Als 1978 die Binnenschifffahrt in deutschen Wohnzimmern begeister

Drüben im Zebrastreifenblog begleite ich die Duisburger Akzente mit einer inoffiziellen Programmreihe. Mein heutiger Beitrag passt auch hierher, spielt der Ruhrorter Hafen dabei doch eine besondere Rolle. Bei Interesse: Mit einem Klick geht es weiter zu den bisherigen Beiträgen des inoffiziellen Akzente-Programms im Zebrastreifenblog.

Noch bevor 1981 die erste Schimanski-Folge Ruhrort und damit Duisburg endgültig zum selbstverständlichen Handlungsort eines fiktionalen TV-Geschehens machte, nutzte schon 1978 die TV-Serie MS Franziska das erzählerische Potential von Duisburg und dem Ruhrorter Hafen als Teil der Binnenschifffahrtswelt. Regie führte Wolfgang Staudte, die Bücher hatte Heinz Oskar Wuttig geschrieben. Die ARD richtete mit der Erstausstrahlung der Serie seinerzeit den Montagabend als neuen Seriensendeplatz ein, und MS Frankziska hatte großen Erfolg.

Wie sehr für mich die Welt der Binnenschifffahrt grundsätzlich mit meiner Ruhrorter Hafenwelt verschmolzen war, seht ihr daran, dass in meiner Erinnerung die gesamte Serie ihren Handlungsschwerpunkt in Duisburg besaß. Was nicht stimmt. Zwei Folgen nur spielen in Duisburg. Ein Binnenschiff liegt nun mal nicht vornehmlich vor Anker, sondern es ist in der MS-Franziska-Welt auch mal auf dem gesamten Rhein unterwegs.

Mit dem Anfang der ersten Folge sehen wir die MS Franziska im Mittelrheintal, und ein Grundkonflikt der Serie wird etabliert. Der von Paul Dahlke gespielte Binnenschiffer im Rentenalter Jakob Wilde ist ganz Patriarch alter Schule. Er glaubt weiterhin auf die Anforderungen des Lebens die besseren Antworten zu haben als seine Söhne. In dieser einführenden Szene geht es natürlich um die grundsätzliche Fähigkeit eines Binnenschiffers, das Steuern des Frachtschiffes, das er seinem von Ulrich von Dobschütz gespielten Sohn Paul in einer Gefahrensituation aus der Hand nimmt.

Die Folge 2, Zum Grünen Hahn, spielt vor allem in Ruhort und Homberg. Die MS Franziska liegt in Ruhrort vor Anker. Jakob und Paul warten auf einen lukrativen Frachtauftrag. Das Alltagsleben in der Binnenschifffahrt wird mit Fahrtauglichkeitsprüfung von Jakob und den Begegnungen mit dem Hafenpastor erzählt. Zudem beginnt für den von Jochen Schroeder gespielten Enkel Jakobs, Niko Wilde, ein zehnwöchiger Lehrgang auf dem im Homberger Eisenbahnhafen liegenden Schulschiff Rhein.

In der Folge 4, Probefahrt, liegt die MS Franziska mit einem Motorschaden in Duisburg fest. Dramatik erhält die Folge durch den Blinddarmdurchbruch von Paul. Für ihn muss Jakob einen Ersatz suchen muss, als er für die MS Franziska einen Frachtauftrag erhält.

Bei Wikipedia gibt es hauptsächlich die inhaltliche Zusammenfassung der einzelnen Folgen. Zusammen mit dem Episodenguide bei Fernsehserien.de erhält man ein gutes Bild vom Handlungsgeschehen.

Auf der Seite TV-Nostalgie gibt es Ausschnitte aus einem Interview, das der Seitenbetreiber mit dem Komponisten der Filmmusik, Peter Schirmann, geführt hat.

Sämtliche Folgen finden sich auf YouTube.

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Ruhrort – Damals

Wer gestern  beim Lebendigen Adventskalender in Ruhrort ein Türchen öffnete, konnte mir bei einer Lesung zuhören. Es hat mir großen Spaß gemacht, eine Viertelstunde Texte zur Ruhrstadt-Wirklichkeit zu lesen und meinen Sinn für Komik mit ein paar Gedichten zu zeigen. Mein Einstiegstext ruft ein Ruhrort der 1960er Jahre in Erinnerung. Ein Blog zur Geschichte der Ruhrstadt scheint mir ebenfalls ein geigneter Ort für diesen Text.

