Ein Bergmannschor aus Lünen singt mit Rainald Grebe

Rainald Grebe ist Musiker, Autor, ein Bühnenkünstler, der deutsche Wirklichkeit genau beobachtet und sie mit oft satirischen Texten seiner Lieder beschreibt. Neben dieser Komik schimmerte schon immer auch eine liebevolle Verbundenheit zu manchen der von ihm kritisch besungenen Welten abseits der hippen Großstadtkultur durch.
Für seine demnächst erscheinende CD Popmusik führte dieser Sinn für Geschichte und Tradition zur Begegnung mit ehemaligen Bergmännern, die den Knappenchor MGV Harmonie Lünen am Leben halten. Schon bei einem Bühnenstück in Dortmund hatte er mit ihnen zusammengearbeitet. Nun haben sie für das im englischen Original von Bette Midler gesungene Lied „Die Rose“ Strophen eingesungen.
Jörg Maas hat für den WDR über diese Zusammenarbeit zwischen Chor, Rainald Grebe und dem Produzenten Martin Bechler eine kurze Dokumentation gedreht. Nicht oft lässt sich so konkret wie bei der Liedaufnahme erleben, wie Vergangenheit in die Gegenwart hinein wirkt und zu etwas Neuem wird. Das gilt für die Sänger, die bei der Aufnahme von alten Tugenden ihres Bergmann-Berufs getragen wurden. Das gilt für das Lied selbst, das 1979 entstand und in dieser Interpretation die Gestalt eines Volkslieds annimmt. Das gilt für den Ort der Aufnahme in Lünen zu Corona-Zeiten, wo die Aufnahmetechnik zwischen den Erinnerungsstücken des Bergbaus aufgestellt war. Das gilt natürlich für die Zusammenarbeit selbst zwischen Rainald Grebe und dem Chor. Welch seltener Blick auf ein besonderes Geschehen in der Kulturwelt Deutschlands. Berührend, großartig.

Der letzte Teil der Dokumentation wurde zum Clip für das Lied. Wer das Lied also nur alleine, ohne die Entstehungsgeschichte hören will, bitte schön!

Widerstand im Nationalsozialismus – Die Hamborner Brotfabrik Germania

Im Duisburger Hafenstadtteil Ruhrort gibt es im Frühjahr mit der HofKultur normalerweise eine Veranstaltungsreihe, bei der Kulturschaffende zu jährlich wechselnden gesellschaftspolitischen Themen ein Programm gestalten. Meist wird eine besondere Mischform von Konzert und Lesung dargeboten. In diesem Jahr war das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren der Anlass zu Gedenken und Erinnerung. Corona machte die Live-Auftritte unmöglich. So möchte ich heute und in einer weiteren Folge zumindest auf zwei der Programme hinweisen, die online verfügbar sind.

Das erste Programm war als Gedenken an Duisburger geplant, die in den ersten Jahren des Nationalsozialismus gegen die Diktatur Widerstand geleistet hatten. Das organisatorische Zentrum dieses Widerstands befand sich in der Hamborner Brotfabrik Germania.

Auch ich hatte mich für unser Buch 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen mit der Geschichte dieser Menschen beschäftigt. Umso erfreuter war ich, als ein paar Wochen nach der geplanten Veranstaltung statt des Live-Geschehens das Programm per Video erlebbar wurde.

Nicht nur an die unterschiedlichen Schicksale jener Duisburger im Widerstand erinnert das Programm. Gedanken und Handeln von Menschen werden bei drohender Gewalt werden erfahrbar. Politische Lieder sind zu hören. Sie waren oft ein Versuch, Mut zu geben in Zeiten der Verfolgung.

Bühne frei für

Folkert Küpers – Sprecher und Kurator
Barbara Wedekind – Sprecherin
Cello Eike von Schmeling – Gesang, Flöte
Detlef von Schmeling – Gesang, Gitarre
Clemens Graefen – Gesang, Gitarre, Bass

Wer sich das Video auf Youtube anschaut, findet in den Infomationen eine Setlist der Beiträge mit Minuten-Angabe.

