Der Sportplatz des Ruhrorter TV als Keimzelle vom EuroPortsCup

Drüben im Zebrastreifenblog begleite ich die Duisburger Akzente mit einer inoffiziellen Programmreihe. Auch im Beitrag gestern warf ich einen Blick in die Historie Duisburgs, so dass der Beitrag auch hierher passt. Es ging um den Sportplatz des Ruhrorter TV, wie überhaupt man an den Fußballplätzen der Ruhrstadt entlang auch die Geschichte dieser Ruhrstadt erzählen kann. Als 2012 “111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss” erschien, gab es das historische Konzept im Verlag noch nicht. Dennoch wurde auch dieses Buch in großen Teilen ein historisches Buch. Der Text unten ist ihm entnommen.

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Der Sportplatz Ruhrorter TV
Gestern Zeltplatz, heute Festsaal

Der Ruhrorter Verteilerkreis am Rand des Stadtteils liegt in fast jeder Himmelsrichtung nah am nächsten Hafengewässer. Ruhrort besaß nicht viel Platz zur Ausdehnung. Klein blieb so der Stadtteil, dessen Geschichte an vielen Ecken spürbar ist. In der letzten Zeit entdeckten Künstler und Kulturschaffende dessen Reiz. Ob das Hoffnungswort vom Kreativquartier sich weiter mit Leben füllt? Hafen – der weckt Bilder einer intensiven Wirklichkeit, und er könnte Motor dafür sein.
Genauso wie der Hafen auch die Freizeitfußballer im Ruhrorter Turnverein, RTV Staubwolke, und die vom VfvB Ruhrort/Laar, die »Amtsschimmel«, auf eine Idee mit andauernden Folgen brachte. »Hafenturnier« nannten sie die Fußballveranstaltung für Freizeitmannschaften europäischer Hafenstädte zu Pfingsten 1984. Gegner kamen aus Amsterdam, Basel und Bremen, und die Verhältnisse waren bescheiden. Übernachtet wurde in Zelten auf dem Sportplatz.
Inzwischen heißt das jährlich in wechselnden Hafenstädten stattfindende Turnier »EuroPortsCup«, zu dem Bürgermeister vor Ort, ob in Hamburg, Bergen oder Malmö, Eröffnungsreden halten. Es wird mit zwei Jahren Vorlauf geplant, und Festbankette stehen auf dem Programm. 12 bis 14 Mannschaften nehmen in der Regel teil, die Wirtschaftslage bestimmt, welche. Denn fast alle sind nun Betriebsmannschaften von Reedereien oder von Hafenbetreibern wie Duisburgs »duisport« und werden von den Arbeitgebern gesponsert. RTV Staubwolke blieb als einzig unabhängige Freizeitmannschaft übrig, auch weil der Spielergenerationenwechsel meist unproblematisch verlief.
Und warum Staubwolke? Der Ascheplatz des Ruhrorter TV, auf dem sich 1977 die noch jugendlichen Fußballer erstmals trafen, besaß einen Unterboden aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs. Der wurde zu einer solch wirksamen Drainage, dass die oft dichten Staubwolken den Ball nicht mehr erkennen ließen – im Pott nicht selten.

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Moderner Sport Basketball im Ruhrort der 1950er Jahre

Nach dem 2. Weltkrieg konnte der Basketball in Deutschland nicht an eine lange Tradition anknüpfen. So fasste der Ballsport an vielen Orten mit Hilfe von Besatzungssoldaten wieder Fuß. Etwas anders war es im Duisburger Hafenstadtteil Ruhrort. Dort wurde zwar Ende der 1940er Jahre auch Basketball gespielt, doch die Basketballer waren keine Soldaten sondern französische Mitarbeiter der Speditionsfirma Compagnie General pour la Navigation du Rhin. Einige ihrer jungen deutschen Kollegen fanden den Sport interessant und begannen regelmäßig mitzuspielen. Als die jungen Männer schließlich am Wettbewerbsbetrieb teilnehmen wollten, war schnell klar, dazu musste ihre Spielgemeinschaft ein offizieller Sportverein werden. Statt einen Verein neu zu gründen schlossen sich die Basketballer im Jahr 1950 dem VfvB Ruhrort/Laar an, dessen Basketballabteilung bis heute Bestand hat.

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VfvB Ruhrort/Laar gegen Homberger TV. Spielausgang ist unbekannt. Der Platz befand sich am Ruhrdeich.

Zu den Spielern dieser ersten Herrenmannschaft des VfVB Ruhrort/Laar gehörten Jean Amiot, François Burckel sowie Spieler, deren Vornamen mir momentan noch unbekannt sind: Fabre, Risant und Pantin. Ein Engländer namens Maddams gehörte zu jenen Spielern. Die damals jungen Deutschen waren Werner Nagel, Hans-Joachim Wagener, Hermann Ulff, Alfred Vogedes und Werner Müßig. Der Basketball war in diesen Tagen nicht unbedingt ein Hallensport. Aschenplätze gab es auch für Basketballer. Die Hallenspielstätte des VfvB befand sich zunächst in Ruhrort an der Homberger Straße, die Turnhalle der heutigen Grundschule, später in Laar an der Werthstraße.

Nur wenig später gab es eine Damenmannschaft, die lange Zeit in der damals höchsten Spielklasse, der Oberliga, mitspielte. Zu den Spielerinnen dieser ersten Stunde gehörten u. a. Anneliese Fandrey, Anneliese Kluwen, Ulla Kuhlins, Ellen Hellmich, Elfie Lambertz, Christel Hewel und Renate Thomassen. Noch wirkt der Korb auf dem Bild unten selbst gefertigt, und die damals übliche Wurftechnik habe ich selbst zwar als Jugendspieler für Distanzwürfe – noch ohne Dreipunktelinie – kennengelernt, inzwischen gehört sie ganz der Historie an.

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Auf heutigem Duisburger Stadtgebiet war der VfvB Ruhrort/Laar nicht der erste offizielle Basketballverein. Als der Betriebssportgemeinschaft von Compagnie General noch die frühe Form des Streetballs genügte, gab es im damals zum Kreis Moers gehörenden Homberg schon Anhänger des Vereinssports Basketball. 1949 wurde im Homberger TV eine Basketballabteilung gegründet. Zur Frühzeit des Basketballs in Duisburg gehörten außerdem zwei 1951 gegründete Basketballabteilungen, die des TuS Duisburg 48/99 und die des TuS Rheinhausen. Die Basketballabteilung des Homberger TV hat sich vor einiger Zeit mit der des Rumelner TV und der des Vfl Rheinhausen zur BG Duisburg-West zusammengeschlossen.

Und nun vielleicht ihr: Schickt uns Eure Orte im Ruhrgebiet, die Geschichte erzählen. Wenn ihr nur historische Fotos habt, finden wir vielleicht die Geschichte dazu. Wenn ihr nur die Historie kennt, versuchen wir ein Foto dazu zu bekommen.  Unter den Einsendern verlosen wir 5 Exemplare von dem im Herbst 2014 erscheinenden Buch.

Ausführliche Hinweise zu dem Buchprojekt findet ihr mit einem Klick weiter.