Stefanie Kuhne † 10. Dezember 2021

Foto: Michael Kolle

* 24. Februar 1975
† 10. Dezember 2021

In den Jahren, als sich Nordrhein-Westfalen flächendeckend in ein Großindustriekonglomerat der Medienbranche verwandeln wollte, lernte ich Stefanie Kuhne auf dem Medienforum, dem jährlich stattfindenden Medienkongress des Landes in Köln kennen. Für NRW klappte das mit der Hollywood-Konkurrenz dann zwar nicht so, doch waren die medienpolitischen Anstrengungen der Landesregierung nicht vergeblich gewesen. Denn der Medienkongress als Branchentreff, auch um Perspektiven zu entwickeln, funktionierte. Aus meiner ersten Begegnung mit Stefanie Kuhne erwuchs wenig später eine erfolgreiche Zusammenarbeit und Freundschaft.

Stefanie Kuhne arbeitete damals für die Staatskanzlei, ich während der Tage des Medienforums für das Landespresseamt. Wir ließen den Tag in einer größeren Runde auf einer Party ausklingen. Obwohl es am nächsten Tag früh weiterging, blieben wir alle lange. Sie war in Essen-Kettwig aufgewachsen, ich in Duisburg. Wir Exil-Ruhris erkannten uns schnell. Nach dem erschöpfenden Arbeitstag genossen wir die leichte, fröhliche und entspannte Stimmung. Das wiederholten wir mehrmals noch einige Jahre auf diesem Medienkongress.

Wenn ich in der Folgezeit wusste, Stefanie Kuhne wäre bei einem meiner beruflichen Termine auch anwesend, so war mir die Aufgabe gleich sympathischer. Es muss 2007 gewesen sein, als sie mich anrief. Inzwischen arbeitete sie als freie Lektorin und Autorin. Ihr war ein Buchprojekt angeboten worden, das sie nicht alleine machen wollte. Mit diesem Anruf begann unsere langjährige Zusammenarbeit.

Das Projekt folgte den Moden des Buchmarktes damals. Allerlei Wissen über ein Thema sollte als buntes Sammelsurium veröffentlicht werden. Für uns hieß das, Zahlen, Fakten und Daten über München und Berlin zu sichten und unterhaltsam zusammenzustellen. Ein Mitnahmeartikel für das Moderne Antiquariat sollte entstehen. Ein Schnellschuss, der eigentlich nur begrenzte Arbeit hätte erlaubt, wenn wir das Buy-Out-Honorar im Blick behielten. Doch ich merkte schnell, wir konnten beide nicht anders als mit unseren sonstigen Ansprüchen zu arbeiten. Im Grunde warfen wir Perlen vor die Säue. So freute ich mich, als ich vier Jahre später die Gelegenheit bekam, umgekehrt Stefanie Kuhne nach ihrer Möglichkeit und Bereitschaft für ein Buch in einem anderen Verlag zu fragen. Bei der 111-Orte-Reihe im Emons-Verlag waren wir mit der Qualität unserer Arbeit an der richtigen Stelle – wie etwa bei unserem Buch, das diesen Blog begründete: 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen.

Ich arbeitete gerne mit jemandem zusammen, aber lange Jahre hatte ich niemanden gefunden, dem ich so vertrauen konnte wie mir selbst. Stefanie Kuhne war dieser Mensch. Für mich gestaltet sich so eine Zusammenarbeit ähnlich wie eine Paarbeziehung. Im Handeln zeigt sich die Persönlichkeit, und fortwährendes Sprechen schafft die Verbindung. Stefanie Kuhne hörte zu und versuchte zu verstehen. Dabei war sie zielorientiert und blieb wertschätzend, auch wenn sie anderer Meinung war.

Sie arbeitete gewissenhaft, sehr präzise und vertraute nie schon der ersten Quelle. Sie brachte die wichtigste Eigenschaft jeden freien Textarbeiters mit. Sie hielt Termine genau ein. Wir ergänzten uns bei den Buchprojekten mit unseren jeweiligen Interessen und Herangehensweisen. Oft war sie der Motor, der mit dem Blick auf den Abgabetermin, schon mal etwas auf Halde schrieb. Währenddessen bastelte ich weiter an der Vielfalt unserer Zusammenstellung. Sie hatte ein Gespür für die nötigen leichten Themen. Sie wusste bei den anspruchsvollen Themen, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen.

Diese beruflichen Fähigkeiten wurden ihr neben vielen anderen durch ihre Erkrankung nach und nach genommen. Meine erste Trauer hatte ich zu bewältigen, als deutlich war, dass wir kein Buch mehr gemeinsam auf den Markt bringen würden. Doch Leben heißt jederzeit so zu leben, wie es die eigenen Fähigkeiten im Moment zulassen. Leben heißt, ein Schicksal annehmen. Stefanie Kuhne hat in der abnehmenden Vielfalt von Möglichkeiten ihr Leben weiter jeden Moment selbst gestaltet. Sie wollte am Leben teilhaben, so wie sie es konnte. Das ist ihr bis zuletzt gelungen. Ich bin froh und dankbar für die Zeit, die Gespräche, den Spaß und die Zusammenarbeit mit Stefanie Kuhne. Am Freitag, den 10. Dezember, ist Stefanie Kuhne im Alter von 46 Jahren gestorben.

Ein Kommentar zu “Stefanie Kuhne † 10. Dezember 2021

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