Meine ersten Lebensjahre habe ich in Ruhrort verbracht. Dort bin ich in den Kindergarten gegangen, pumpte im Hafenmund, jedes Mal aufs Neue begeistert, Wasser aus den Handpumpen am Leinpfad und wartete im Hochsommer meist vergebens auf dem Hanielspielplatz, dass das Wasser aus den Spritzdüsen der Klettergerüste spritzte. Von der Geschichte Ruhrorts erfuhr ich in Heimatkunde auf der Grundschule Homberger Straße, und habe mir nicht vorstellen können, dass die Kinder anderer Stadtteile etwas wie “Heimatkunde” überhaupt brauchten. Was sollten die lernen, wenn der Stadtteil keinen Hafen hatte? Alles andere war doch uninteressant und ohne besondere Bedeutung.

Der Blick von der Mühlenweide den Rhein hinunter, das war mein Blick auf die Nordsee. Selbst die größten Dinge wurden rheinabwärts ganz klein. So etwas gab es in keinem anderen Stadtteil, so dachte ich. In anderen Stadtteilen versperrten Häuser die Sicht und alles Große verschwand hinter der nächsten Ecke. Der Zutritt zu den großen Werksgeländen war sogar verboten. Im Ruhrorter Hafen lagen die Dinge offen. Schiffe waren beim An- und Ablegen zu beobachten. Abgedeckte Planken gestatteten Blicke in die Bäuche eines jeden Lastschiffs. Die Kräne als riesige Vögel mit großen gefährlichen Schnäbeln auf der anderen Seite des Hafenbeckens verlangten Respekt. Ich konnte mir aber selbst ein Bild von ihnen machen anders als von den Hochöfen.

Schon der Wohnort meiner Großeltern, Meiderich, war für mich im Gegensatz zur Nordseestadt Ruhrort ein staubiges Wüstendorf tief im Landesinneren, dessen Einwohner ich bedauerte. Ich fragte mich, wieso das vom Rhein noch entfernter gelegene Oberhausen im Rheinland liegen sollte. Immer wieder las ich das rätselnd auf dem Bahnhofsschild im Oberhausener Hauptbahnhof. Als Kind aber nimmt man die verwunderlichsten Aussagen von Erwachsenen einfach hin. Nach dem Essen von Obst darf man nichts trinken etwa. Unzählige Male habe ich mich nicht an diese damalige Grundregel erwachsenen Lebens gehalten und nichts passierte. Da kam es auf eine Ungereimtheit mehr auch nicht an.

Ich selbst wusste es besser. Ruhrort, das war die einzige lichte Welt des Wassers in dieser Gegend.

Eine Kinderspieltradition zwischen den 1930er und 1950er Jahren

Kinder haben eigene Traditionen, die sie mündlich weitergeben. Über Generationen können auf diese Weise etwa Regeln für Spiele in leichten Varianten erhalten bleiben. Gummitwist war während der 1960er Jahre in meiner Kindheit noch ein lebendiges Spiel. Dagegen war ein Spiel wie „Ball an die Wand“, das nach festen Regeln gespielt wurde, in meinem Umfeld ausgestorben.

Meine Mutter erzählte, „Ball an die Wand“ war eines der Spiele, die sie als Kind immer auf der Straße gespielt habe. Das war Ende der 1930er Jahre in Duisburg-Meiderich. Etwa 15 Jahre später, 1953, fotografiert ein Vater seine Tochter und eine Freundin bei demselben Spiel in Essen. Immer noch muss der Ball in einer Abfolge unterschiedlicher Wurf- und Fangweisen an die Wand geworfen werden. Ein System, das jedem Kind, das erstmals mitmachen möchte, beigebracht wird. Die Regeln müssen eingehalten werden, damit das Spiel gelingt. Dass der Ball dabei nicht auf den Boden fallen darf, versteht sich von selbst.

Wie lange diese Spieltradition wohl an anderen Orten lebendig geblieben ist. Gibt es sie gar irgendwo noch?

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Viel Zeit vergeht nicht, bis die beiden Fotos unten von der Tochter und weiteren Freundinnen auf einem Spielplatz an der Essener Ruhrallee aufgenommen werden. Eine solche kostengünstige Rutsche ohne wirkliche Rutschfläche kenne ich auch noch. Meine hat am Hafenmund in Duisburg-Ruhrort gestanden. Gefallen haben mir solche Rutschen nie. Viel zu langsam rutschte man auf ihnen, und als ganz Kleiner war ich mir nie wirklich sicher, ob man  nicht doch irgendwie zwischen den Stangen durchfallen könnte.

