Fundstück – Postkarte SV Hamborn 07

Bei der Arbeit am „Irrtümer und Wahrheiten“-Buch über den MSV für den Klartext-Verlag fiel mir neulich beim Blick ins Handarchiv eine Postkarte der Mannschaft vom SV Hamborn 07 in die Hände. Es ist einer der beiden Vereine, aus denen 1954 die Sportfreunde Hamborn 07 hervorgegangen sind. Ich habe leider keine Zeit nachzuprüfen, in welcher Saison genau die Mannschaft angetreten ist.

Da in den ersten Oberligajahren des Vereins „Burger“ Hetzel dabei sein müsste, könnte es die Saison 1946/47 gewesen sein. In jener Zeit spielte er das erste Mal beim MSV. Geschichten über einzelne Spieler wären sicher auch interessant. Ich stelle schon mal eine Datei in den Entwürfe-Ordner. Wenn ihr aber schon was zu erzählen habt, ab in die Kommentare.

Als Schild Bochum 1938 das Fußballspiel nach der Meisterschaft verboten wurde

Die Castroper Straße 10 in Bochum gibt es nur noch als Teil der Doppelbebauung zweier Grundstücke. Ein Zweckbau ist hier errichtet worden, wo einst zwei Häuser standen. In einem von ihnen, auf besagtem Grundstück Nummer 10 befand sich das Vereinsheim von Schild Bochum, dem letzten Deutschen Meister vom jüdischen Sportverband Schild. Noch 1938 fand in diesem Haus ein Festakt statt, nachdem die Bochumer Mannschaft am 26. Juni das Endspiel gegen den Titelverteidiger Schild Stuttgart mit 4:1 gewann. Dieser Sieg hatte für die verbliebenen Mitglieder der Bochumer jüdischen Gemeinde einen hohen Stellenwert. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde war anwesend, der Rabbiner, sowie mehrere Schild-Sportfunktionäre.

Schild Bochum war als Hakoah Bochum 1925 von Erich Gottschalk und Freunden gegründet worden. Die Familien der Gründungsmitglieder stammten aus dem Bürgertum. Erich Gottschalk besaß ein Handelsunternehmen. Ein Jahr nach der Gründung waren etwa 300 der 1000 Bochumer Juden Mitglied in dem Sportverein. Sie waren nicht nur Fußballer. Es wurde Leichtathlektik betrieben. Fechten war ein Sport im Verein, Boxen und Tischtennis.

Das war jenes Jahr, als der jüdische Verein Hakoah Essen die Aufnahme in den Westdeutschen Spielverband (WSV) beantragte. Der Vorsitzende des WSV, Constans Jersch, damals Präsident des TuS Bochum und bis in die 1950er Jahre Funktionär beim VfL Bochum, lehnte diesen Antrag wegen „Überfüllung der Spielklassen“ ab. Im antisemitischen Klima jener Zeit wirkte die Entscheidung auf die jüdischen Sportler als Ausgrenzung und Aufforderung, sich selbst zu organisieren. In der Folge wurde der „Verband jüdisch neutraler Turn- und Sportvereine Westdeutschlands“, VINTUS, gegründet, der eine eigene Fußballliga organisierte, eingeteilt in den Ruhr- und Rheinkreis. Diese VINTUS-Liga muss man sich zunächst als gehobene Freizeitliga vorstellen, in der Hakoah Bochum dreimal Meister wurde.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 schlossen viele DFB-Vereine ihre jüdischen Mitglieder im vorauseilenden Gehorsam aus. Wenn die ausgegrenzten Fußballer weiter ihren Sport betreiben wollten, blieben ihnen die jüdischen Sportvereine. Entsprechend stieg deren Mitgliederzahl. Nicht nur der Spielbetrieb wurde deshalb ausgeweitet, auch das sportliche Niveau der Mannschaften verbesserte sich durch die neuen Mitglieder.

