte des Ruhrgebiets lässt sich eben auch auf fiktionale Weise ein Bild gewinnen.

Freundschaftsbesprechungen mache ich übrigens grundsätzlich keine. Das nur für den Fall gesagt, wenn jemand darüber stolpert, dass die Bücher von Peter Kersken im selben Verlag erscheinen wie meine.

Über unsern Kohlenpott – Frank Baier singt ein Arbeiterlied als Heimatlied Ende der 1970er Jahre

Noch einmal bietet es sich an, einen Beitrag aus dem Zebrastreifenblog hier aufzugreifen. Drüben verfolge ich zwei Reihen, bei denen ich Lieder jeglicher Machart zu Duisburg und zur Ruhrstadt sammel. Eine neulich erschienene Folge in der Ruhrstadt-Reihe passt wegen ihres zeitgeschichtlichen Inhalts auch gut in diese Räume hier.

Gegen Ende der 1970er Jahre gibt der Liedermacher Frank Baier ein Konzert in Aachen. Glauben wir der Quellenangabe entstammt der Clip mit dem Lied „Über unsern Kohlenpott“ aus einem Dokumentarfilm von Florence Kraak und Klaus Helle. „Gegen Spekulanten“ habe ich als möglichen Titel gefunden. Allerdings spricht Frank Baier im Clip noch vom Anfang des Jahres 1979 und die Quelle gibt als Entstehenszeitraum 1976 bis 1978 an. So viel zur zeitlichen Einordnung.

Frank Baier – einmal mit einem Klick bei Wikipedia, einmal mit einem Klick zu seiner Seite – ist nicht nur schon seit jeher ein politischer Liedermacher, dessen Aufmerksamkeit deshalb auch dem historischen politischen Lied gilt, er versteht sich zudem als eine Art Historiograph des Ruhrgebietslieds. Zusammen mit Jochen Wiegandt hat er die Sammlung Glück auf! – Liederbuch Ruhr herausgegeben.

„Über unsern Kohlenpott“ ist eine schöne Liebeserklärung an die Region, in der verbesserbare Lebensverhältnisse der Arbeiter subtil zusammengebracht werden mit dem vordergründig beschriebenen Naturerlebnis Ruhrgebiet. Ende der 1970er Jahre war die Naturlandschaft Ruhrgebiet als öffentliches Bild noch eine sehr viel größere Sensation als heute. Für Frank Baier waren TV-Bilder dieser Naturlandschaft Anlass für das Lied. Frank Baier besingt die Landschaft und kontrastiert diese Freizeitlandschaft mit der „Maloche“. Es klingt ironisch, wenn alle, die so „schön schuften“, sich noch gratis Luft und Wasser warm machen. Schließlich geht es in der letzten Strophe um ein gar nicht mehr so schönes Leben als Malocher. So macht sich ein weiterer Sinnzusammenhang bemerkbar. Abhängigkeitsverhältnisse deuten sich an. Irgendjemand, der ungenannt bleibt, ist verantwortlich für die Lebenssituation der Malocher. Das ist anders als in den Texten der Gegenwart, in denen meist nur ein Zustand harten Lebens beschrieben wird. Nicht einmal indirekt gibt es noch Adressaten, denen Verantwortung für dieses Leben aufgebürdet wird.