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Die Turnstangen in drei unterschiedlichen Höhen waren ebenfalls eine Standardausrüstung auf Spielplätzen jener Zeit.

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Duisburg 1974 – Günter Routhier stirbt nach Sturz bei einem Polizeieinsatz

Drüben im Zebrastreifenblog verfolge ich zwei Reihen, bei denen ich Lieder jeglicher Machart zu Duisburg und zur Ruhrstadt sammel. Die heutige Folge in der Duisburg-Reihe passt wegen ihres zeitgeschichtlichen Inhalts auch gut in diese Räume hier.

Vor knapp einem Monat, am 29. Mai, ist der Liedermacher Walter Mossmann gestorben. Der gute, knapp gehaltene Wikipedia-Artikel zu seiner Person macht nicht nur mit ihm und seiner Kunst schnell bekannt. Schlaglichtartig erhellt leuchten zudem zentrale politische Themen der 1970er bis 1980er Jahre in der BRD auf, Zeithistorie wird angerissen. Das kommt nicht von Ungefähr. Walter Mossmann verstand sein Liedermachertum als politische Stellungnahme.

Oft stehen seine Lieder in der Tradition des Bänkelgesangs, indem er einzelne Ereignisse des Zeitgeschehens aufgreift und sie aus links-alternativer Perspektive berichtend in die Öffentlichkeit bringt und sie kritisiert. Auch einem Duisburger Geschehen der 1970er Jahre hat er ein Lied gewidmet. Vor dem Duisburger Arbeitsgericht klagte 1974 ein entlassener Arbeiter von Mannesmann auf Wiedereinstellung. Der Arbeiter war Mitglied der KPD/ML und den Prozess besuchten zur Unterstützung Genossen, unter ihnen Günter Routhier, der an der Bluter-Erkrankung litt. Als der Richter den Prozesssaal nach der Urteilsverkündung von der Polizei räumen ließ, stürzte Günter Routhier auf der Treppe. Etwa zwei Wochen später verstarb er an einer Gehirnblutung.

Die gerichtliche Aufarbeitung dieses Sturzes wirkte auch auf die bürgerliche Presse nicht so, als habe die Wahrheit des Geschehens herausgefunden werden sollen. Polizeigewalt schien vertuscht werden zu sollen. Sieben Jahre später erscheint anlässlich eines weiteren Prozesses zum Geschehen ein Artikel in der ZEIT, in dem der Vorfall selbst, die langen vergeblichen Versuche der Aufarbeitung und die bundesweiten Reaktionen darauf geschildert werden. Eine dieser Reaktionen war ein Lied, das Walter Mossmann zum Tod von Günter Routhier machte: „Die Ballade vom zufälligen Tod in Duisburg.“

Der Eintrag zu Günter Routhier bei Wikipedia findet sich mit einem Klick weiter. Eine Dokumentation der seinerzeit begleitenden Berichterstattung aus radikaler linker Perspektive findet sich im Mao Projekt, der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“, in der „Texte so genannter maoistischer Gruppen sowie anderer radikaler linker Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland und in West-Berlin“ gesammelt sind.

Etabliertes Seifenkisten-Revival

Wenn wir uns in 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen mit der Seifenkistenrennstrecke in Duisburg beschäftigen, können wir nicht nur über ein sehr populäres Freizeitvergnügen im Deutschland ab Ende der 1950er Jahre berichten. Zudem lässt sich mit den Seifenkistenrennen einiges darüber erfahren, wie Opel als Automobilunternehmen die eigene Marke einerseits mit den Attributen des Sports bewerben wollte und andererseits Kinder als Kunden der Zukunft früh an die Marke zu binden versuchte.

Bis 1971 waren die Rennen eine jährlich stattfindende und viel besuchte Veranstaltung, bei der Deutsche Meisterschaften ausgetragen wurden. Danach fanden sie nur noch sporadisch statt. Nun berichten WAZ/NRZ, das letztjährig nach 21 Jahre Pause erstmals wieder am Alsumer Steig durchgeführte Seifenkistenrennen erfährt vom 28. bis 30. August eine Wiederholung als Meisterschaftswettbewerb für Deutschland und Europa. Den sportlichen Wert erhält das Rennen in Duisburg damit zurück. Klar verändert hat sich aber sicher dessen Werbewert für die Automobilindustrie.