Die jüdischen Sportler hatten zunächst die Wahl zwischen dem zionistisch geprägten Makkabi-Verband und dem Schild-Verband, in dem sich schon zuvor Juden organisiert hatten, die sowohl ihren jüdischen Glauben als auch ihre innere Verbindung zu Deutschland zum Ausdruck bringen wollten. Erst später zwangen die Nationalsozialisten beide Verbände zu kooperieren. Hakoah Bochum schloss sich dem Schild-Verband an, nannte sich um und setzte als Schild Bochum seine Erfolgserie fort. Von 1933 bis 1938 erreichte der Verein vier von fünf Finalspielen und gewann dreimal den Titel in der VINTUS-Liga.

Ab 1936, die Nürnberger Gesetze entrechteten im Jahr zuvor die jüdische Bevölkerung, wurde dem Verein in Bochum der Sportbetrieb nicht mehr ermöglicht. Die Mitbenutzung der Platzanlage von Preußen 07 war aufgekündigt worden, und Schild musste fortan nach Gelsenkirchen-Ückendorf ausweichen, wo der dortige jüdische Verein einen eigenen Sportplatz besaß.

Der Schild-Verband verantwortete das Ausspielen der Deutschen Meisterschaft. Das letzte Endspiel dieser Meisterschaft fand 1938 statt. Schild Bochum stand zum erstenmal im Endspiel um die „Schild“-Meisterschaft und gewann gegen den Titelverteidiger und zweimaligen „Schild“-Meister aus Stuttgart. Die Zeitung der „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ berichtete vier Tage nach dem Finale von einem kampfbetonten und schnellen Spiel vor 400 Zuschauern.  Die Mannschaft gewann trotz verletzungsbedingtem Ausfall des Außenstürmers in der 10. Minute.

Vier Monate nach dem Titelgewinn endete mit den Pogromen des 9. November 1938 die Vereinsgeschichte. Die Spieler wurden verfolgt, in Konzentrationslager verschleppt und nur wenige konnten flüchten. Erich Gottschalk überlebte in Ausschwitz durch Zufall. Seine Ehefrau, die Tochter und die Eltern von Erich Gottschalk wurden in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten ermordet.

Der Text greift das Kapitel „Das Vereinsheim von Schild Bochum“ auf aus meinem mit Frank Baade geschriebenen Buch „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“. Der Sporthistoriker Henry Wahlig hat die Geschichte des jüdischen Sports im Allgemeinen und die des Bochumer Vereins im Besonderen intensiv erforscht.

Lebenswirklichkeit von 1965 am Beispiel Jugendfußball

Im Dezember 1965 wurde Der ‚kleine‘ Fußball zum ersten Mal ausgestrahlt. Die knapp 30-minütige Reportage beschäftigt sich mit Schwierigkeiten und Möglichkeiten von Duisburger Kindern und Jugendlichen, die in ihrer Freizeit Fußball spielen wollen.

Im Laufe des Beitrags wird durch O-Töne von Vereinsvertretern aus ganz NRW deutlich, Duisburg steht als Beispiel für die damalige Situation im ganzen Bundesland. Das kommt etwas überraschend, weil mit einem Mal Männer in breitestem rheinischen Singsang sprechen und man sich fragt, ob die jetzt alle im Pott wegen der Arbeit gelandet sind. Doch nach und nach wird klar, sie sprechen für ihre jeweiligen Heimatstädte.

Überhaupt werden die anderen Sehgewohnheiten jener Zeit deutlich. Welch anderer Ton wird im begleitenden Kommentar angeschlagen. Wie erziehend klingt das zuweilen. Auch wenn der Beitrag Schwierigkeiten auf allen möglichen Ebenen zeigen soll, die Belehrung des Zuschauers schlägt immer wieder durch. Bildungsauftrag gehörte offensichtlich auch zum tagesjournalistischen Ethos. Die Zuschauer sollten animiert werden, sich im Ehrenamt bei Sportvereinen zu engagieren und ihre Kinder Fußball in Sportvereinen spielen zu lassen.

Aber schon in den heute als rosig scheinenden Zeiten des Vereinsengagements gab es zu wenige Betreuer für die Jugendmannschaften. Kurios muten die gestellten Szenen an, in denen der Jugendobmann des TuS Duisburg 48/99 sich mit einem Vater unterhält.

