Essen in den 1950ern – Ein fremder Blick auf die Vorweihnachtszeit

In welchem Zusammenhang der folgende Clip entstanden ist, kann ich nur vermuten. Eine erste Netz-Recherche zu den genauen Produktionszusammenhängen verlief jedenfalls ergebnislos. Vielleicht weiß in dem Fall der „Schwarm“ der Pott-Historieninteressierten mehr und verhilft zu Wissen. Wahrscheinlich ist der Kurzfilm von etwas mehr als 11 Minuten zu Lehrzwecken erstellt worden. Ein ethnografischer Blick wird in ihm deutlich.

Am Beispiel des Alltags der Familie Müller in einem Dezember der 1950er Jahre lernt man nicht nur Essen in der Vorweihnachtszeit kennen beispielhaft für das Leben in der ruhr area, sondern auch Industriearbeitswelt, Freizeit, Brauchtum und einige deutsche Worte. Schöne dokumentierende Bilder aus dem städtischen Leben sind zu sehen.

In dieser Winterzeit herrscht offensichtlich das, was Jahre später Smog heißen wird. So lässt sich auch die Umweltbelastung jener Zeit erkennen, eine verrauchte Luft, für die der Kommentar anerkennende Worte findet, ist dieser Rauch doch ein Beleg für die Produktivität der ruhr area.

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Ruhrstadt – Der Karneval zwischen den 1950ern und 1982 in Bildern

Während der Arbeit an 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen haben sich viele Informationen und Bilder angesammelt, die wir aus unterschiedlichen Gründen für das Buch selbst nicht genutzt habe. Es ist eine Art Beifang unserer Recherche. Einiges davon braucht eine erklärende Geschichte. Viele historischen Fotos aber stehen auch für sich und lassen sich als Einzelstücke betrachten. In loser Reihe stelle ich einen Teil dieses Beifangs online. Einordnende Kommentare sind gerne gesehen.

Fotografen und Rechteinhaber der Fotos habe ich nicht immer ermitteln können. Ich bitte Fotografen und Archive sich bei mir zu melden.

Der Hoppeditz ist begraben, der Nubbel verbrannt.  Zum Abschied der Session geht der Blick hier zurück in die Vergangenheit, in der der Karneval noch weitaus mehr in der Alltagskultur der Ruhrstadt verankert war. In Duisburgs Meiderich-Berg wurden in der katholischen Gemeinde St. Matthias Pfarrsitzungen veranstaltet, die von den Gemeindemitgliedern selbst gestaltet waren. Gemeindemitglieder gingen in die Bütt, sie sangen selbst. Es ging nicht darum, Karnevalskünstlern zuzusehen, sondern die eigenen Talente auf die Bühne zu bringen. Die Fotos der 1960er Jahre hatte ich schon einmal in einer kurzen Erinnerung an St. Matthias veröffentlicht. Nun habe ich weitere Fotos gefunden.

Folgende Fotos sind wahrscheinlich Ende der 1940er Jahre und etwa Mitte der 1950er Jahre aufgenommen. Das linke Foto wird Ende der 1940er Jahre aufgenommen worden sein. Die Männer und Frauen sind schlank, die Männer-Wohlstandsbäuche der 1950er Jahre sind noch nicht zu sehen. Entsprechend dürfte das mittlere Foto schon in diesen 1950ern aufgenommen worden sein. Der Mann links ist der damalige Vorsitzende des katholischen Arbeitervereins, der im Karneval zudem der Sitzungspräsident war. Auf dem rechten Foto sind die Männer des Kirchenchors bei einem Auftritt während einer Pfarrsitzung zu sehen. Wer Genaueres weiß, die Kommentare sind offen. Fotos anklicken, vergrößert sie.

Karnevalsitzung 1969

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Karnevalsitzung, eine andere Session. Die Sitzordnung des Elferrats und die Dekoration lassen ein anderes Jahr vermuten, zumindest eine andere Veranstaltung. Viel Zeit lag aber nicht zwischen dem oberen und den unteren beiden Fotos.