Ruhrstadt – Der Karneval zwischen den 1950ern und 1982 in Bildern

Während der Arbeit an 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen haben sich viele Informationen und Bilder angesammelt, die wir aus unterschiedlichen Gründen für das Buch selbst nicht genutzt habe. Es ist eine Art Beifang unserer Recherche. Einiges davon braucht eine erklärende Geschichte. Viele historischen Fotos aber stehen auch für sich und lassen sich als Einzelstücke betrachten. In loser Reihe stelle ich einen Teil dieses Beifangs online. Einordnende Kommentare sind gerne gesehen.

Fotografen und Rechteinhaber der Fotos habe ich nicht immer ermitteln können. Ich bitte Fotografen und Archive sich bei mir zu melden.

Der Hoppeditz ist begraben, der Nubbel verbrannt.  Zum Abschied der Session geht der Blick hier zurück in die Vergangenheit, in der der Karneval noch weitaus mehr in der Alltagskultur der Ruhrstadt verankert war. In Duisburgs Meiderich-Berg wurden in der katholischen Gemeinde St. Matthias Pfarrsitzungen veranstaltet, die von den Gemeindemitgliedern selbst gestaltet waren. Gemeindemitglieder gingen in die Bütt, sie sangen selbst. Es ging nicht darum, Karnevalskünstlern zuzusehen, sondern die eigenen Talente auf die Bühne zu bringen. Die Fotos der 1960er Jahre hatte ich schon einmal in einer kurzen Erinnerung an St. Matthias veröffentlicht. Nun habe ich weitere Fotos gefunden.

Folgende Fotos sind wahrscheinlich Ende der 1940er Jahre und etwa Mitte der 1950er Jahre aufgenommen. Das linke Foto wird Ende der 1940er Jahre aufgenommen worden sein. Die Männer und Frauen sind schlank, die Männer-Wohlstandsbäuche der 1950er Jahre sind noch nicht zu sehen. Entsprechend dürfte das mittlere Foto schon in diesen 1950ern aufgenommen worden sein. Der Mann links ist der damalige Vorsitzende des katholischen Arbeitervereins, der im Karneval zudem der Sitzungspräsident war. Auf dem rechten Foto sind die Männer des Kirchenchors bei einem Auftritt während einer Pfarrsitzung zu sehen. Wer Genaueres weiß, die Kommentare sind offen. Fotos anklicken, vergrößert sie.

Karnevalsitzung 1969

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Karnevalsitzung, eine andere Session. Die Sitzordnung des Elferrats und die Dekoration lassen ein anderes Jahr vermuten, zumindest eine andere Veranstaltung. Viel Zeit lag aber nicht zwischen dem oberen und den unteren beiden Fotos.

Wann die Damensitzung, in Meiderich Möhnekaffee genannt, im Vereinshaus stattgefunden hat, weiß ich nicht genau. Um die Jahrzehntwende 1970 müsste das Foto aufgenommen worden sein.

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Auf dem Weg zum Hamborner Kinderkarnevalszug in Meiderich-Berg auf der Mühlenstraße – wahrscheinlich 1965.

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Darüber hinaus finden sich im Netz historische Bilder des Karnevals in der Ruhrstadt. Manchmal sind sie etwas versteckt wie im Fotoalbum der Duisburger KG Rot-Gold Laar 1950, in dem sechs Fotos den Viertelszug aus dem Jahr 1971 zeigen.

Leichter auffindbar sind solche Dokumente im WDR-Projekt digit.de, der digitalisierten Sammlung privater Filme und Fotos aus analogen Zeiten. Bei der Suche nach bestimmten Motiven kann man sich dort schon mal verlieren. Eine kleine Auswahl von Karnevalsfilmen habe ich zusammengestellt. Es gibt noch viel mehr.

Der Essener Rosenmontagszug im Jahr 1958 wird knapp 2’30 gezeigt.

Etwa 12 Minuten dauert der Film über Karneval in Duisburg 1964. Er wirkt wie eine Reportage über den Tag des Karnevalsprinzen und seines Hofstaats.

Der Duisburger Rosenmontagszug 1966 in knapp 2 Minuten.