Duisburg in den 1960er Jahren war immer noch eine Stadt im Wiederaufbau. Kriegsschäden sind in den Straßen weiterhin überall zu sehen. Leerflächen sind voll von Steinen und Scherben. Der Verkehr nimmt zu. Straßenfußball ist gefährlich, lautet die Botschaft zu Beginn. Sport im Verein ist die Lösung. Vorbildhaft wird die Sportanlage von TuS Duisburg 48/99 und das Vereinsleben dort gezeigt. Alles wäre gut, wenn es nur noch mehr Betreuer und mehr Plätze gäbe. Dagegen steht Duisburg 08 vor Schwierigkeiten. Den Sportplatz des Vereins beanspruchte in jener Zeit das benachbarte Industriewerk. Der Verein musste umziehen und der Vorstand arbeitete daran, ein neues Gelände zu finden. Das alte Wedaustadion ist bei einem Meisterschaftsspiel der Senioren von 48/99 ebenfalls zu sehen. Der Meidericher SV spielte damals dort bei Auswärtsspielen. In dem Beitrag steckt viel anschauliche Lebenswirklichkeit, die nicht nur für Duisburg und den Sport jenes Jahres gelten.

UPDATE: Bei Facebook merkte Sven Webers m. E. zurecht an, der Bericht könne nicht aus dem Jahr 1965 sein. Ich zitiere ihn: „Der Bericht kann auch nicht von Ende 1965 sein, weil der TuS schon im Sommer 1964 aufgehört hat zu existieren (fusioniert mit DSV zu Eintracht Duisburg) und von der großen Haupttribüne am Wedaustadion, die 1964 eingeweiht wurde noch nicht mal die Baustelle zu sehen ist, und der TuS nach 1963 auch nicht mehr da gespielt hat, sondern 1963/64 erst in Krefeld und dann nach der Fusion als Eintracht im kleinen Stadion (Fugmann-Kampfbahn) nebenan. Der Bericht wird wohl eher von Ende der 1950er Jahre sein (Olympia 1956 wird ja im Film als bereits gewesen erwähnt).“ Womöglich gab es bei der  Jahreszahl des WDR einen Zahlendreher? Intuitiv hatte auch ich zunächst von den 1950er Jahren in meinem letzten Absatz geschrieben, um es nach dem Blick auf das Sendedatum zu korrigieren.

Von schwieriger Geschichtsschreibung bei der Ausstellung 100 Jahre Ruhrgebiet

Manchmal zeugen Zufallsbegegnungen von der Bedeutung des Fußballs im Ruhrgebiet. Das war neulich bei der Ausstellung „100 Jahre Ruhrgebiet – Die andere Metropole“ im Ruhrmuseum auf Zeche Zollverein weniger die Ausstellung selbst als die Spuren von Besuchern des Museums. In der überschaubaren Ausstellung wird das Ruhrgebiet in sieben Segmenten vorgestellt, eines davon nennt sich „Sport- und Veranstaltungsmetropole“. Lassen wir mal die Metropole als wieder einmal viel zu großes Wort für die Gegebenheiten des Ruhrgebiets beiseite.

Oder besser noch, nehmen wir das Wort doch ernst und wenden es an auf den kleinen Nebenraum der Ausstellung mit seinen wenigen Plakaten, von denen zumindest die Rockpalast-Reihe der 80er von kultureller Größe zeugt. Aber der Sport? In einem der Metropolen-Tempel der Konzerte und des Sports, der Gruga-Halle, fand im Januar 1964 ein überraschendes Metropolen-Ereignis statt. Das Teilnehmerfeld mit hochkarätigen Vereinen der Metropole muss die Fußballfans in aller Welt begeistert haben. Oder etwa nicht?

Als ich die einordnende Texttafel zum Stadionbau in diesem Ausstellungssegment las, hatte ich verzweifelte RWE-Fans wohl gerade verpasst. Es war Hand angelegt worden an die Kürzest-Geschichtsschreibung der Ausstellung. Die RWE-Geschichte der 60er fehlte RWE-Fans jedenfalls dort. So wichtig ist der Fußball, und so bedeutsam ist wahrhaftige und argumentativ stimmige Geschichtsschreibung.

