Ein Jubiläumsgeschenk für 25 Jahre Pütt 1939

Die 1986 verstorbene Anna Mertens wohnte bis zu ihrem Tod in Duisburg-Meiderich in jener Wohnung, die sie vermutlich in den 1950er Jahren bezogen hatte. In dieser Wohnung gab es das Schlafzimmer und die Küche mit Sofa sowie zwei Stühlen an einem Tisch. Der diente zur Küchenarbeit und zu allem anderen. Die BILD-Zeitung, die WAZ und die Glück aus der Lottoannehmestelle wurden dort gelesen. Dort wurden Einkaufslisten geschrieben. Mit den Kindern des Besuchs spielte man Karten. Gegessen wurde auch an dem Tisch. Das Spülbecken in der Küche war die Waschgelegenheit. Daneben stand der Fernseher. Ein Bad gab es nicht. Im Schlafzimmer wurde sich nur an- und ausgezogen sowie geschlafen. Eine Toilette ohne Heizmöglichkeit befand sich auf halber Treppe im Hausflur. Wenn sie baden wollte, besuchte sie ihren Bruder, der in einem Einzimmerappartement auf der Stolzestraße wohnte. Auch das waren Lebensverhältnisse in den 1980er Jahren für eine Frau, die im Alter von 82 Jahren starb.

Anna Mertens‘ Ehemann Hermann muss um 1960 gestorben sein. An ihn erinnerte ein Portraitfoto an der Wand und ein gerahmtes Bild, das ihm zu seinem 25-jährigen Berufsjubiläum geschenkt worden war. Fast alles, was ich über ihn weiß, steht auf diesem Bild anlässlich seines Jubiläums. Anscheinend hatte er eine Lehre als Elektriker bei AEG gemacht. Nach der Lehre begann er auf dem Kampschacht der Zeche Westende zu arbeiten. Er war Soldat im Ersten Weltkrieg. Die Schenkenden hielten ihn für mutig. Er ging mit seiner Frau ins Kino. Er hatte einmal unter Tage Gas entdeckt. Was das in seiner Zeit bedeutete, müssten mir Bergbau-Fachleute erzählen.

Ebenso müssten sie mir deuten, wer dieses Geschenk überreichte. Ich sehe keinen Hinweis darauf, dass es sich um ein offizielles Geschenk des Bergwerkunternehmens handelt. Andererseits klingt die Anrede aber danach: „Unserem lieben Mitarbeiter“? Oder war „Mitarbeiter“ damals das heute übliche „Kollege“? Auch Sprachhistoriker könnten also das Rätsel lösen.

Begonnen hat die Geschichte der Zeche Westende in Meiderich. Auf der Seite Ruhrgebietszechen findet sich die Historie der Zeche ausführlich beschrieben. Fotos des Geländes aus der jüngsten Vergangenheit ergänzen den Text. Schacht I/II befanden sich gegenüber der Fläche des Vereinsgeländes vom MSV Duisburg. Deshalb heißt die Straße dort Westender Straße.

Die Einfahrt zum ehemaligen Kampschacht befindet sich viel weiter nordwestlich, an der Verbindungsstraße zwischen Meiderich-Berg und Laar. Auch auf Fördergerüste.de ist der Zeche Westende ein Unterkapitel samt historischen Fotos gewidmet.

So ein Jubiläumsgeschenk ist im Erzählen der Allgemeingeschichte verschwunden. Es rückt aber die Menschen in den Vordergrund, die auf der Zeche gearbeitet haben. Ich wäre deshalb dankbar für detaillierte Deutungen des Jubiläumsgeschenks in den Kommentaren.

Ein Kommentar zu “Ein Jubiläumsgeschenk für 25 Jahre Pütt 1939

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