Daneben findet sich ein 9 Minuten-Clip vom Rosenmontagszug in Dortmund im Jahr 1980.

Knapp 3 Minuten sind Teile des Duisburger Rosenmontagszug im Jahr 1981 zu sehen

Der Karnevalszug in Bochum-Höntrop im Jahr 1982 ist knapp 2’30 zu sehen

Matthias Lixenfeld, Duisburg und die rheinische Karnevalskultur

Wenn es heute um Matthias Lixenfeld geht, dann lässt sich mit ihm auch einiges über Erinnerungskultur und Kanonbildung unserer Gesellschaft erzählen. Gab es im Ruhrstadt-Stadtteil Duisburg mit ihm doch im Karneval einen Liedtexter und Komponisten, der für mich in einer Reihe steht mit Größen des rheinischen Liedguts wie Jupp Schmitz oder Willi Ostermann. Wenn ich über sein Schaffen lese und sein heute hier vorgestelltes Lied über den Duisburger Stadtteil Hochfeld höre, sehe ich eine Traditionslinie musikalischen Schaffens, die in der Ruhrstadt keine Fortsetzung gefunden hat. Sollte es anders sein, bitte ich um Hinweise.

Dass ein Mann wie Matthias Lixenfeld kein Berufsmusiker werden konnte, wundert nicht. Dazu brauchte es die Professionalisierung seines Tätigkeitsfeldes, die selbst in der Karnevalshochburg Köln  zu seiner Zeit erst in den Anfängen vorhanden war. Diese Professionalisierung ist die eine Voraussetzung, um Kultur der Vergangenheit für die Gegenwart zu bewahren. Die andere ist das Interesse der städtischen Gesellschaft. Für das Selbstverständnis von Duisburg war dieser Teil städtischer Kultur, der rheinische Karneval, offensichtlich nicht bedeutsam genug, um seine Künstler im allgemeinen Gedächtnis zu behalten. Vielleicht hat sich inzwischen verändert, da mit der Gründung der Matthias-Lixenfeld-Gesellschaft versucht wurde, diese Traditionslinie Duisburger Vergangenheit in der Gegenwart fruchtbar zu machen und das Werk von Matthias Lixenfeld dem Vergessen zu entreißen. Unlängst etwa wurde der Komponist und Texter im Duisburger Lokalteil der Funke-Gruppe gewürdigt, als über eine Karnevalsfeier ganz im Zeichen des Lixenfeld-Werks berichtet wurde.

Auf einer Feier am 14. November 2010 anlässlich seines 111. Geburtstages wurden in Duisburg einige seiner Werke zur Aufführung gebracht. Matthias Lixenfeld schuf etwa das Lied der Duisburger, das seinerzeit konzertant zur Aufführung gebracht wurde.

Zudem war besagtes Lixenfeld-Lied über Hochfeld zu hören. Dieses Lied steht in der Tradition der Karnevalslieder seiner Zeit. Die Melodie ist einfach, der Text aber will nicht nur gefallen. In ihm paart sich das Wohlwollen für die Stadt mit einem ironischen Blick. Wenn die Ruhrstadt sich um Identität und Selbstbild, um städtisches Selbstbewusstsein kümmern will, sollte sie sich auch beim Stadtteilmusiker Matthias Lixenfeld umgucken. Denn solche Lieder wie das über Hochfeld schreibt nur, wer eine Stadt mag und ihr deshalb jederzeit auch etwas zumuten kann.

Den folgenden Text habe ich vom Youtube-Clip übernommen. Sollte es dagegen Einwände geben, bitte melden, dann wird er hier wieder gelöscht.

Örgeswo en Hochfeld steht jetz en Kamin.
Boh – wat eß da hoch, man kann öhm sehr witt siehn.
Awer wenn et donkel weed, ek frog wat dann?
Gonnt van selws drei Reihe rote Lämpkes ahn.
Seit da nu gebaut eß, weiht en andre Wend.
Kin Atömke Stoff ma mehr en Hochfeld fend.
Propper send die Strote, dä Hemmel blau on klor,
Wie hä an de Reviera niemols wor.

Jo, jo, en Hochfeld, do weiht en Löfke,
Jo, jo, en Hochfeld, do eß en Döfke,
Jo, jo, en Hochfeld, do hölt mer’t ut.
Wie make nächstens noch en Kurort drut!