Eine Kinderspieltradition zwischen den 1930er und 1950er Jahren

Kinder haben eigene Traditionen, die sie mündlich weitergeben. Über Generationen können auf diese Weise etwa Regeln für Spiele in leichten Varianten erhalten bleiben. Gummitwist war während der 1960er Jahre in meiner Kindheit noch ein lebendiges Spiel. Dagegen war ein Spiel wie „Ball an die Wand“, das nach festen Regeln gespielt wurde, in meinem Umfeld ausgestorben.

Meine Mutter erzählte, „Ball an die Wand“ war eines der Spiele, die sie als Kind immer auf der Straße gespielt habe. Das war Ende der 1930er Jahre in Duisburg-Meiderich. Etwa 15 Jahre später, 1953, fotografiert ein Vater seine Tochter und eine Freundin bei demselben Spiel in Essen. Immer noch muss der Ball in einer Abfolge unterschiedlicher Wurf- und Fangweisen an die Wand geworfen werden. Ein System, das jedem Kind, das erstmals mitmachen möchte, beigebracht wird. Die Regeln müssen eingehalten werden, damit das Spiel gelingt. Dass der Ball dabei nicht auf den Boden fallen darf, versteht sich von selbst.

Wie lange diese Spieltradition wohl an anderen Orten lebendig geblieben ist. Gibt es sie gar irgendwo noch?

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Viel Zeit vergeht nicht, bis die beiden Fotos unten von der Tochter und weiteren Freundinnen auf einem Spielplatz an der Essener Ruhrallee aufgenommen werden. Eine solche kostengünstige Rutsche ohne wirkliche Rutschfläche kenne ich auch noch. Meine hat am Hafenmund in Duisburg-Ruhrort gestanden. Gefallen haben mir solche Rutschen nie. Viel zu langsam rutschte man auf ihnen, und als ganz Kleiner war ich mir nie wirklich sicher, ob man  nicht doch irgendwie zwischen den Stangen durchfallen könnte.

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Die Turnstangen in drei unterschiedlichen Höhen waren ebenfalls eine Standardausrüstung auf Spielplätzen jener Zeit.

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