Im Wikipedia findet sich ein Artikel zur Brotfabrik Germania. 

Ein kurzer Eintrag zum Sozialdemokraten Helmut Runge findet sich auf der Seite Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

Als Schild Bochum 1938 das Fußballspiel nach der Meisterschaft verboten wurde

Die Castroper Straße 10 in Bochum gibt es nur noch als Teil der Doppelbebauung zweier Grundstücke. Ein Zweckbau ist hier errichtet worden, wo einst zwei Häuser standen. In einem von ihnen, auf besagtem Grundstück Nummer 10 befand sich das Vereinsheim von Schild Bochum, dem letzten Deutschen Meister vom jüdischen Sportverband Schild. Noch 1938 fand in diesem Haus ein Festakt statt, nachdem die Bochumer Mannschaft am 26. Juni das Endspiel gegen den Titelverteidiger Schild Stuttgart mit 4:1 gewann. Dieser Sieg hatte für die verbliebenen Mitglieder der Bochumer jüdischen Gemeinde einen hohen Stellenwert. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde war anwesend, der Rabbiner, sowie mehrere Schild-Sportfunktionäre.

Schild Bochum war als Hakoah Bochum 1925 von Erich Gottschalk und Freunden gegründet worden. Die Familien der Gründungsmitglieder stammten aus dem Bürgertum. Erich Gottschalk besaß ein Handelsunternehmen. Ein Jahr nach der Gründung waren etwa 300 der 1000 Bochumer Juden Mitglied in dem Sportverein. Sie waren nicht nur Fußballer. Es wurde Leichtathlektik betrieben. Fechten war ein Sport im Verein, Boxen und Tischtennis.

Das war jenes Jahr, als der jüdische Verein Hakoah Essen die Aufnahme in den Westdeutschen Spielverband (WSV) beantragte. Der Vorsitzende des WSV, Constans Jersch, damals Präsident des TuS Bochum und bis in die 1950er Jahre Funktionär beim VfL Bochum, lehnte diesen Antrag wegen „Überfüllung der Spielklassen“ ab. Im antisemitischen Klima jener Zeit wirkte die Entscheidung auf die jüdischen Sportler als Ausgrenzung und Aufforderung, sich selbst zu organisieren. In der Folge wurde der „Verband jüdisch neutraler Turn- und Sportvereine Westdeutschlands“, VINTUS, gegründet, der eine eigene Fußballliga organisierte, eingeteilt in den Ruhr- und Rheinkreis. Diese VINTUS-Liga muss man sich zunächst als gehobene Freizeitliga vorstellen, in der Hakoah Bochum dreimal Meister wurde.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 schlossen viele DFB-Vereine ihre jüdischen Mitglieder im vorauseilenden Gehorsam aus. Wenn die ausgegrenzten Fußballer weiter ihren Sport betreiben wollten, blieben ihnen die jüdischen Sportvereine. Entsprechend stieg deren Mitgliederzahl. Nicht nur der Spielbetrieb wurde deshalb ausgeweitet, auch das sportliche Niveau der Mannschaften verbesserte sich durch die neuen Mitglieder.

Die jüdischen Sportler hatten zunächst die Wahl zwischen dem zionistisch geprägten Makkabi-Verband und dem Schild-Verband, in dem sich schon zuvor Juden organisiert hatten, die sowohl ihren jüdischen Glauben als auch ihre innere Verbindung zu Deutschland zum Ausdruck bringen wollten. Erst später zwangen die Nationalsozialisten beide Verbände zu kooperieren. Hakoah Bochum schloss sich dem Schild-Verband an, nannte sich um und setzte als Schild Bochum seine Erfolgserie fort. Von 1933 bis 1938 erreichte der Verein vier von fünf Finalspielen und gewann dreimal den Titel in der VINTUS-Liga.

