Fundstück – Werbeanzeige 1951 Orlob – Herrenbekleidung

Ein weiteres Fundstück fiel mir bei der Arbeit am „Irrtümer und Wahrheiten“-Buch über den MSV für den Klartext-Verlag in die Hände. Anlässlich des Aufstiegs vom Meidericher SV in die Oberliga West hat die Neue Ruhr Zeitung am 5. Mai 1951 vier Sonderseiten veröffentlicht. Ich möchte sagen, ein gutes Geschäft, weil die Anzeigenabteilung sehr erfolgreich war. Der redaktionelle Inhalt zieht gegenüber den Anzeigen klar den kürzeren. Was uns heute dankenswerter Weise einen tiefen Einblick in die Alltagsgeschichte Duisburgs gibt, weil sich aus den sich präsentierenden Unternehmen doch Rückschlüsse auf wirtschaftliche, soziale und kulturelle Gegebenheiten im Norden Duisburgs ziehen lassen.

Mein Augenmerk gilt heute der Anzeige von Orlob. Wie es in der Anzeige heißt: „Das führende Fachgeschäft für Herren- und Knabenbekleidung“. Es gab zwei Filialen, die eine befand sich in Oberhausen im Zentrum, auf der Marktstraße. Die andere in Duisburg-Ruhrort auf der Fabrikstraße.

Mein Orlob war das von Ruhrort. Für mich befand es sich am Friedrichsplatz, weil das Ende der Fabrikstraße in meiner Wahrnehmung als Kind mit ihm verschmolz. Ich habe den kleinen Mantel noch vor Augen, den ich mit etwa 5 Jahren in dem Geschäft erhielt. Genaue Erinnerungen an das Innere des Geschäfts habe ich nicht. Wenn ich daran denke, war es dunkler als draußen. Einen Teppich von gräulicher Farbe sehe ich vor mir.

Alles verschwimmt und Orlob ist nur noch das Gefühl für die Sonntagskleidung, die es in den 1960er noch gab. Bei Orlob wurde für mich nichts gekauft, was ich im Kindergarten anzog. Dort wurden besagter Mantel gekauft, aber auch eine Stoffhose un ein Pepita-Hut, in der Form, wie er vor etwa 10 Jahren bei jungen Männern Mode war. Für einen Jungen galt auch damals, wenn er „für gut“ eingekleidet wurde, war die Männermode in etwas niedlicher – die Hutform – das Vorbild.

Werbesprache ist zeitgebunden, so lässt der Anzeigentext heute schmunzeln. Orlob stellte sich in der fremd wirkenden Überschrift zum Ladennamen als „Ihr Kleiderberater“ vor. Und so ein Kleiderberater berät nicht nur, sondern garantiert auch durch seine „Kleiderberaterart“ die tadellose Verarbeitung bei den „ein- und zweireihigen Anzügen“. Mutig verspricht der „Kleiderberater“ nach dem Orlob-Besuch Erfolg, Glück und Liebe. Die letzte Zeile weist dann darauf hin, für diese Versprechen ist leider dann doch auch Geld nötig. Offensichtlich war das damals für die bessere Kleidung nicht in jedem Haushalt vorhanden. Verbraucherkredite waren üblich. Die Kundenkredit G.m.b.H. war auf solche Kredite spezialisiert. Die Kredite für die kleinen Leute mit den entsprechend hohen Zinsen. So kleine Leute bedeuten eben oft ein höheres Risiko.

Wann Orlobs Ladenlokale schlossen, weiß ich nicht. Ich bin sicher, ihr wisst es. Wenn ihr Lust habt, erzählt eure Orlob-Geschichten in den Kommentaren.

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