Ich kann die Enttäuschung dieser Fans nämlich verstehen. Wenn Bochum dort steht, obwohl der VfL erst 1971 in die Bundesliga aufstieg, kann RWE zurecht auf Gleichberechtigung pochen. Zwar war das in den 1960ern  vorhandene Georg-Melches-Stadion erst wenige Jahre zuvor gebaut worden, doch RWE gehörte bereits in den 1960er Jahren zweimal der Bundesliga an und der Verein profitierte  damals von einem der modernsten Stadien seiner Zeit.

Geschichtsschreibung ist schwierig. Der Anfang des Textes passt wegen der sehr viel späteren Bundesligazugehörigkeit des VfL argumentativ nicht zum Ende, selbst wenn das Stadion dort schon in den 1920er entstanden ist.

Insofern ist es verständlich, wenn RWE-Fans das Augenmerk weniger auf die Begründung für Erfolg legen als auf den Erfolg selbst. Denn Rot-Weiss Essen gehörte schon in den 1960ern der Bundesliga an.

Insgesamt hat mich die Ausstellung übrigens etwas enttäuscht, weil die Ausstellungsinhalte sich zu gut der Hälfte nicht von der Dauerausstellung unterschieden. Dieser Sportbereich findet sich in der Dauerausstellung ebenso in ähnlicher Form wie der andere Kulturbereich. Ich hätte eine engere thematische Bindung an den Regionalverband Ruhr und die Gemeinschaftsbemühungen besser gefunden. Schließlich ist das RVR-Jubiläum Anlass der Ausstellung. Andererseits erhalten Erinnerungen an eigene Lebensgeschichte Futter. Was natürlich auch einen Wert hat.

Stadioneröffnung in Homberg 1964

Historische Wahrheit braucht manchmal den Gang in die Archive, wo Akten gelagert werden und auf Papier geschrieben steht, was geschehen sein soll. Mit einem offiziellen Spielbericht der Regionalliga-Partie des Homberger SV 03 gegen Fortuna Düsseldorf ließe sich die Ungereimtheit auflösen, warum der bei youtube eingestellte Clip eine sommerliche Umgebung zeigt, während das bei Fussballdaten.de eingestellte Spielergebnis den 20. Dezember als Termin aufweist. Zumal dort eine 0:5-Heimniederlage verzeichnet ist und im Clip kein einziges Tor gezeigt wird. Wir hätten einen sicheren Beweis für meine Vermutung, für die ich jetzt nur eine Indizienkette aufzeige.

Denn ich glaube, das gezeigte Spiel ist gar nicht das gegen Fortuna Düsseldorf, sondern jenes zur Stadion-Premiere gegen Eintracht Duisburg, was den großen Zuschauerzuspruch, die sommerliche Atmosphäre und das torlose Spiel erklären würde.

Im Einführungsjahr der Bundesliga 1963 war ein Zweitliga-Unterbau mit fünf Regionalligen geschaffen worden. Der Homberger SV war 1964 Niederrheinmeister geworden und den Aufstieg in die Regionalliga West geschafft. In der Festschrift des aus der Fusion mit der Sportvereinigung Hochheide entstandenen Nachfolgevereins VfB Homberg ist zu lesen, wie schwierig die Bedingungen für die Ligalizenz zu erfüllen waren. Es gab kein geeignetes Stadion.

Daher mußte in Rekordzeit ein taugliches Spielfeld aus dem Boden gestampft werden, als Baugrundstück fand man die Wiesen am Rheindeich, auf denen heute das PCC- Stadion steht. Überwiegend von Vereinsmitgliedern wurden verwaltungstechnische Dinge wie Grundstücksfragen, Vermessungen, Bauleitungen geklärt oder erledigt, teilweise von Laien. Fritz Jansen stellte sich damals als Projektleiter zur Verfügung, dank der Zusagen von Gönnern und Firmen – die Zeche Rheinpreußen beispielsweise signalisierte eine großzügige Unterstützung – konnte der Rasenplatz angelegt werden. Der betriebene Aufwand war enorm, 60.000 m² Mutterboden wurden beiseite geschoben, 745.000 t Berge abgetragen und 9.200 m² Mutterboden für die Spielfläche einplaniert, auf der später der Rasen eingesät wurde. Vorher war noch die Verlegung von 2.100 m Drainage- und Wasserrohren erforderlich. Mit leichter Verzögerung wurde die Herkulesaufgabe gestemmt, die ersten Spiele mußten in Meerbeck stattfinden. Die Premiere am gegen Eintracht Duisburg (0:0) wurde für Zuschauer trotz diverser Schwierigkeiten (keine Umziehmöglichkeiten, Wasserschutzgebiet, nicht ausgebaute Stehränge) zum Festtag für den Homberger Fußballsport.