Ab 1936, die Nürnberger Gesetze entrechteten im Jahr zuvor die jüdische Bevölkerung, wurde dem Verein in Bochum der Sportbetrieb nicht mehr ermöglicht. Die Mitbenutzung der Platzanlage von Preußen 07 war aufgekündigt worden, und Schild musste fortan nach Gelsenkirchen-Ückendorf ausweichen, wo der dortige jüdische Verein einen eigenen Sportplatz besaß.

Der Schild-Verband verantwortete das Ausspielen der Deutschen Meisterschaft. Das letzte Endspiel dieser Meisterschaft fand 1938 statt. Schild Bochum stand zum erstenmal im Endspiel um die „Schild“-Meisterschaft und gewann gegen den Titelverteidiger und zweimaligen „Schild“-Meister aus Stuttgart. Die Zeitung der „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ berichtete vier Tage nach dem Finale von einem kampfbetonten und schnellen Spiel vor 400 Zuschauern.  Die Mannschaft gewann trotz verletzungsbedingtem Ausfall des Außenstürmers in der 10. Minute.

Vier Monate nach dem Titelgewinn endete mit den Pogromen des 9. November 1938 die Vereinsgeschichte. Die Spieler wurden verfolgt, in Konzentrationslager verschleppt und nur wenige konnten flüchten. Erich Gottschalk überlebte in Ausschwitz durch Zufall. Seine Ehefrau, die Tochter und die Eltern von Erich Gottschalk wurden in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten ermordet.

Der Text greift das Kapitel „Das Vereinsheim von Schild Bochum“ auf aus meinem mit Frank Baade geschriebenen Buch „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“. Der Sporthistoriker Henry Wahlig hat die Geschichte des jüdischen Sports im Allgemeinen und die des Bochumer Vereins im Besonderen intensiv erforscht.

Von schwieriger Geschichtsschreibung bei der Ausstellung 100 Jahre Ruhrgebiet

Manchmal zeugen Zufallsbegegnungen von der Bedeutung des Fußballs im Ruhrgebiet. Das war neulich bei der Ausstellung „100 Jahre Ruhrgebiet – Die andere Metropole“ im Ruhrmuseum auf Zeche Zollverein weniger die Ausstellung selbst als die Spuren von Besuchern des Museums. In der überschaubaren Ausstellung wird das Ruhrgebiet in sieben Segmenten vorgestellt, eines davon nennt sich „Sport- und Veranstaltungsmetropole“. Lassen wir mal die Metropole als wieder einmal viel zu großes Wort für die Gegebenheiten des Ruhrgebiets beiseite.

Oder besser noch, nehmen wir das Wort doch ernst und wenden es an auf den kleinen Nebenraum der Ausstellung mit seinen wenigen Plakaten, von denen zumindest die Rockpalast-Reihe der 80er von kultureller Größe zeugt. Aber der Sport? In einem der Metropolen-Tempel der Konzerte und des Sports, der Gruga-Halle, fand im Januar 1964 ein überraschendes Metropolen-Ereignis statt. Das Teilnehmerfeld mit hochkarätigen Vereinen der Metropole muss die Fußballfans in aller Welt begeistert haben. Oder etwa nicht?

Als ich die einordnende Texttafel zum Stadionbau in diesem Ausstellungssegment las, hatte ich verzweifelte RWE-Fans wohl gerade verpasst. Es war Hand angelegt worden an die Kürzest-Geschichtsschreibung der Ausstellung. Die RWE-Geschichte der 60er fehlte RWE-Fans jedenfalls dort. So wichtig ist der Fußball, und so bedeutsam ist wahrhaftige und argumentativ stimmige Geschichtsschreibung.

Ich kann die Enttäuschung dieser Fans nämlich verstehen. Wenn Bochum dort steht, obwohl der VfL erst 1971 in die Bundesliga aufstieg, kann RWE zurecht auf Gleichberechtigung pochen. Zwar war das in den 1960ern  vorhandene Georg-Melches-Stadion erst wenige Jahre zuvor gebaut worden, doch RWE gehörte bereits in den 1960er Jahren zweimal der Bundesliga an und der Verein profitierte  damals von einem der modernsten Stadien seiner Zeit.