Wann die Damensitzung, in Meiderich Möhnekaffee genannt, im Vereinshaus stattgefunden hat, weiß ich nicht genau. Um die Jahrzehntwende 1970 müsste das Foto aufgenommen worden sein.

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Auf dem Weg zum Hamborner Kinderkarnevalszug in Meiderich-Berg auf der Mühlenstraße – wahrscheinlich 1965.

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Darüber hinaus finden sich im Netz historische Bilder des Karnevals in der Ruhrstadt. Manchmal sind sie etwas versteckt wie im Fotoalbum der Duisburger KG Rot-Gold Laar 1950, in dem sechs Fotos den Viertelszug aus dem Jahr 1971 zeigen.

Leichter auffindbar sind solche Dokumente im WDR-Projekt digit.de, der digitalisierten Sammlung privater Filme und Fotos aus analogen Zeiten. Bei der Suche nach bestimmten Motiven kann man sich dort schon mal verlieren. Eine kleine Auswahl von Karnevalsfilmen habe ich zusammengestellt. Es gibt noch viel mehr.

Der Essener Rosenmontagszug im Jahr 1958 wird knapp 2’30 gezeigt.

Etwa 12 Minuten dauert der Film über Karneval in Duisburg 1964. Er wirkt wie eine Reportage über den Tag des Karnevalsprinzen und seines Hofstaats.

Der Duisburger Rosenmontagszug 1966 in knapp 2 Minuten.

Daneben findet sich ein 9 Minuten-Clip vom Rosenmontagszug in Dortmund im Jahr 1980.

Knapp 3 Minuten sind Teile des Duisburger Rosenmontagszug im Jahr 1981 zu sehen

Der Karnevalszug in Bochum-Höntrop im Jahr 1982 ist knapp 2’30 zu sehen

Chargesheimer – Impressionen einer Ausstellung

RS2017_RUMU_Plakat Chargesheimer_032014_2048 Pixel-scrAls der Fotoband „Im Ruhrgebiet“ 1958 erschien, war vor allem das offizielle Ruhrgebiet über dieses Buch entsetzt. Die Fotos des Kölner Fotografen Chargesheimer zusammen mit den Texten des Schriftstellers Heinrich Böll entsprachen überhaupt nicht dem Bild, das dieses offizielle Ruhrgebiet von sich gerne verbreitet gesehen hätte. Der Gegenentwurf des „wahren“ Ruhrgebiets war bald als weiterer Fotoband ebenfalls im Handel erhältich.  Da waren Chargesheimer und Böll zusammen mit ihrem Verleger längst einmal in Essen gewesen, um sich der harschen Kritik zu stellen.

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Mit der historischen Einordnung beginnt die Ausstellung „Chargesheimer – Die Entdeckung des Ruhrgebiets“ auf Zollverein in Essen. Neulich habe ich es endlich geschafft, mir diese wunderbare Ausstellung anzusehen. Bis zum 18. Januar ist es noch möglich, in die Wirklichkeit des Jahres 1957 einzutauchen, jenem Jahr vor der Buch-Veröffentlichung, als Chargesheimer über sechs Monate hinweg immer wieder ins Ruhrgebiet zum Fotografieren fuhr.

Natürlich zeigen die Fotos einen persönlichen Blick aufs Ruhrgebiet. Wenn ich aber diese Fotos sehe, höre ich zugleich das Erzählen meiner Eltern, ihrer Freunde, der Großeltern. Chargesheimer hat Leben und Alltag der Arbeiter des Ruhrgebiets auf eine Weise eingefangen, die einem diese Welt nahe bringt und lebendig macht.

Chargesheimer – Die Entdeckung des Ruhrgebiets

bis 18.01. / täglich 10–18 Uhr / am 24., 25. und 31.12. geschlossen

Eintritt: 6 €, ermäßigt: 4 €, Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren frei

Ruhr Museum, Zollverein
Areal A [Schacht XII], Kohlenwäsche [A14]
Gelsenkirchener Str. 181
45309 Essen