Festschrift zum 125 jährigen Jubiläum des VfB Homberg, 2014

Die Homberger stiegen in derselben Saison wieder ab. Durch die zunächst ungeklärte Stadionfrage war die Lizenz spät erteilt worden. Entsprechend spät konnten Spieler verpflichtet werden. Im folgenden also der Clip mit den Bildern, die einen guten Eindruck von dem besonderen Tag für Homberg geben. 1964 gehörte Homberg noch nicht zu Duisburg und war selbstständige Stadt.

 

Die Duisburger Stadtmeisterschaft im Fußball 1946

Der Fußball organisierte sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs recht schnell wieder und half dabei, Normalität des Alltags in den Besatzungszonen wieder herzustellen. Der sportliche Wettbewerb konnte diesen beginnnenden Alltag rhythmisieren. So wurde in Duisburg schon für die Saison 1945/1946 ein Stadtmeister ausgespielt.

Auf der der Historie des Duisburger Spielvereins gewidmeten Seite im Netz finden sich grundlegende Informationen zu dem Wettbewerb und Bemerkungen zu dem Finale, das in Hin- und Rückspiel im Mai 1946 zwischen dem Meidericher Spielverein und dem Duisburger Spielverein ausgetragen wurde.

Beide Vereine qualifizierten sich über Gruppenpiele für das Finale. Die Ruhr bildete dabei die Grenze für eine Süd- und Nordgruppe, in die die teilnehmenden Fußballvereine Duisburgs eingeteilt wurden. Im Süden spielten Duisburger SV, VfL Hüttenheim, TuS Duisburg 48/99, VfL Wedau, Duisburger FV 08, Duisburger SC 1900, Kaßlerfelder BC, TuRa 88 Duisburg, SV Wanheim 1900, SV Neuenkamp, Viktoria Buchholz und DSC Blau-Weiß 01.

Im Norden starteten Meidericher SV, SV Hamborn 07, SV Union Hamborn, SV Beeckerwerth, VfVB Ruhrort/Laar, SV Westende Hamborn, Gelb-Weiß Hamborn, Sportfreunde Hamborn 20, SV Laar 21, SV Hamborn 90, Grün-Weiß Beeck und Schwarz-Weiß Hamborn.

Das Hinspiel des Finales gewann der Meidericher SV mit 5:1 vor 12.000 Zuschauern an der Westender Straße. Der Sieg fiel laut vom DSV-Historiker zitierten Beobachter zu hoch aus: „Während dem Gegner einfach alles glückte, gelang unserer Mannschaft gar nichts. Wenn Meiderich auch besser war, so ist das Resultat viel zu hoch. 1:2 oder 2:3 wäre gerechtfertigt gewesen.“ Das Rückspiel gewann der DSV mit 1:0. Durch das bessere Torverhältnis war der Meidericher SV der erste Stadtmeister Duisburgs nach dem Zweiten Weltkrieg.

Man beachte die Ehrenpreise, Ölgemälde einer Industrielandschaft, die wertvoll (!) gewesen sind. Die Zeitungsauschnitte habe ich ohne Quellenangabe und Veröffentlichungsdatum erhalten.

Duisburg – die Fußballmacht der Anfänge im Westen

Noch ist der Fußball ein junger Sport in Deutschland. Doch 1905 zeigt der Duisburger SV als einer der ersten Vereine im Kaiserreich mit einem Zaun um die eigene Sportanlage, hier entsteht etwas Dauerhaftes, und das soll geschützt werden. Keine Leichenzüge zum nahe liegenden Friedhof unterbrechen nunmehr Spiele, und nicht zuletzt kann so von Zuschauern auf einfachere Weise als zuvor Eintrittsgeld genommen werden.