Geschichtsschreibung ist schwierig. Der Anfang des Textes passt wegen der sehr viel späteren Bundesligazugehörigkeit des VfL argumentativ nicht zum Ende, selbst wenn das Stadion dort schon in den 1920er entstanden ist.

Insofern ist es verständlich, wenn RWE-Fans das Augenmerk weniger auf die Begründung für Erfolg legen als auf den Erfolg selbst. Denn Rot-Weiss Essen gehörte schon in den 1960ern der Bundesliga an.

Insgesamt hat mich die Ausstellung übrigens etwas enttäuscht, weil die Ausstellungsinhalte sich zu gut der Hälfte nicht von der Dauerausstellung unterschieden. Dieser Sportbereich findet sich in der Dauerausstellung ebenso in ähnlicher Form wie der andere Kulturbereich. Ich hätte eine engere thematische Bindung an den Regionalverband Ruhr und die Gemeinschaftsbemühungen besser gefunden. Schließlich ist das RVR-Jubiläum Anlass der Ausstellung. Andererseits erhalten Erinnerungen an eigene Lebensgeschichte Futter. Was natürlich auch einen Wert hat.

Zwar ging die Welt davon nicht unter – Premiere am 15.11.

Im Februar und März dieses Jahres habe ich mich mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs intensiv beschäftigt. Ich arbeitete an einem Lese- und Hörstück für eine Gedenkveranstaltung zum 8. Mai 1945, jenem Tag vor 75 Jahren, als mit der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde der Zweite Weltkrieg in Deutschland beendet war.

Ich las vom Nazi-Terror in den letzten Kriegstagen, der die Deutschen zum Weiterkämpfen zwingen sollte. Ich las von Deutschen, die sich sinnlosen Befehlen widersetzten. In manchen Gemeinden waren es Gruppen von Frauen, die von den lokalen Nazi-Führern das Niederlegen der Waffen verlangten. Der kaum bewaffnete Volkssturm sollte ja in vielen Gemeinden die Alliierten aufhalten. In anderen Orten waren es einzelne Personen, meist Männer, die versuchten, den Kampf unmöglich zu machen. Ich las von den Zufällen, die darüber entschieden, ob dieser Einsatz für einen Waffenstillstand zur sofortigen Exekution führte. Denn den Tod riskierten alle, die sich den Alliierten ergeben wollten. Manchmal gab es nicht einmal ein Standgerichtsverfahren, aber manchmal resignierte ein lokaler Nazi-Führer unerwartet und gab die Diktatur im Lokalen auf. Nichts war vorhersehbar.

Ich befragte aber auch Duisburger zu ihren Erinnerungen an die letzten Kriegstage. Ich hörte vom Kinderleben in einem zerstörten Duisburg. Ich hörte von alltäglicher Todesgefahr und dem Aufwachsen im Nebeneinander vom Spiel auf den Straßen, wo der Blick ein Tag zuvor noch auf Leichen gefallen war.

Ich wollte solche erzählte Geschichte und Historikerstimmen zum Kriegsende zusammenbringen. Allerdings dachte ich auch, für ein bedeutsames Gedenken an das Kriegsende in diesen Tagen reicht es nicht an Gewalt und Folgen des Nationalsozialism zu erinnern. Es reicht nicht, daran zu erinnern, dass die Nationalsozialisten lange Zeit auf eine breite Zustimmung unter der deutschen Bevölkerung zählen konnten. Es reicht nicht daran zu erinnern, dass für das durch den Krieg erlittene Leid bei demokratischen Wahlen die Grundlage gelegt wurde. Ich wollte meinen Blick auch auf die Zeit vor 1933 werfen, in der die NSDAP für viele Deutsche zur Partei ihrer Wahl wurde. Ich wollte zeigen, was die Erfahrungen der Jahre zwischen 1929 und 1933 mit unserer Gegenwart zu tun hat, in der Rechtsextreme und national-autoritär gesinnte Politiker selbstbewusst in der Öffentlichkeit auftreten und Gehör finden.

