Der Torschrei – Ein Denkmal für den unbekannten Fußballzuschauer?

Längst wissen wir ja aus den interessierten gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen, dass Fakten zu einem Geschehen allenfalls neben den dazu vorhandenen Gerüchten und Lügen weitergegeben werden. Sie können Gerüchte und Lügen nicht eindämmen. Sind Gerüchte und Lügen einmal in der Welt, bleiben sie in der Welt und werden weitergegeben. Die Psychologie weiß dann auch etwas dazu zu sagen.

Das sage ich nur, weil ich heute von einem der Gerüchte erzählen will und ich weiß, dass ich damit einem erkalteten Gerücht, einer Art Mythos, womöglich wieder Lebendigkeit einhauche. Diese Harmlosigkeit erlaube ich mir, selbst wenn viele irrlichternde Stimmen zu Corona zurzeit im Netz den irrationalen Voraussetzungen beim Entstehen einer öffentlichen Meinung und dem sich daraus ergebenden persönlichen Verhalten einen sehr ernsten Hintergrund geben. Das ist eine Geschichte für sich.

Mir geht es heute um die Zuschauer im Fußball und deren Bedeutung für den Sport. Der professionelle Fußball der Gegenwart als Warenangebot für den TV-Zuschauer verwandelt sich in seinem Wesen ohne Stadionbesucher. Nicht von jetzt auf gleich, aber mit der Zeit würde dieser Fußball als reines Konsumangebot für das Fernsehen ein anderer Sport. Die vorhandene Zuschauerkulisse wirkt auf verschiedenen Ebenen. Sie nimmt Einfluss auf das Spiel selbst. Aber das Spiel orientiert sich in Teilen ja auch an den Reaktionen der Zuschauer. Wenn diese Wirkmechanismen fehlen, wird es eben anders.

Wie charmant wäre es angesichts der momentanen Debatte um die Geisterspiele, gäbe es ein „Denkmal des unbekannten Fußballzuschauers“. Seit Ende der 1950er Jahre herrschte für lange Zeit in Herne die Ansicht, die Stadt besäße ein einzigartiges Denkmal in Deutschland. Ein Mythos entstand, der wahrscheinlich mit Zeitungsmeldungen wie dieser seinen Anfang nahm.

Die Entstehungsgeschichte dieser Skulptur wird auf der sehr schönen Seite zur Lokalgeschichte von Herne von damals bis heute minutiös erzählt. Die Bildhauerin Elisabeth Hoffmann schuf die Plastik für eine neu errichtete Schule. Gedeutet wird die Skulptur in dieser Werkgeschichte als Ball spielende Jungen, die sich über ein Tor freuen.

Diese lokale Werkgeschichte macht nicht nur Lebensbedingungen von wenig bekannten Künstlern in den 1950er Jahren erfahrbar. Sie ist auch eine Medien- und Sozialgeschichte an der Basis, eine Geschichte zur Konstruktion von Wirklichkeit.

Im Clip unten ist die Skulptur zu Beginn zu sehen. Außerdem erzählt der Herner Stadtarchivar Jürgen Hagen die Geschichte allen, die dem Link zu Lektüre oben nicht folgen wollen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s