Stadioneröffnung in Homberg 1964

Historische Wahrheit braucht manchmal den Gang in die Archive, wo Akten gelagert werden und auf Papier geschrieben steht, was geschehen sein soll. Mit einem offiziellen Spielbericht der Regionalliga-Partie des Homberger SV 03 gegen Fortuna Düsseldorf ließe sich die Ungereimtheit auflösen, warum der bei youtube eingestellte Clip eine sommerliche Umgebung zeigt, während das bei Fussballdaten.de eingestellte Spielergebnis den 20. Dezember als Termin aufweist. Zumal dort eine 0:5-Heimniederlage verzeichnet ist und im Clip kein einziges Tor gezeigt wird. Wir hätten einen sicheren Beweis für meine Vermutung, für die ich jetzt nur eine Indizienkette aufzeige.

Denn ich glaube, das gezeigte Spiel ist gar nicht das gegen Fortuna Düsseldorf, sondern jenes zur Stadion-Premiere gegen Eintracht Duisburg, was den großen Zuschauerzuspruch, die sommerliche Atmosphäre und das torlose Spiel erklären würde.

Im Einführungsjahr der Bundesliga 1963 war ein Zweitliga-Unterbau mit fünf Regionalligen geschaffen worden. Der Homberger SV war 1964 Niederrheinmeister geworden und den Aufstieg in die Regionalliga West geschafft. In der Festschrift des aus der Fusion mit der Sportvereinigung Hochheide entstandenen Nachfolgevereins VfB Homberg ist zu lesen, wie schwierig die Bedingungen für die Ligalizenz zu erfüllen waren. Es gab kein geeignetes Stadion.

Daher mußte in Rekordzeit ein taugliches Spielfeld aus dem Boden gestampft werden, als Baugrundstück fand man die Wiesen am Rheindeich, auf denen heute das PCC- Stadion steht. Überwiegend von Vereinsmitgliedern wurden verwaltungstechnische Dinge wie Grundstücksfragen, Vermessungen, Bauleitungen geklärt oder erledigt, teilweise von Laien. Fritz Jansen stellte sich damals als Projektleiter zur Verfügung, dank der Zusagen von Gönnern und Firmen – die Zeche Rheinpreußen beispielsweise signalisierte eine großzügige Unterstützung – konnte der Rasenplatz angelegt werden. Der betriebene Aufwand war enorm, 60.000 m² Mutterboden wurden beiseite geschoben, 745.000 t Berge abgetragen und 9.200 m² Mutterboden für die Spielfläche einplaniert, auf der später der Rasen eingesät wurde. Vorher war noch die Verlegung von 2.100 m Drainage- und Wasserrohren erforderlich. Mit leichter Verzögerung wurde die Herkulesaufgabe gestemmt, die ersten Spiele mußten in Meerbeck stattfinden. Die Premiere am gegen Eintracht Duisburg (0:0) wurde für Zuschauer trotz diverser Schwierigkeiten (keine Umziehmöglichkeiten, Wasserschutzgebiet, nicht ausgebaute Stehränge) zum Festtag für den Homberger Fußballsport.

Festschrift zum 125 jährigen Jubiläum des VfB Homberg, 2014

Die Homberger stiegen in derselben Saison wieder ab. Durch die zunächst ungeklärte Stadionfrage war die Lizenz spät erteilt worden. Entsprechend spät konnten Spieler verpflichtet werden. Im folgenden also der Clip mit den Bildern, die einen guten Eindruck von dem besonderen Tag für Homberg geben. 1964 gehörte Homberg noch nicht zu Duisburg und war selbstständige Stadt.

 

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