Dann kam Corona, und die Veranstaltung musste abgesagt werden. Sie wurde auf ein unbestimmtes Datum verlegt in den Herbst. Ich unterbrach meine Arbeit, weil ein Buch mit einem anderen Thema eher fertig sein musste als das Manuskript für die Veranstaltung. Vor etwa sechs Wochen habe ich die Arbeit am Manuskript wieder aufgenommen. Das Stück ist nun fertig. Es hat am 15. November in Ruhrort seine Premiere. Ich freue mich darauf.

Duisburg im Kriegstagebuch von Erich Kästner

Momentan beschäftige ich mich für ein Lese- und Hörstück mit dem letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs. Dazu habe ich mir auch „Das Blaue Buch“ von Erich Kästner vorgenommen. Er schrieb sein „Geheimes Kriegstagebuch“ von 1941 bis 1945. Seine Bücher hatten die Nazis verbrannt. Dennoch war er in Deutschland geblieben, was seinerzeit verwunderte und heute aus seiner Persönlichkeit heraus vielschichtig deutbar wäre.

Unter seinem wahren Namen durfte er nicht mehr publizieren. Doch auch der Nationalsozialismus kannte Klüngel, und so konnte er bis 1943 mit Kollegen unter Pseudonymen schreiben und damit Geld verdienen. Sogar das Drehbuch für den UFA-Film Münchhausen war sein Werk. Erst danach war ihm jegliches Schreiben zum Lebensunterhalt untersagt.

Wie populär ist Erich Kästners Werk für Erwachsene eigentlich heute noch? Ein paar seiner Gedichte gehören ja zur Standardsetlist der meisten Lyrik-Compilations. Ist sein Roman „Fabian“ aber noch Schullektüre? Ich weiß es gar nicht. Sei es drum, in seinem geheimen Tagebuch waren auch Zeitungsausschnitte eingeklebt. Einer dieser Ausschnitte, eine Todesanzeige, verweist auf die Duisburger Lebenswirklichkeit im Mai 1943. Kommentarlos war sie eingefügt.

Die Anzeige war in der Kölnischen Zeitung erschienen. Ob auch in der Duisburger Presse eine Anzeige erschien, müsste recherchiert werden. Die Familie muss wohlhabender gewesen sein. Darauf deuten sowohl die Anzeige außerhalb von Duisburg als auch die „langjährige, treue Hausgehilfin“ Käthe Hoff hin, der die Todesanzeige ebenfalls gilt.

Die Todesanzeige macht sehr wahrscheinlich die Folgen eines Luftangriffs auf Duisburg erkennbar. Diese eine Todesanzeige gilt gleich acht Verstorbenen. Die Ursache wird nicht beim Namen genannt. Ein „tragisches Geschick“ habe die Toten ereilt.

Der Ehemann von Franziska Zimmermann überlebte. Warum war Josef Zimmermann nicht zu Hause, als die Bomben fielen? Musste er sich schon für den Kriegsdienst an einem anderen Ort bereit halten? Noch war er ein „Hauptmann der Reserve zur Verfügung“. Den Zusatz deute ich so, dass er vermutlich eben noch nicht im Einsatz war.

Eine seiner Töchter und der Schwiegersohn Ferdinand Bolte lebten in Osnabrück und waren mit ihren zwei Kindern anscheinend zu Besuch in Duisburg.

Erich Kästner wurde wahrscheinlich durch die hohe Opferzahl aufmerksam, gleichwohl muss die Todesanzeige für ihn etwas ausgesagt haben, was über dieses persönliche Schicksal hinaus führt. Meines Erachtens haben die Toten in Duisburg für ihn auf die Kriegslage im Mai 43 im Allgemeinen hingewiesen und damit auf ein Schicksal, das der gesamten deutschen Bevölkerung hat drohen können. Deutsche Truppen hatten am 12. Mai in Nordafrika kapituliert. An der russischen Front mehrten sich die Zeichen der russischen Armee unterlegen zu sein. Seit Anfang 43 unterstützte die US-Luftwaffe die englischen Bombardements auf deutsche Städte. Während die Propaganda etwas anderes erzählt, offenbart sich die Wirklichkeit für Kästner im Leid der Bevölkerung und Zerstörung deutscher Städte.