Manche Spieler des Duisburger SV kennen sich noch aus der Zeit, als sie Anfang der 1890er Jahre im Duisburger Turnverein von 1848 zum ersten Mal den Ball auf ein Tor geschossen haben. Auch im Ruhrgebiet sind es die jungen Söhne des Bürgertums, die sich mit dem neuen Sport Fußball gegen den Sport der Väter, das Turnen, wenden. Arbeiter haben im deutschen Kaiserreich keine Zeit, um Fußball zu spielen. Je intensiver die jungen Männer Fußball spielen, desto deutlicher wird eine Art Sportkulturkonflikt in den Turnvereinen. Dort gibt es das weiter gelebte Ideal der ganzheitlichen körperlichen „Ertüchtigung“. Sie ist eng verbunden mit dem Nutzen für das Militär. Im Fußball rückt der Wettkampfgedanke in den Vordergrund. Fußballer suchen Spannung und die besondere Leistung in Konkurrenz. Die Lösung des Konflikts ist die Trennung. Eigene Fußballvereine entstehen wie 1900 der Duisburger SV.

Die „Rotblusen“, so wird die Mannschaft ab der Saison 19095/1906 genannt, verlieren nur selten ihre Spiele. Als erster Verein der Region engagiert der DSV 1910 einen Trainer. Er kommt aus England, wo der Fußball schon professionell gespielt und entwickelt wird. Dagegen ist in Deutschland mannschaftliches Training statt individueller Körperertüchtigung kaum bekannt. Sein exklusives Wissen wird ihm mit dem damals sehr hohen Jahresgehalt von 2000 Mark entlohnt, das zur Hälfte mit den „Zaunkasse“ genannten Eintrittsgeldern gezahlt wird.

Bis 1927 gewinnt der Verein zehnmal die Westdeutsche Meisterschaft und erreicht 1913 als erste Mannschaft aus dem Westen sogar das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den VfB Leipzig, das allerdings 1:3 verloren geht. Alleine der Duisburger SC Preußen ist zeitweilig ebenso spielstark. Beide Vereine machen Duisburg vor dem 1. Weltkrieg zur frühen Fußballhochburg des Ruhrgebiets, in der Grundlagen des zukünftigen Massensports mitentwickelt werden.

Denn bis 1908 ist mit Gottfried Hinze ein Mann Torwart der Mannschaft, der zugleich als Schiedsrichter aktiv ist und im Rheinisch-Westfälischen Spielverband als Funktionär im Jahr 1902 entscheidend mitwirkt, einen regelmäßigen Meisterschaftspielbetrieb zu organisieren. 40 Vereine mit etwa 1000 Mitgliedern gibt es zu dieser Zeit in dem Verband, 23 Vereine nehmen am ersten Meisterschaftswettbewerb teil. Wenig später wird Gottfried Hinze den Zusammenschluss des Westfälischen Spielverbandes mit dem Deutschen Fußballverband voran treiben. Für all diese fußballerischen Aktivitäten bleibt dem 1873 in Aachen geborenen Gottfried Hinze die Zeit, weil er ein Geschäft für „Bergwerks- und Hüttenartikel“ führt. Zum Vorsitzenden des DFB wird er 1905 gewählt. Er bleibt es bis 1925 und wird danach zum Ehrenvositzenden ernannt. Als Gottfried Hinze 1953 stirbt, trauert Deutschlands Sportwelt, und deren bedeutendste Funktionäre sowie unzählige Fußballer von Nationalspielern bis hin zu Jugendspielern des DSV erweisen dem Fußballpionier bei seiner Beerdigung die letzte Ehre.

Solche und ähnliche Geschichten des historischen Fußballs finden sich neben Geschichten mit anderen Schwerpunkten in den 111 Fußballorten im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss. Bestellbar hier mit einem Klick. Statt 14,95 Euro nur 9,90 Euro inkl. Versand.