Die Beerdigung der Duisburger Opfer fand auf dem Ehrenfriedhof statt. Dieses abgrenzte Terrain war zu Beginn des Zweiten Weltkrieges auf dem damals Neuer Friedhof genannten heutigen Waldfriedhof für gefallene Soldaten angelegt worden. Ob zu dem Zeitpunkt auch schon an zivile Opfer gedacht worden ist?

Lesung im Taranta Babu am 22. 11. um 19 Uhr – 111 Orte in Dortmund, die man gesehen haben muss

Heute erscheint offiziell „111 Orte in Dortmund, die man gesehen haben muss“. Für das Buch habe ich mich mit Dortmund abseits der üblichen touristischen Sichtweisen auf den Ruhrstadtstadtteil beschäftigt. Ich habe nach Orten gesucht, die mit ihrer Geschichte überraschen oder auf eine sehr eigene Weise sehenswert sind. Ich habe dabei Verstecktes gefunden und im Bekannten Besonderheiten. Ich konnte mit Orten in die Dortmunder Geschichte eintauchen. Ich habe Skurriles entdeckt und bin immer wieder auf Orte gestoßen, die allein durch das Engagement von Dortmundern entstanden und lebendig bleiben. Das Buch ist mein persönlicher Blick auf Dortmund.

Morgen findet in Dortmund die Premierenlesung zu diesem Buch statt. Ab 19 Uhr lese ich im Taranta Babu, Humboldtstraße 44, und erzähle von den Erlebnissen während meiner Arbeit an dem Buch. Der Eintritt ist frei.

Am Samstag, den 30. gibt es eine weitere Gelegenheit zur Begegnung in der Buchhandlung Dreesen, Brackeler Hellweg 136, in Brackel. Ab 15.30 Uhr lese ich, allerdings kostet es dort Eintritt.

Das junge Licht scheint heller als die Brennende Ruhr

Am Freitag nächster Woche bin ich ab 19 Uhr in der Buchhandlung Tausendundein Buch in Neudorf, Oststraße 125, zu Gast. Dort werde ich dieses Mal nicht eigene Texte lesen, sondern an die Wirklichkeit von Arbeitern im Ruhrgebiet anhand von Erzählungen und Romanen aus dem Ruhrgebiet erinnern. Das Ganze ist ein unterhaltsamer Überblick. Dramatisch geht es dabei zu, komisch und immer wieder auch informativ, wenn ich zusätzlich Literatur- und Ruhrgebietsgeschichte hervorkrame. Als Programmankündigung sieht das so aus:

Das Junge Licht scheint heller als die brennende Ruhr

Die Arbeit in der Montanindustrie  – Das war nicht nur die Arbeit unter Tage und an den Hochöfen. Der Bergbau und die Industriearbeit prägten Mentalität sowie Alltag in Familien und im täglichen Miteinander auf der Straße. Gewohnheiten und Haltungen aus dem Pütt bestimmten, was richtig und was falsch war. In Arbeitersiedlungen traf Wohlverhalten bei Komplettversorgung durch die Zechen auf Mitbestimmungswillen von Arbeitern. Im Bandoneonorchester lernten Bergleute Instrumente spielen. In Vereinsheimen wurde eigene Kultur geschaffen. Der Autor Ralf Koss hat Texte zusammengestellt, in denen sich die Lebenswelt der Arbeiter wiederfindet. Ob in Karl Grünbergs „Brennende Ruhr“, in Max von der Grüns Romanen oder in den Krimis von Peter Kersken, ob in den 1920er Jahren oder in der Gegenwart, der Bergbau und die Industriearbeit wirkten sich auch auf die Literatur aus. Ralf Koss stellt Ruhrgebietsromane sowie ihre Autoren vor und wirft einen unterhaltsamen Blick auf Literatur- und Zeitgeschichte.

Ort: Tausendundein Buch, Oststraße 125, 47057 Duisburg. Kartenbestellung: Telefon 0203.35 66 75
Zeit: Freitag, den 22. Januar 2019, 19 Uhr
Eintritt: 5 Euro

Smog im Ruhrgebiet 1973

Der 1973 ausgestrahlte TV-Film Smog von Wolfgang Menge zeigt als Katastrophenthriller die Folgen der Luftverschmutzung im Ruhrgebiet. Menschen sterben, Verantwortliche sind überfordert, niemand im Ruhrgebiet kann der Gefahr der lebensbedrohlichen Luft entgehen. Dennoch geht das Leben weiter. Ein Fußballspiel im Duisburger Wedaustadion findet statt – im Film unten beginnt es ab Minute 26.45. Der MSV Duisburg spielt gegen Borussia Dortmund, und plötzlich sinkt am rechten Flügel ein Spieler der Zebras mit Atemnot zu Boden.

Bernard Dietz zeigt schon damals jenes schauspielerische Können, das heute für viele Fußballer die Regel ist. Damals allerdings wird kein Foulspiel gepfiffen, sondern es herrscht Entsetzen. Eine Trage für „Ennatz“ muss her. Das Spiel wird abgebrochen. Die Lage wird immer bedrohlicher.

Angesichts der Produktionsbedingungen von Fernsehfilmen heute beeindruckt der Aufwand, mit dem dieser TV-Film damals gedreht wurde. Durch die vielen Szenen aus der Wirklichkeit des Ruhrgebiets erhält die Fiktion der Smogkatastrophe einen dokumentarischen Charakter.

Der Film thematisiert zudem den medialen Umgang mit der Katastrophe. Auch damit wird er gleichsam zur vorhersagenden Dokumentation jenes Jahres 1985, in dem im Januar tatsächlich Smogalarm der Stufe III ausgerufen wird. Der Wirklichkeit 1985 fehlt die Zuspitzung zur Katastrophe. Es fehlt die fiktionale Verdichtung des Geschehens zur Vergiftung, also der schnell auftretenden gesundheitlichen Gefährdung, mit der im Film die Luftverschmutzung immer wieder bebildert wird. Langsam ablaufende Prozesse entgehen der sinnlichen Wahrnehmung und müssen dem Bewusstsein vermittelt werden. Der Klimawandel mit seinen Folgen verweist  heute täglich darauf.

 

 

 

Ein Radiogespräch beim Bürgerfunk Moers

Anfang November war ich bei Helmut Hahues vom Bürgerfunk Moers zu Gast und habe mich mit ihm über meine Arbeit unterhalten. Es war mein persönliches Vorprogramm zu dem Heimspiel des MSV gegen den SC Paderborn, wie auf dem Foto unten leicht zu erkennen ist. Gutes Gespräch, gutes Spiel: Der Heimsieg folgte als Hauptprogramm.

Am 11. November wurde das Gespräch dann gesendet, bei dem wir uns zunächst über meine Fußballbuchprojekte unterhalten en haben, über 111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss und über Mehr als Fußball, kamen wir auf die Geschichte des Ruhrgebiets zu sprechen. Dabei hatte ich auch die Gelegenheit einen Text aus 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen zu lesen, jenen Text über die „Zeche Friedrich Heinrich“ in Kamp-Lintfort, ab Minute 12.35.

Und was die Bücher angeht, bleibt noch das Stichwort Weihnachtsgeschenke. Die Fußballorte im Ruhrgebiete gibt es zusammen mit Mehr als Fußball für 20 Euro statt früher knapp 30 Euro. Die Fußballorte alleine kosten 8,90 Euro statt früher 14,95 Euro. Mehr als Fußball alleine kostet 14,90 Euro. Einfach oben klicken und bestellen. Wenn ihr in Duisburg oder näherer Umgebung wohnt, bringe ich die Bücher auf meinen Wegen durch die Stadt vorbei, sonst kommt Versand noch hinzu.